Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Kernkraftwerk Brokdorf wird stillgelegt und abgerissen
Nachrichten Norddeutschland Kernkraftwerk Brokdorf wird stillgelegt und abgerissen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:34 01.12.2017
Seit 31 Jahren schon liefert das Kernkraftwerk Brokdorf Strom. Ende 2021 soll es nun endgültig vorbei sein. Der Meiler wird abgerissen. Quelle: Foto: Brandt/dpa
Brokdorf

Grünen-Energiewendeminister Robert Habeck freut sich: „Das ist der nächste große Schritt auf dem Weg zum tatsächlichen Ende der Atomenergie in Schleswig-Holstein.“ Nachdem die Meiler in Brunsbüttel und Krümmel bereits 2011 heruntergefahren worden waren, liefert das 1986 in Betrieb genommene Kernkraftwerk in Brokdorf an der Unterelbe bislang weiterhin Strom. Es hat eine Leistung von 1480 Megawatt und wird von 500 Mitarbeitern bedient. Laut Atomgesetz darf es längstens bis Ende 2021 am Netz bleiben. „Mit der Antragstellung und der Information der Bürger sind die ersten Schritte in Richtung Stilllegung getan“, sagt auch Kraftwerksleiter Uwe Jorden. Dass der Antrag jetzt schon gestellt werde, liege daran, dass sich das gesamte Genehmigungsverfahren noch einige Jahre hinziehen dürfte.

„Es ist gut, dass PreussenElektra den Rückbau des Kernkraftwerks Brokdorf bereits jetzt beantragt“, lobt Habeck. „Wenn Brokdorf nicht mehr läuft, ist der Norden atomstromfrei.

“ Nach dem Rückbauverfahren für die Meiler Brunsbüttel und Krümmel könne damit das Genehmigungsverfahren für den Abriss des Meilers in Brokdorf beginnen. Im Unterschied zu den beiden erstgenannten würden sich in Brokdorf laut den Plänen in der ersten Phase des Abbaus aber noch Brennelemente im Reaktorgebäude befinden, da sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend abgeklungen sein werden. „Auf die Vereinbarkeit der in dieser Phase geplanten Abbauschritte mit der Lagerung dieser Brennelemente wird die Genehmigungsbehörde besonderes Augenmerk legen“, sagte der Leiter der Atomaufsicht Jan Backmann.

Mit dem Okay der Atomaufsicht für den Abbau des Kernkraftwerks wird im Jahr 2023 gerechnet. Der Rückbau soll dann 15 Jahre dauern. Dabei müssen Experten alle kontaminierten Komponenten und Gebäudeteile entsorgen. „Ich weiß, dass ein solcher Prozess auch viele Fragen und teilweise Sorgen auslöst. Deswegen ist die Beteiligung der Öffentlichkeit besonders wichtig“, sagt Habeck. Die Atomaufsicht werde den Rückbau so sicher wie möglich machen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Hein begrüßt den Stilllegungs-Antrag des Betreibers: „Ein weiterer Schritt hin zur grünen Wiese und zum Ende der Kernenergie in Schleswig-Holstein.“ Man müsse sich aber auch schon jetzt Gedanken über eine Nachnutzung des Geländes machen.

„Heute ist ein großer Wurf hin zu einem atomfreien Schleswig-Holstein gelungen“, sagt auch der Energiepolitiker der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Hölck. „Wir begrüßen den Antrag auf Stilllegung und Abbau des Atomkraftwerks.“ Mit dem Antrag PreussenElektras könne die Energiewende neuen Schwung bekommen – wenn die Landesregierung denn die Regionalplanung für den Ausbau der Windenergie zügig abschließe. Das sei allerdings frühestens 2019 geplant. „Es ist ein Widerspruch, wenn Schleswig-Holstein aus der Atomenergie aussteigt, die Landesregierung aber den Ausbau der Windenergie zum Erliegen bringt“, sagt Hölck. Bis dort, wo heute das Kernkraftwerk steht, wieder eine grüne Wiese wächst, werde es jetzt aber noch ein paar Jahre dauern. Schleswig-Holstein beweise aber, dass die Energiewende machbar sei.

Von der Kernkraft zur Windkraft

Drei Kernkraftwerke produzierten in Schleswig-Holstein Strom: Die Meiler Krümmel bei Geesthacht sowie Brokdorf und Brunsbüttel an der Unterelbe. Das Land produzierte damit viel mehr Strom als hier verbraucht wurde.

Im Jahr 2011 wurden die Meiler Krümmel und Brunsbüttel stillgelegt. Nach der Fukushima-Katastrophe hatte Deutschland den Atomausstieg beschlossen. Der Meiler in Brokdorf darf noch bis Ende 2021 Strom liefern.

Mittlerweile drehen sich in Schleswig-Holstein 2891 Windräder. Und es sollen noch mehr werden. Am Ende will das Land daraus wieder 300 Prozent der Strommenge produzieren, die im Land selber verbraucht wird.

 Wolfram Hammer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!