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Norddeutschland Keine Pflegekräfte: Klinik muss Operationen absagen
Nachrichten Norddeutschland Keine Pflegekräfte: Klinik muss Operationen absagen
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22:17 18.07.2017
Intensivstationen und Notaufnahmen sind landesweit häufig unterbesetzt. Quelle: Fotolia
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Lübeck/Kiel

Schwark: „Wenn eine Position frei wird, vergehen im Schnitt 140 Tage, bis ein Nachfolger gefunden ist.“

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ist an seinen Standorten Lübeck und Kiel ebenfalls von dieser Entwicklung betroffen. „Bislang mussten zehn Betten von 1100 am Campus Lübeck für wenige Tage gesperrt werden“, informiert Klinik-Sprecher Oliver Grieve. In Kiel sei eine Station vorsorglich geschlossen worden. In Einzelfällen mussten Operationen „wegen des hohen Aufkommens an Notfallpatienten“ und aufgrund des Pflegekräftemangels verschoben werden, so Grieve.

Auch bei der Lübecker Sana-Klinik (430 Betten) gibt es Probleme. „Es kommt vor, dass wir auf der Intensivstation nicht alle Betten belegen können, weil Personal fehlt“, räumt Sana-Sprecherin Sibylle Schulze ein. Wenn bei bestimmten Operationen für alle Fälle auch ein Intensiv-Bett vorgehalten werden müsse, könne es daher genauso zu Terminverschiebungen kommen. Derzeit seien in Lübeck 15 der insgesamt 270 Vollzeitstellen nicht besetzt. Erst im September können Absolventen der klinikeigenen Pflegeschule nachrücken.

Bei den Asklepios-Kliniken könnten bundesweit 1000 Mitarbeiter sofort eingestellt werden, erklärt Mathias Eberenz, Sprecher der Klinikgruppe. Für das 170-Betten-Haus in Bad Oldesloe (Kreis Stormarn), mit über 300 Mitarbeitern sehe er derzeit zwar keinen Engpass. „Ich kann aber nicht ausschließen, dass es dazu kommt.“ Unerwartete Krankheitswellen könnten personell möglicherweise schwer gemeistert werden. „Zumal, wenn auch noch Mitarbeiter ausfallen.“

Auf seiner Homepage sucht das DRK-Krankenhaus Mölln-Ratzeburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) gleich mehrere Pflegekräfte. Die Personalsituation sei jedoch insgesamt stabil, versichert Pflegedirektorin Wiebke Hargens. Nachwuchsmangel stelle sie am ehesten in der ambulanten Pflege fest.

„Bundesweit sind vor allem die Bereiche Intensivpflege, Anästhesie und Notaufnahme chronisch unterbesetzt“, führt Steffen Kühhirt von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aus. Von Klinik zu Klinik sei die Lage jedoch unterschiedlich, dies liege zum einen an der Bezahlung, zum anderen an der Unternehmenskultur. Gerade UKSH-Mitarbeiter klagten häufig über „permanente Überlastung“. Daraus resultiere eine „hohe Fluktuation“ mit vielen nicht besetzten Stellen. Management und Landesregierung hätten in den letzten Jahren „viel versäumt“.

UKSH-Sprecher Grieve wies die Vorwürfe zurück. Es gebe im Gegenteil eine steigende Zahl von Rückkehrern unter ehemaligen Mitarbeitern. Der wissenschaftliche Anspruch und Sozialleistungen von der bestrieblichen Gesundheitsberatung bis zur betriebseigenen Kita machten das UKSH zu einem attraktiven Arbeitgeber.

Von Marcus Stöcklin

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