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Nachrichten Norddeutschland Kieler Sexualforscher kündigt Job
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21:22 26.06.2013
Hört auf: Professor Hartmut Bosinski.

Die Kieler Universität verliert einen renommierten Forscher: Der Leiter der Sexualmedizin, Prof. Hartmut Bosinski, scheidet aus dem Beamtenverhältnis auf Lebenszeit aus. Seine Begründung: Als Arzt könne er es ethisch nicht mehr verantworten, immer wieder Patienten infolge falscher Sparpolitik wegschicken zu müssen. Künftig will er sich in einer Praxis für Sexualmedizin in Kiel um eine „adäquate Versorgung der Patienten“ kümmern.

Bosinki wirft dem Uniklinikum UKSH jahrelange Blockaden und Fehlentscheidungen vor. „Zunehmend entscheiden offenbar Kaufleute darüber, ob und durch wen unserer Patienten versorgt werden. Eine verantwortbare Arbeit ist hier leider künftig nicht mehr möglich“, kritisiert er in einem Brief an den Präsidenten der Christian Albrechts-Universität.

Das Verhältnis zwischen der Leitung des Universitätsklinikums und Bosiniski bewegt sich seit längerem in schwerem Fahrwasser. Der Sexualmediziner will sich selbst nicht mehr dazu äußern. In seinem Brief betont Bosisnki allerdings, wie schwer ihm dieser Schritt nach 25 Jahren Auf- und Ausbauarbeit gefallen sei. Tatsächlich war die Einrichtung bundesweit immer wieder Vorreiter.

So bot man als Erste eine therapeutische Versorgung von Sexualstraftätern in Haftanstalten an. Man initiierte das bundesweit erste „Zertifikationsstudium Sexualmedizin“ an der Universität. Und man gab mit der Berliner Charite pädophilen Männern im Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ erstmals strukturierte Anlaufstellen, um Missbrauch zu verhindern.

Ende 2011 spitzte sich die Konfrontation zwischen UKSH und Bosinski zu: Nach einer Halbierung der Stellen wurden Pläne bekannt, die Sektion ganz aufzulösen. Es kam zu Protesten aus dem In- und Ausland. Die neue Landesregierung schrieb in ihrem Koalitionsvertrag eine Stärkung der Sexualmedizin fest: Künftig gibt es ein eigenes Institut für Sexualmedizin, forensische Psychiatrie und Psychotherapie, das allerdings am Zentrum für Integrative Psychiatrie angesiedelt wird. Vor allem: Die Leitung soll nicht Bosinski übernehmen, sondern Prof. Aglaja Stirn. „Wir sind froh, dass wir eine hochdekorierte Professorin dafür gewinnen konnten. Es wird also nichts kaputt gemacht“, erklärt UKSH-Sprecher Oliver Grieve. Rolf Fischer, Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, findet die private Entscheidung Bosinkis bedauerlich: „Erst einmal ist es eine Stärkung, wenn die Sexualmedizin jetzt ein eigenes Institut erhält.“

Bosinski sieht das anders. Ohne Not werde eine national und international anerkannte und effektiv arbeitende Einrichtung zugunsten einer „windigen Konstruktion“ zerschlagen. H. Stüben

LN

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