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Kirche in Hamburg wird zur Moschee

Lübeck Kirche in Hamburg wird zur Moschee

Bauunterhaltung ist schwierig. In Lübeck sind bereits drei Gotteshäuser entwidmet.

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Das Kreuz ganz oben auf der Kapernaum-Kirche in Hamburg-Horn soll verschwinden. An seine Stelle tritt der Halbmond oder ein anderes islamisches Symbol. Ein muslimischer Verein will das Gebäude als Moschee nutzen. Die Eröffnung ist für Oktober geplant.

Quelle: Fotos: epd, Neelsen, Kröger

Lübeck. Immer weniger Mitglieder, immer höhere Kosten — so manche Kirche hat ausgedient. In Lübeck sind bereits drei Gotteshäuser entwidmet worden. In Hamburg soll eine ehemalige Kirche jetzt zur Moschee werden. Das geht vielen zu weit.

Verkauf, Entwidmung oder gar Abriss von Kirchen gehe immer mit großen Emotionen einher, bemüht sich Kirsten Fehrs, Bischöfin für den Sprengel Hamburg und Lübeck, die Wogen zu glätten. Kirchen seien Orte der Spiritualität, der Musik und des Gebets und daher immer auch „Symbolräume“. Tatsächlich kochen die Emotionen in Hamburg hoch, nachdem bekannt wurde, dass der islamische Verein Al-Nour die frühere Kapernaum-Kirche im Stadtteil Horn erworben hat. Helge Adolphsen, früherer Hauptpastor am Hamburger Michel, spricht von einem „Dammbruch“. Da sei der „ökumenische Konsens zwischen Katholiken und Protestanten durchbrochen worden“. Für Pastor i. R. Ulrich Rüß, Vorsitzender der „Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis“ in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Norddeutschlands, offenbart sich darin, „wie weit in unserer Gesellschaft die Säkularisierung und die Verstärkung des islamisch-religiösen Machtanspruches fortgeschritten“ sei.

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St. Michael in Lübeck (erbaut 1951) wurde 2008 entwidmet, zwei Jahre später verkaufte die Kirche an eine Kerzenzieher-Firma.

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Das Gotteshaus von 1961 war bereits 2002 entwidmet worden und stand zehn Jahre lang leer. Verschiedene Ideen für eine kirchennahe oder soziale Nutzung, etwa durch eine Kita, scheiterten. 2005 verkaufte die Kirche schließlich an einen Hamburger Kaufmann, der das Gebäude jetzt an die Muslime veräußerte. Die Diskussion dürfe nicht in „Islamophobie“ abgleiten, warnt Andreas Tietze, Präses der evangelischen Nordkirche. „Wir hätten die Moschee-Idee nicht forciert, aber jetzt stellen wir uns der Situation“, betont Bischöfin Fehrs.

„Die Aufgabe einer Kirche ist nie leicht, aber in Zeiten rückläufiger Kirchensteuern manchmal unumgänglich“, sagt Petra Kallies, Pröpstin für den Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg. In den Jahren 2007 und 2008 wurden drei Kirchen entwidmet. „Das ist ein schwieriger und schmerzhafter Prozess“, erinnert sich Katja Launer, Sprecherin des Kirchenkreises. Eine Kirche wurde abgerissen, zwei stehen noch. Sie beherbergen heute eine Kerzen-Manufaktur sowie eine Orgel-Werkstatt. In einer Kirche könne man nicht einfach irgendetwas Beliebiges unterbringen, erklärte Kallies vor Jahren.

Das Thema wird die Kirche in den kommenden Jahren verstärkt beschäftigen. Denn: „Die Bauunterhaltung ist äußerst schwierig“, erklärt Mathias Benckert, Sprecher der Nordkirche. Noch in den 60er Jahren wurden viele Kapellen errichtet, damit jeder zu Fuß zum Gottesdienst kommen konnte. Heute verliert die Kirche kontinuierlich Mitglieder, meist kommt eine Gemeinde mit einer Kirche aus.

„Viele Gebäude sind baulich in einem Zustand, dass allein die Heizkosten weder finanziell noch ökologisch zu verantworten sind“, erklärt Kallies. „Es ist schon ein Thema in der Gemeinde, wie wir mit den vielen Gebäuden umgehen wollen, die wir haben“, sagt auch Propst Matthias Wiechmann für den Kirchenkreis Ostholstein. „Doch die Kirchen stehen bei uns nicht zur Disposition.“ Derzeit gibt es in Hamburg und Schleswig-Holstein 789 Kirchen, Kapellen nicht mitgezählt.

Der Fall der Hamburger Kapernaum-Kirche soll sich nicht wiederholen. „Das ist ein Einzelfall“, betont Benckert. Seit 2007 gelten in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) strengere Leitlinien.

Der Verkauf einer ehemaligen Kirche an eine nicht-christliche Religionsgemeinschaft wäre nach der geltenden Rechtsordnung nicht mehr möglich.

Julia Paulat

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