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Norddeutschland Kieler Sex-Übergriffe: Zeugin dringend gesucht
Nachrichten Norddeutschland Kieler Sex-Übergriffe: Zeugin dringend gesucht
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21:58 27.01.2016
„Wir nehmen das ernst. Ein derartiges Verbrechen ist gewiss nicht alltäglich.“ Axel Bieler, Oberstaatsanwalt in Kiel

Im Fall der sexuellen Übergriffe in Kiel laufen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auf Hochtouren. Heute soll ein erstes Phantombild eines der drei mutmaßlichen Täter veröffentlicht werden, die für wenigstens zwei bestätigte Übergriffe auf Frauen in der Landeshauptstadt verantwortlich sein sollen. Für eine dritte Tat, die anonym bei der Opferschutzorganisation Weißer Ring gemeldet wurde, suchen die Ermittler derweil händeringend nach Zeugen.

Wie viele Männer letztlich an den Taten beteiligt waren, lässt sich laut Oberstaatsanwalt Axel Bieler nicht genau sagen. Zwar hätten die Opfer jeweils von drei Männern berichtet. Allerdings unterschieden sich die Beschreibungen der Haupttäter deutlich voneinander. „Das kann bedeuten, dass wir es zwar mit derselben Dreiergruppe, aber wechselnden Haupttätern zu tun haben, oder, im schlechteren Fall, um eine sogar noch größere Gruppe, die in wechselnder Besetzung agiert hat“, erklärt Bieler. Die Spurenlage sei leider dürftig. Auch mehrere Hinweise aus der Bevölkerung hätten die Ermittlungen bisher nicht weitergebracht. Bei sämtlichen Vorfällen, auch dem anonym gemeldeten, hätten die Opfer aber von „südländischen Tätern“ gesprochen, die zwischen Anfang 20 und Mitte 30 sein sollen.

Mehr Licht ins Dunkel der Ermittlungen könnte jetzt die Frau bringen, die eine versuchte Vergewaltigung durch südländische Männer Anfang Januar in Kiel dem Weißen Ring gemeldet hatte. Bei der Polizei wurde der Fall bisher zwar nicht anzeigt, an der Glaubwürdigkeit gebe es aber kaum Zweifel. „Wir würden der Frau gerne eine Nachricht zukommen lassen, denn sie wäre eine wichtige Zeugin, die auch bei der Aufklärung der anderen Taten von September und Mitte Januar helfen könnte“, sagt Axel Bieler. Allerdings sei selbst dem Weißen Ring die Identität der Frau nicht bekannt, sodass eine Kontaktaufnahme nicht möglich sei.

Die Staatsanwaltschaft nimmt alle drei Taten „sehr ernst“. Das habe aber nichts mit der Debatte um die Silvester-Übergriffe in Köln und Hamburg zu tun, versichert Bieler. Denn allein bei der Tat im September, bei der eine junge Frau auf offener Straße angriffen, in eine Wohnung verschleppt und missbraucht wurde, sei es sicher, dass es sich „um ein schweres Verbrechen handelt, das gewiss nicht alltäglich ist“, so der Staatsanwalt. Für die Opfer sei das eine schwere traumatische Erfahrung. Gemeinschaftlicher sexueller Missbrauch, auch der Versuch, werde daher mit einer Gefängnisstrafe von nicht unter zwei Jahren geahndet.

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) versicherte, dass die Polizei weiterhin umfassend und transparent über die Ermittlungen berichten werde. Man habe nichts zu verbergen. „Und egal, aus welchem Umfeld die Täter stammen, werden wir dem mit aller Entschiedenheit begegnen.“ In Schleswig-Holstein solle sich jeder Mensch sicher fühlen.

Für die Polizei bedeuten derart schwerwiegende sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum ein völlig neues Phänomen. „Das kannte man in dieser Form bisher noch nicht“, sagt der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt. Glücklicherweise sei die Hemmschwelle in der Bevölkerung zuletzt deutlich gesunken, derartige Vorfälle anzuzeigen. „Die Sensibilität der Bürgerinnen und Bürger ist seit den Vorfällen von Silvester deutlich gestiegen.“

Oliver Vogt

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