Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Kieler Minister warnt: Medikamente im Abwasser
Nachrichten Norddeutschland Kieler Minister warnt: Medikamente im Abwasser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:53 15.02.2017
Quelle: dpa
Anzeige
Kiel

Schmerzmittel im Grundwasser, Blutdrucksenker in Seen und Flüssen: Arzneimittelrückstände werden in Schleswig-Holsteins Gewässern immer mehr zum Problem. Ein Grund: Viele Bürger entsorgen alte Pillen, Säfte und Salben allzu gern in der Toilette oder Spüle. Grünen-Umweltminister Robert Habeck hält jetzt mit einer Info- Kampagne dagegen.
Die Proben, die seine Ministeriumsmitarbeiter vor Kurzem an fünf Klärwerken im Land zogen, sind alarmierend. In Bad Segeberg zum Beispiel waren auch nach dem Durchlaufen aller Reinigungsstufen noch mehrere Schmerzmittel im Wasser nachzuweisen, Diclofenac vor allem, das in Tabletten und in verschreibungsfreien Salben als Wirkstoff enthalten ist. Auch in Bargteheide, Ahrensburg und Malente wurden diese Stoffe gefunden, dazu noch Antidepressiva, Antibiotika, Antiepileptika, Betablocker oder Röntgenkontrastmittel.
Kein Wunder: Laut einer Studie des Instituts für sozial-ökologische Forschung entsorgen immer noch 47 Prozent der Befragten ihre abgelaufenen Säfte und Salben und 20 Prozent ihre festen Medikamentenreste im Abfluss. Mit fatalen Folgen für die Natur. Zwar seien die Belastungen noch nicht so hoch, dass sie die Menschen beim Baden oder durchs Leitungswasser gefährden würden, sagt Habeck. Tiere aber, Fische zumal, gingen bereits daran zugrunde. Bei ihnen reichten die geringen Schmerzmittel- Dosen bereits aus, um ihre Lebern schwer zu schädigen. Auch bei Menschen gebe es diese Nebenwirkung ja bei Überdosierung. Hormone würden zudem die Fortpflanzung der Tiere beeinträchtigen, sie würden verweiblicht werden.
„Schmeißt keine Tabletten ins Klo“, lautet daher Habecks Appell an die Verbraucher. „Das ist falsch.“ Sie sollten in Recyclinghöfen und bei Schadstoffmobilen abgegeben oder wenigstens in den grauen Hausmüll geschmissen werden. Dann gelangten die Medikamentenreste in Verbrennungsanlagen, und die schädlichen Stoffe könnten dort aus dem Rauch herausgefiltert werden.
Eine Pflicht der Apotheken, die Medikamente zurückzunehmen, gebe es nicht, erklärt der Geschäftsführer der Apothekerkammer, Frank Jaschowski. In Lübeck und Neumünster würden viele das aber freiwillig tun, weil die örtlichen Abfallunternehmen ihnen den Müll kostenfrei abnehmen würden. Gut 20 Prozent aller Medikamente würden nicht verbraucht werden, schätzt Jaschowski. Ärztekammer- Präsident Franz Bartmann. Er appelliert daher an seine Arzt-Kollegen und die Patienten, stets genau zu überlegen, ob eine Medikamenteneinnahme wirklich immer notwendig sei. Kein Medikament sei schließlich ohne Nebenwirkung, und auch bei bestimmungsgemäßer Einnahme würden viele Wirkstoffe am Ende doch wieder ausgeschieden werden und auf diesem Wege die Umwelt belasten.

Wolfram Hammer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige