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Norddeutschland Kieler Wirtschaftsexperte fordert Lohnsubvention für Flüchtlinge
Nachrichten Norddeutschland Kieler Wirtschaftsexperte fordert Lohnsubvention für Flüchtlinge
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20:13 14.12.2015
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Kiel

Snower greift damit in den Streit um den Mindestlohn ein. Die Arbeitgeberlobby sowie Politiker der FDP und des CDU- Wirtschaftsflügels forderten zuletzt, ihn für Flüchtlinge auszusetzen. SPD und Gewerkschaften halten dagegen.

Bekommt der Arbeitgeber für einen festgelegten Zeitraum vom Staat einen Lohnkostenzuschuss, könne er „den Mindestlohn zahlen und hat dennoch niedrigere Kosten für eine begrenzte Zeit, in der sich der Flüchtling einarbeiten kann“, argumentiert Dennis Snower jetzt.Positiver Nebeneffekt: Auf diese Weise könnten auch Sozialhilfekosten gesenkt und zudem Akzeptanzprobleme unter den Deutschen verringert werden, sagt der Ökonom.

Eine Verdrängung Einheimischer aus dem Arbeitsmarkt sei ohnehin allenfalls in geringem Ausmaß zu erwarten, dafür gebe es empirische Belege. Jugendliche Flüchtlinge, die oftmals noch keine Schulausbildung abgeschlossen hätten, sollten Ausbildungsgutscheine erhalten.

Der Unternehmerverband UV Nord unterstützt die Lohnsubventions-Forderung des Weltwirtschaftsinstituts-Präsidenten. „Das wäre ein geeignetes Instrument“, sagt dessen Sprecher Sebastian Schulze. „Ökonomisch durchaus sinnvoll und nachvollziehbar“, sagt auch der Volkswirtschafts-Experte der IHK im Norden, Ulrich Spitzer.

Allerdings sollte sich die Politik erst einmal auf schnellere Asylverfahren konzentrieren oder die geregelte Anerkennung der Qualifikationen, die die Flüchtlinge mitbringen. Auch Gülten Bockholdt, Chefin des gleichnamigen Lübecker Reinigungsunternehmens, würde fürs Erste den Ausbau ganz praktischer staatlicher Hilfen bevorzugen.

„Wir freuen uns wie viele Firmen auf Fachkräfte, sehen in den Flüchtlingen Chancen und Potenziale. Aber: Wir brauchen erst einmal Rechtssicherheit, wen wir überhaupt beschäftigen dürfen“, sagt die Unternehmerin. „Unsere Personaler brauchen dazu zum Beispiel Schulungen, wie eine korrekte Aufenthaltsgenehmigung aussehen muss. Und die Flüchtlinge benötigen schnelle Qualifizierungsmaßnahmen, Deutschkurse und vor allem auch: Wohnraum.“

Eine solche schnelle Integration der Flüchtlinge hat sich SPD-Innenminister Stefan Studt für 2016 auf die Fahnen geschrieben. Für 2015 legte er gestern in Kiel schon einmal eine Bilanz zur Flüchtlingspolitik vor.

Von Wolfram Hammer

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