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Norddeutschland Kiel warnt vor tollwütigen Fledermäusen
Nachrichten Norddeutschland Kiel warnt vor tollwütigen Fledermäusen
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17:51 29.08.2013
Fledermäuse sollten — wenn überhaupt — nur mit Lederhandschuhen angefasst werden. Quelle: Foto: LN-Archiv
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Kiel

Das Umweltministerium in Kiel warnt vor der Gefahr durch Fledermaustollwut im Norden. In seltenen Fällen könnten die Flugtiere die für Mensch und Tier tödlich verlaufende Krankheit übertragen. Im Juni wurde ein junger Mann in Pinneberg von einer Fledermaus gebissen, bei der Tollwut festgestellt werden konnte. Er wollte sie seiner Katze wegnehmen, die das Tier zuvor gefangen hatte.

Der Mann sei unmittelbar nach dem Biss gegen die gefährlichen Viren geimpft worden, die Krankheit sei bei ihm nicht ausgebrochen, sagte Ministeriumssprecherin Kirsten Wegner. Aufgefundene Fledermäuse dürften aber unter keinen Umständen mit bloßen Händen angefasst werden. Im Falle eines Bisses müsse die Wunde umgehend ausgewaschen und ein Arzt verständigt werden. Denn nur wenige Stunden nach einer möglichen Infektion könne die Krankheit durch eine nachträgliche Impfung bekämpft werden. Andernfalls verlaufe die Krankheit unumkehrbar tödlich.

Grund zur großer Besorgnis gebe es jedoch nicht. Eine Infektion bei Menschen komme nur in extrem seltenen Fällen vor. In ganz Europa habe es von 1977 bis heute lediglich fünf Todesopfer durch die Krankheit gegeben.

Gefährdet seien allerdings auch Haustiere. Hunde und Katzen, die nicht gegen die Krankheit geimpft sind, müssten nach der Tollwut-Verordnung bis auf wenige Ausnahmen getötet werden, warnt das Ministerium. Wurde ein Haustier gebissen, müsse umgehend das zuständige Kreis-Veterinäramt verständigt werden.

Laut Ulrich Lensinger, Leiter der Landesstelle Fledermausschutz des Naturschutzbundes (Nabu), bestehe dennoch kein Grund, den Tieren ängstlich zu begegnen. Von den 50 in Schleswig-Holstein vorkommenden Arten seien Tollwut-Erreger ausschließlich bei der Breitflügelfledermaus nachgewiesen worden — seit 2003 in 40 Fällen. Diese Art bewohne vor allem Gebäude und sei damit oft in der Nähe des Menschen zu finden. „Sie würden aber nie von sich aus Menschen angreifen“, beruhigt Lensinger. Dem Risiko eines Bisses oder Kratzers setze sich nur aus, wer die Tiere mit bloßen Händen anfasst.

Fledermäuse, die am Boden gefunden oder von Katzen erbeutet werden, seien in der Regel auch krank.

Im Bad Segeberger Fledermauszentrum Noctalis sind alle Mitarbeiter gegen Tollwut geimpft. „Wir sind die Hauptgefahrengruppe“, sagt Noctalis-Chef Florian Gloza-Rausch. Bei den bisher in Europa nachgewiesenen Todesfällen handelte es sich um Wissenschaftler und Naturschützer, die nicht geimpft waren.

Wer ein krankes oder verendetes Tier findet, kann die Fledermaus-Ambulanz des Nabu in Bad Segeberg unter der Nummer 0 45 51/96 39 99 anrufen. Die Tierschützer werden in ganz Schleswig-Holstein tätig. ov/spr

LN

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