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Norddeutschland Kehrt die Bundeswehr zurück?
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22:23 10.02.2018
Ein Soldat der Rantzau-Kaserne in Boostedt im Jahr 2011. Quelle: LN-Archiv/Tim Jelonnek
Lübeck/Berlin

„Es gibt eine Trendwende der Bundeswehr in Sachen Personal und Ausrichtung auf die Landesverteidigung“, erklärt der ostholsteinische CDU-Bundestagsabgeordnete und Verteidigungsexperte Ingo Gädechens.

Hätten zuletzt Auslandseinsätze im Vordergrund gestanden, so gelte es nun, die Ostflanke der Nato zu stärken. „Die Bundeswehr soll aufgestockt werden. 185000 Dienstposten sind für die vielfältigen Aufgaben und Einsätze eindeutig zu wenig.“ Nun müsse geprüft werden, wo zusätzliches Personal untergebracht werden könnte. „Wir müssen gucken, wie wir an bestehenden Standorten Unterbringungskapazitäten schaffen und verbessern“, sagt Gädechens.

Dies nährt in Orten wie etwa Boostedt (Kreis Segeberg) die Hoffnung auf einen Neubeginn. In die von der Bundeswehr bereits aufgegebene Rantzau-Kaserne etwa könne wieder ein aktiver Truppenteil einziehen, wünscht sich Boostedts Bürgermeister Hartmut König (CDU). „Ich würde es gut finden, wenn wir wieder Truppenstandort würden.“ Die Unterkünfte in der Kaserne seien frisch renoviert, es gebe eine moderne Schießanlage und einen Truppenübungsplatz. Obwohl bereits Pläne für die Nachnutzung erarbeitet wurden, könne er sich eine neue militärische Nutzung gut vorstellen. König vermutet, dass schon im März in Berlin eine Entscheidung darüber fallen könnte.

Tatsächlich will die große Koalition zumindest untersuchen, ob weniger Kasernen geschlossen werden als bisher geplant. „Vor einer endgültigen Abgabe von Liegenschaften der Bundeswehr werden wir vor dem Hintergrund der Trendwenden jeweils noch einmal den künftigen Bedarf prüfen“, heißt es. Dies gelte auch für Immobilien, „deren Abgabe bereits vollzogen ist“.

Wie in Boostedt. Zuletzt waren dort ein Logistik- und ein Instandsetzungsbataillon stationiert. Derzeit leben in der Kaserne rund 500 Flüchtlinge. „Boostedt befindet sich in der Prüfungsphase“, bestätigt Gädechens, der aber auch betont, diese Prüfung sei nicht abgeschlossen. „Was herauskommt, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.“

Die allgemeine Zielrichtung indes sei klar: „Wir müssen die Fähigkeit der Landesverteidigung stärken“, stellt Gädechens fest. Das betreffe auch die Ausstattung der vorhandenen Einheiten. „Die brauchen jetzt 100, am besten 120 Prozent ihres Materials.“ Das betrifft voraussichtlich nicht zuletzt das Aufklärungsbataillon 6 in Eutin (Ostholstein).

Bei der Bundeswehr-Reform im Jahr 2011 sei Schleswig-Holstein mehr als andere Bundesländer „zur Ader gelassen worden“, bilanziert Gädechens. „Ich würde mir die Wiederbelebung von Standorten hier wünschen.“ Dies gelte nicht nur für Boostedt. Der Vorschlag des CDU-Politikers: Teile der neuen Cyber-Streitkraft der Bundeswehr könnten im Norden angesiedelt werden. „Dafür setze ich mich ein“, verspricht er.

Bei den Kieler Landtagsfraktionen wurde die Botschaft aus Berlin ebenfalls überwiegend positiv aufgenommen. „Die Formulierung im Koalitionsvertrag könnte ein Lichtblick am Horizont vor allem für noch nicht geschlossene Standorte sein“, meint Kai Dolgner von der SPD. „Bis es konkreter wird“, wolle er jedoch nicht dazu beitragen, falsche Hoffnungen zu wecken.

„Wir begrüßen jeden Standort, der in Schleswig-Holstein erhalten bleibt, ausgebaut oder auch wiedereröffnet wird“, sagt der Fraktionsvorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Christopher Vogt. Die Bundeswehr sei ein wichtiger Arbeitgeber und Standortfaktor für die Kommunen. Der Bund müsse daher jetzt „schnellstmöglich Farbe bekennen“.

Der Verteidigungsexperte der Grünen im Landtag, Andreas Tietze, bekräftigte, die Kommunen bräuchten „verlässliche Aussagen“. Er hoffe, „dass das Rumgeeiere bei den Bundesliegenschaften endlich ein Ende finden wird“. Auf die Worte müssten jetzt Taten folgen. Er bleibe aber skeptisch. „Noch ist die große Koalition nicht eingetütet.“

Von Marcus Stöcklin

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