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Norddeutschland Kieler feiern fröhlich fünfte Jahreszeit
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18:22 17.06.2017
Tausende Besucher schlenderten schon gestern zum Start der Kieler Woche an der Förde entlang. Quelle: Fotos: Rehder/dpa
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Kiel

Die Kieler Woche ist gestern Abend mit dem Kommando „Leinen Los“ eröffnet worden. Schon vor ihrem offiziellen Beginn war Kiels fünfte Jahreszeit gestern in vollem Gange. Tausende Besucher bummelten durch die Innenstadt, genossen am Förde-Ufer die Sonne oder waren auf einem der vielen Boote auf dem Wasser unterwegs. „Das Wetter spielt mit, der Wind spielt mit für die Segler, alles läuft bestens“, sagte Stadtsprecher Arne Gloy.

Wetter gut, Stimmung bestens: Traumstart für die Kieler Woche, Nordeuropas größtes Sommerfest.

2000 Veranstaltungen

Über drei Millionen Gäste aus aller Welt tauchen jedes Jahr in das bunte, facettenreiche Kieler-Woche-Leben ein. 2000 Veranstaltungen aus Unterhaltung, Kultur, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Sport „verschmelzen neun Tage zu einer einzigartigen Symphonie“, werben die Organisatoren für ihr Großereignis. Die diesjährige Kieler Woche endet am 25. Juni.

Der Eröffnungsabend sei immer etwas Besonderes, erklärte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). „Seit vor 135 Jahren die Kieler Woche von einigen Marineoffizieren erfunden wurde, hat sie sich zu einer unglaublichen Erfolgsgeschichte entwickelt, auf die wir alle sehr stolz sein können.“ Das Fest verschaffe der Stadt weltweite Bekanntheit, „die uns an all den anderen Tagen im Jahr Türen öffnet“.

Einiges ist in diesem Jahr aber anders. Zum einen fehlte bei der offiziellen Eröffnung auf dem Rathausplatz der Ministerpräsident. CDU-Mann Daniel Günther muss Ende Juni erst noch von seinem Jamaika-Bündnis gewählt werden. Der bis dahin amtierende Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hatte abgesagt – „aus Respekt vor den Wählern“. Letztmals nahm nach Angaben der Stadt 1989 kein Ministerpräsident an der Eröffnung teil. Sie besteht aus dem dröhnenden Typhonsignal lang-kurz-kurz- lang („Leinen los!“) und dem traditionellen Glasen einer Schiffsglocke. Den MP-Ersatzmann gab am Abend Showmaster Kai Pflaume.

Die andere Änderung betrifft das Bild der Festwoche. Mit einem verschärften Sicherheitskonzept wollen Veranstalter und Polizei angesichts einer anhaltend erhöhten Terrorwarnstufe die Sicherheit der Kieler-Woche-Bummler gewährleisten. Rund 50 Prozent mehr Polizisten sind im Einsatz. Weithin sichtbar sind die mit großen Sandsäcken gesicherten Kontrollpunkte rund um die Innenstadt.

Lastwagen mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht dürfen während der Hauptveranstaltungszeiten nicht in die Innenstadt. Besucher, die mit dem Auto anreisen, stehen am Samstagnachmittag in der stark befahrenen Kaistraße im Stau. Beamte haben dort den Verkehr auf eine Spur verengt, nehmen größere Fahrzeuge in Augenschein.

Nach den Terroranschlägen von Berlin und Nizza will die Polizei den Straßenverkehr in der Innenstadt verlangsamen. Mit dem Auftakt der Festwoche ist die Polizei zufrieden. „Im Vergleich zum vergangenen Jahr läuft bislang alles friedlich“, sagte Polizeisprecher Matthias Arends. Bereits zum Soundcheck am Freitagabend sei die Stadt „stark besucht“ gewesen.

Für die Wettkämpfe des selbsternannten „Wimbledon des Segelns“ haben 3500 Sportler aus mehr als 50 Ländern mit 1500 Booten gemeldet. Neben dem traditionellen Regatta-Programm werden vor Kiel in diesem Jahr auch die Weltmeisterschaften im paralympischen Segeln ausgetragen.

Vor allem abends geht es ab sofort auf den rund einem Dutzend Bühnen in der Innenstadt und am Wasser zur Sache. Zu den Stargästen der meist kostenlosen Konzerte gehören der Popmusiker Laith Al-Deen und die ehemalige „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Darstellerin und Sängerin Yvonne Catterfeld.

Einer der ersten Höhepunkte ist heute die Verleihung des Weltwirtschaftlichen Preises unter anderem an Alt-Bundespräsident Horst Köhler. Wem das zu förmlich ist, der lässt es sich mit einer der Leckereien des 40. internationalen Markts auf dem Rathausplatz gut gehen. Dort warten Spezialitäten aus 34 Ländern. Im Marinehafen laden zahlreiche der 40 Marineschiffe aus 13 Ländern auch heute noch zum Open Ship ein.

Kiels OB Kämpfer setzt darauf, dass der Charakter der Festwoche trotz Terrorgefahr erhalten bleibt und sie in den kommenden Tagen „wieder das wird, was sie sein will: friedlich, fröhlich und ein Beitrag zur Völkerverständigung“.

LN

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