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Norddeutschland Kaufleute klagen: Immer mehr Trickdiebe in den Innenstädten
Nachrichten Norddeutschland Kaufleute klagen: Immer mehr Trickdiebe in den Innenstädten
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12:31 15.05.2016
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Lübeck/Kiel

 Das Lübeck-Management reagiert mit Warnmails an die Kaufleute. „Achtung, Diebe unterwegs“, heißt es darin. Sorge macht zunehmend auch das Phänomen aggressiver Bettler. Diese Profi-Bettler stammen nach Polizeierkenntnis überwiegend aus Osteuropa und arbeiten im Auftrag gewerbsmäßig organisierter Banden. Das Landeskriminalamt spricht von einer besorgniserregenden Entwicklung.
„Vor allem, wenn die Stadt gut besucht ist, sind diese Banden da“, berichtet Lübecks City-Managerin Olivia Kempke. Der letzte Hilferuf eines Ladeninhabers kam aus der Hüxstraße und ist gerade zwei Wochen alt. Kempke reagiert in solchen Fällen mit Rundmails an die Geschäftsleute, ortsübergreifend. „Solche Trickdiebe kommen nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern halten sich vorzugsweise in den Sommermonaten in Touristen- Hochburgen auf“, warnt Kempke.
Die Methoden der als Bettler getarnten Gauner, die in der Lübecker Fußgängerzone Breite Straße und nach Polizeiangaben inzwischen auch in den Gewerbeparks auftreten, sind dreist. Die Lübecker Polizei berichtet von der „Klemmbrett-Masche“. Dabei werden Passanten von angeblich Taubstummen hartnäckig bedrängt. Auf dem Klemmbrett befindet sich der Brief einer osteuropäischen Taubstummen-Hilfe. „Sie existiert zwar tatsächlich, hat mit diesen Machenschaften aber nichts zu tun“, erklärt Lübecks Polizeisprecherin Anett Dittmer. Die bettelnde Person ist auch nicht taubstumm.
Eine andere Masche: Rosenverkäuferinnen drängen Passanten ihre Blumen auf – „und erwarten als Dank einen großen Schein“, berichtet Dittmer. „Bekommen sie den nicht, greifen sie ihren Kunden auch schon mal ins Portemonnaie.“  Oft arbeiten die Schnorrer nicht auf eigene Rechnung, sondern haben Hintermänner, denen sie einen Teil ihres „Verdienstes“ abgeben müssen.
Es würden immer neue Methoden angewandt, um Mitleid zu erwecken, heißt es beim Landeskriminalamt (LKA). Die Grenzen zum strafrechtlich relevanten Betrug würden ausgereizt, sagt LKA-Sprecherin Jana-Kristin Maring. „Der stille Bettler von einst ist dem aggressiven, organisiert arbeitenden Bettler gewichen“, spricht Schleswig-Holsteins Städteverbands-Geschäftsführer Jochen von Allwörden von einem bösen Wandel.
„Aufgrund unseres konsequenten Einschreitens haben wir das Phänomen aber im Griff“, sagt Lübecks Polizeisprecherin Dittmer. Ein Lob gehe an viele aufmerksame Bürger, die auffällige Personen an die Polizei meldeten. Trifft die Polizei die Verdächtigen an, werden Platzverweise ausgesprochen. Betteln an sich ist in Deutschland nicht strafbar. Für die Polizei bleibt es schwer, in die Strukturen der Banden vorzudringen. Immer wieder wird deshalb mit der Ausländerbehörde zusammengearbeitet.
In Hamburg bittet das City-Management die Politik um verstärkte Polizeipräsenz. Die CDU forderte in der jüngsten Bürgerschaftssitzung den Senat vergeblich auf, Knöllchen-Schreiber zur Kontrolle von Bettlern einzusetzen.
Von Curd Tönnemann

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