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Norddeutschland Kiel lockt junge Lehrer mit Beamtenstatus
Nachrichten Norddeutschland Kiel lockt junge Lehrer mit Beamtenstatus
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22:43 31.10.2013
Bildungsministerin Wara Wende: Unterrichtsausfall können wir uns nicht mehr leisten. Quelle: dpa
Kiel

Die Landesregierung will den Unterrichtsausfall bekämpfen, dazu Pensionäre in die Schulen schicken und junge Lehrer mit Verbeamtung locken. Neun Millionen Euro sollen extra fließen, ein neues PC-Programm soll helfen. Die Opposition sagt, die Maßnahmen reichten hinten und vorne nicht.

Kritik an Wendes Konzept

Seit Jahren stöhnen Eltern im Land über Unterrichtsausfall. Klassen werden bei Erkrankung eines Lehrers zusammengelegt, statt Vertretungsunterricht gibt’s oft nur Beschäftigungstherapie, Fachlehrer fehlen sowieso. SPD, Grüne und SSW kürzten den gerade erst von der schwarz-gelben Vorgängerregierung auf 24 Millionen Euro verdoppelten Vertretungsfonds trotzdem nach Amtsantritt zusammen.

Kommentar: Verschlafen

Jetzt die Umkehr. „Wir wollen uns den Unterrichtsausfall nicht mehr leisten“, sagt Bildungsministerin Wara Wende. Also soll er zunächst einmal richtig erfasst werden, mit dem PC-Programm PUSH, das im Februar in die Schulen kommt. Künftig wird auch erfasst, warum Stunden ausfallen, ob wegen einer Klassenfahrt oder eben durch kurze oder längere Erkrankung von Lehrern – das konnte das Vorgänger-Programm ODIS nicht. Dann soll die „mobile Vertretungsfeuerwehr“, ein Pool flexibel einsetzbarer Lehrer, aushelfen, „wo es am meisten brennt“. Die Feuerwehr gibt’s schon, die Lehrer sollen jetzt aber statt Zeitverträgen die Verbeamtung bekommen. 80 Planstellen stellt Kiel dafür zur Verfügung, bis zu sechs pro Kreis.

Mehr Vertretungsunterricht gibt es dadurch erst einmal nicht, weil die Stellen aus dem Vertretungsfonds bezahlt werden – etwa die Hälfte der noch zwölf Millionen Euro gehen dafür drauf. Immerhin hofft man so, auch in Zeiten von Lehrermangel genügend Bewerber zu bekommen. Vom Rest des Geldes sollen unter anderem „ausgewählte Senior-Lehrkräfte“ bezahlt werden, Pensionäre, die im Ruhestand als „Feuerwehr“ noch ein wenig unterrichten wollen und stundenweise bezahlt werden.

Ob es für beide Maßnahmen überhaupt genügend Bewerber gibt, weiß man im Ministerium allerdings nicht. Gerade im Süden des Landes fehlen schon jetzt Bewerber für reguläre Lehrerstellen. Trotzdem will die Regierung auch die Streichung von 120 jener Stellen aufschieben, die eigentlich im Zuge des Sparkurses wegfallen sollten. Man wolle jungen Nachwuchslehrern schnell eine unbefristete Stelle anbieten können, damit sie nicht in andere Bundesländer abwandern – der Nachbar Hamburg wirbt damit allerdings schon seit Jahren. Die neun Millionen Euro Mehrkosten kommen aus den Extra-Zensusmitteln des Landes. „Viel zu wenig, viel zu spät“, so die FDP. „Frau Wende schickt ihre Feuerwehr zu einem selbst gelegten Brand“, sagt Heike Franzen (CDU).

Neues Online-System

Portal zur Unterrichtserfassung in Schleswig-Holstein (PUSH) heißt das neue Online-System, mit dem Unterrichtsausfall erfasst werden soll. Der Plan von Ministerin Wara Wende (Foto): Schulen bekommen eine Eingabemaske, in der sie angeben, aus welchen Gründen (Krankheit, Klassenfahrt, Abiturprüfung) Unterricht nicht erteilt werden konnte und in welchem Umfang es Vertretung gab. Um PUSH zu testen, arbeiten bis Ende November einige Schulen <NO1>aller Schularten<NO>mit der neuen Maske, ab Februar alle. Nach zwei Jahren wird Bilanz gezogen.

Wolfram Hammer

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