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Norddeutschland Kieler Staatsanwaltschaft behält Fall Jenny Böken
Nachrichten Norddeutschland Kieler Staatsanwaltschaft behält Fall Jenny Böken
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15:49 11.03.2019
Die Marine-Kadettin Jenny Böken 2008 an Bord des Segelschulschiffes „Gorch Fock“: Ihr Tod ist noch immer Gegenstand von Ermittlungen. Quelle: dpa
Kiel

Es bestünden keine Zweifel an der Unvoreingenommenheit der Staatsanwaltschaft Kiel. Diese teilte auf Anfrage mit, die Ermittlungen jetzt fortzusetzen, die während des Antrags geruht hatten.

Im vergangenen September hatten sich die Eltern an Schleswig-Holsteins Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) gewandt. Über ihren Aachener Anwalt Rainer Dietz beantragten die Eltern, die Ministerin solle das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein anweisen, statt der Kieler eine andere Staatsanwaltschaft mit der Prüfung des kürzlich gestellten Antrags auf Wiederaufnahme der 2009 eingestellten Ermittlungen zu beauftragen.

Eltern hatten Zweifel an Neutralität

Der mit der Prüfung beauftragte Kieler Oberstaatsanwalt als auch die gesamte Staatsanwaltschaft Kiel brächten „nicht die notwendige Unvoreingenommenheit und Neutralität“ entgegen, „die es ermöglichen, unbefangen mit neuen Erkenntnissen in dieser Sache umzugehen und diese adäquat zu (bewerten)“, hieß es in dem Antrag vom 17. September. Verwiesen wurde unter anderem auf angeblich unvollständige Akten oder unzulängliche oder fehlerhafte Ermittlungen. Die Justizministerin leitete den Antrag weiter an die zuständige Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig.

Todesumstände noch immer unklar

Die Todesumstände der 18-Jährigen Jenny Böken, die während einer Ausbildungsfahrt des Segelschulschiffs der Marine in der Nacht zum 4. September 2008 bei einer Wache über Bord ging, sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Der Leichnam wurde erst nach elf Tagen aus der Nordsee geborgen. Die Ermittler halten ein Unglück für am wahrscheinlichsten. Die Eltern sehen Hinweise sogar für einen Mord - gestützt auf eine eidesstattliche Aussage eines früheren Bundeswehrangehörigen.

Laut Dietz soll ein früherer Kadett erklärt haben, dass kurz nach dem Auffinden der Leiche ihn mehrere Männer – darunter Marineangehörige – in einer Kaserne besucht hätten. Sie sollen angedeutet haben, dass die junge Frau erdrosselt worden sei.

Ermittlungen sollen fortgesetzt werden

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kiel sagte am Montag, die Ermittlungen würden fortgesetzt und man werde sehen, „ob wir mit der Person Licht ins Dunkel bringen können“.

Der Vater der Kadettin hatte im September knapp 140 000 Unterschriften für eine Wiederaufnahme der eingestellten Ermittlungen gesammelt. Insgesamt 14 Aktenordner hatte Uwe Böken Justizministerin Sütterlin-Waack übergeben. „Wir haben nichts davon, dass jetzt irgendwelche Leute für irgendwelche Zeiträume ins Gefängnis gehen oder irgendwelche Köpfe rollen“, sagte er damals. Das bringe die Familie nicht weiter. „Aber ich will wissen, wie ist Jenny zu Tode gekommen. Nicht mehr und nicht weniger.“

dpa