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Norddeutschland Kassen: Ärzte sollen weniger Antibiotika verschreiben
Nachrichten Norddeutschland Kassen: Ärzte sollen weniger Antibiotika verschreiben
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09:12 21.09.2017
Quelle: fotolia
Bad Segeberg/Rostock

In acht Bundesländern, darunter Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, werden Mediziner nun gezielt geschult. Schleswig-Holstein ist nicht dabei. Die Kassenärztliche Vereinigung (KVSH) in Bad Segeberg als Vertretung der niedergelassenen Ärzte hatte sich für ein anderes Projekt entschieden, das ebenfalls aus dem sogenannten Innovationsfonds gespeist wird.

Bei akuten Atemwegserkrankungen seien Antibiotika häufig nicht nötig, argumentiert der VDEK. Patienten, die beim Arzt auf ein Antibiotikum bestehen, sei nicht bewusst, dass diese hochwirksamen Medikamente zwar gegen bakteriell verursachte Erkältungen helfen, gegen Viren aber nichts ausrichten. Das zu häufige Verordnen von Breitbandantibiotika führt dem VDEK zufolge zu Resistenzen. Die Medikamente verlieren ihre Wirkung.

Aktuell gebe es nur ganz wenige Behandlungsoptionen bei Infektionen mit Antibiotika-resistenten Keimen, so die Weltgesundheitsorganisation WHO, die gestern größere Investitionen in die Forschung forderte. „Ansonsten kommen wir in eine Zeit, in der Menschen gewöhnliche Infektionen und kleine operative Eingriffe fürchten müssen“, teilte die Organisation mit. In Lübeck wurde zu dieser Problematik ein Netzwerk unter dem Namen „MRSAplus“ gegründet. Beteiligt sind unter anderem das Gesundheitsamt der Hansestadt, das UKSH, die Sana-Kliniken, Pflegeeinrichtungen und viele Arztpraxen. Im Praxisnetz Plön (PNP) zusammengeschlossene Ärzte haben eine Antibiotika-Fibel erstellt – im Kampf gegen resistente Keime, als Hilfe unter Kollegen. Das Ärztenetz Eutin-Malente erarbeitete Empfehlungen für wirksame Antibiotika-Therapien.

Das Pilotprojekt „Resist“ soll dabei helfen, Antibiotika bei Atemwegserkrankungen sparsamer einzusetzen. Seit Juli bieten die Ersatzkassen Medizinern ein spezielles Online-Programm an. Haus-, Kinder- und HNO-Ärzte sowie Internisten sollen motiviert werden, Schaden und Nutzen von Antibiotika in Gesprächen mit ihren Patienten stärker abzuwägen. Bis zum Herbst sollen 3000 Ärzte geschult sein, sagte der Allgemeinmediziner Prof. Attila Altiner von der Uni Rostock, der die wissenschaftliche Auswertung übernommen hat. Laut einem Report der Krankenkasse DAK sind etwa 30 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen unnötig. Altiner: „Manche Patienten denken, dass sie mit einem Antibiotikum schneller gesund werden. Sie setzen den Arzt dann unter Druck.“

Führt das bis März 2020 befristete Projekt zu einer Senkung der Antibiotika-Verordnungen, kann es bundesweit zur Regelversorgung der gesetzlichen Kassen werden.

Curd Tönnemann

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