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Norddeutschland Katholische Kirche verschickt Bettelbrief
Nachrichten Norddeutschland Katholische Kirche verschickt Bettelbrief
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21:18 03.11.2017
Zentrum der Pfarrei: Die Herz-Jesu-Kirche in Lübeck. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Die im Sommer nach einer Umstrukturierung neu gegründete Pfarrei umfasst den katholischen Einzugsbereich von Groß Grönau (Herzogtum Lauenburg) bis Scharbeutz (Ostholstein). Ihr gehören rund 23000 Katholiken an. Sie haben in diesen Tagen überraschend Post bekommen. Die Katholische Kirche erweckt mit ihrem Rundschreiben den Anschein, geistliche, soziale und kulturelle Angebote und auch die Jugendarbeit nur mit Spendengeldern aufrechterhalten zu können.

„Wir bitten Sie herzlich, die Pfarrei mit einem freiwilligen Gemeindebeitrag zu unterstützen“, heißt es in dem Brief, unterzeichnet von Propst Christoph Giering und Kirchenvorstand Raymund Gdaniec.

Denn nur 30 Prozent aller Menschen, die zur Kirche gehörten, zahlten auch Kirchensteuern. Davon erhalte die Pfarrei lediglich einen kleinen Anteil.

„Auch wenn wir aktuell nicht vor dem Ruin stehen, sind wir mittelfristig auf Spenden angewiesen“, begründet Propst Giering das Rundschreiben. Denn die Ausgaben würden die Steuereinnahmen übersteigen.

Das Erzbistum Hamburg habe beispielsweise ankündigt, Schlüsselzuweisungen im nächsten Jahr zu kürzen. Das vorhandene Geld reiche künftig nicht mehr, um die Bausubstanz zu pflegen, Personal zu bezahlen. Bei Orgeln in elf Kirchen, die zur Pfarrei gehören, gebe es einen Renovierungsstau. „Dass wir mit dem Brief in dieser Form ein Risiko eingehen, ist mir bewusst“, sagt der Lübecker Propst, der seit einem Jahr im Amt ist. „Aber was wir behaupten, entspricht der Faktenlage.“ Die Adressaten werden mit einem Versprechen getröstet: „Ihre Spende bleibt vor Ort.“

Lübeck sei kein Einzelfall. Auch andere Pfarreien im Erzbistum Hamburg hätten sich mit einer ähnlichen Bitte bereits an ihre Mitglieder gewandt, teilt Bistumssprecher Manfred Nielen mit. Und ja, es stimme, dass tatsächlich nur knapp ein Drittel der Katholiken Kirchensteuer zahle. Kinder und Jugendliche ohne eigenes Einkommen fallen heraus, alte Menschen mit geringer Rente. Auch Arbeitslose zahlen keine Lohn- und Einkommensteuer, daher auch keine Kirchensteuer. Kirchengemeinden erhalten 40 Prozent aus den Steuereinnahmen.

Der Spendenbereitschaft komme wachsende Bedeutung zu, heißt es auch aus der Evangelisch- Lutherischen Nordkirche. Man fördere freiwilliges Engagement, zum Beispiel durch Fundraising vor Ort oder das im Oktober neu gestartete Kollektenportal im Internet.

Nach Angaben des Finanzministeriums erhielt das Erzbistum Hamburg 2016 aus Schleswig-Holstein 41,5 Millionen Euro an Kirchensteuern. Die Nordkirche erzielte im nördlichsten Bundesland 230,4 Millionen Euro an Steuereinnahmen.

 Von Curd Tönnemann

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