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Kirchen stellen ihre Turmuhren um

Gleschendorf/Lübeck Kirchen stellen ihre Turmuhren um

Gewichte von mechanischen Uhrwerken müssen per Hand aufgezogen werden. Immer mehr Gemeinden ist das zu viel Arbeit.

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Gleschendorf (Kreis Ostholstein) hält an der alten Technik fest: Zweimal pro Woche – montags und freitags – zieht Hans-Werner Greger (55) die 108 Jahre alte Uhr der Kirche auf.

Quelle: Fotos: Lutz Roeßler (3), Tim Jelonnek, Georg Wendt/dpa, Nadine Materne, Susanne Peyronnet

Gleschendorf/Lübeck. Rund 50 Stufen sind es bis zur Glockenstube der Gleschendorfer Kirche. Zweimal pro Woche klettert Küster Hans-Werner Greger sie hinauf. Denn in dem Raum befindet sich auch das mechanische Werk der 108 Jahre alten Kirchturmuhr – und deren Gewichte müssen regelmäßig aufgezogen werden. „Jeden Montag und Freitag“, sagt er. „Dienstag oder Mittwoch geht auch noch, aber dann wird’s eng.“ Nach acht Metern erreichen die Gewichte den Boden des Kirchenvorraums, und die Uhr bleibt stehen.

LN-Bild

Gewichte von mechanischen Uhrwerken müssen per Hand aufgezogen werden. Immer mehr Gemeinden ist das zu viel Arbeit.

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Damit es nicht so weit kommt, greift der 55-Jährige regelmäßig zum Uhrenschlüssel. 42-mal dreht er ihn auf der linken Seite, dann das Gleiche noch mal auf der rechten. Eine Kraftarbeit, denn die Gewichte bestehen aus Beton und zwei Metallscheiben, aber Greger macht sie gern. Seit 20 Jahren ist er bereits für diese Aufgabe zuständig. „Die Gleschendorfer orientieren sich an der Uhr“, sagt er. „Ich werde sofort angesprochen, wenn sie falsch geht.“ Und das kann schon mal vorkommen. Da das Metall unter Witterungseinflüssen arbeitet, ergebe sich pro Woche eine Gangungenauigkeit von etwa einer halben Minute, berichtet er.

„Eine mechanische Uhr kann man nicht 100-prozentig präzise einstellen“, sagt Arnulf Dahm, Uhren- und Glocken-Koordinator beim Landeskirchenamt in Kiel. Im Schnitt müsse ein Küster zweimal im Jahr das Pendel der Uhr in seiner Länge verstellen, um auf die Temperatureinflüsse einzugehen. Auch auf Sommer- oder Winterzeit muss per Hand umgestellt werden.

Immer mehr Kirchengemeinden in Schleswig-Holstein ist das zu viel Arbeit, und sie rüsten um. Einige schaffen sich eine neue elektronische Uhr an, die meisten aber setzen auf eine Halbelektrifizierung. Letzteres bedeutet, dass sie an der mechanischen Uhr festhalten, aber einen Elektromotor einbauen, der für den Küster das Aufziehen der Gewichte übernimmt. Je nach Uhr kostet diese Umstellung einige tausend Euro. Ahrensbök, zum Beispiel, ist gerade dabei.

Auch viele andere Kirchengemeinden in Ostholstein planen diesen Schritt, berichtet Matthias Höls, der Architekt des Kirchenkreises. „Das ist zurzeit ein großes Thema.“ Es sei einfach nicht mehr zeitgemäß, dass ein Küster immer wieder den Kirchturm hinauflaufen müsse, um die Uhr aufzuziehen. „Zumal die Küster alle nicht jünger werden, und einige Kirchen auch gar keinen mehr haben.“

Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg ist schon einen Schritt weiter. In den rund 80 Kirchen gebe es fast nur noch elektronische oder halbelektrische Turmuhren, sagt Liane Kreuzer, die Leiterin der Bauabteilung. „Mechanische Uhren sind meistens nur noch Schauobjekte. Sie stehen zwar noch auf den Dachböden, sind aber oft nicht mehr aktiv.“ Der Grund dafür sei, dass es die alte Küstergeneration kaum noch gebe, deren Herz an der Technik gehangen habe. Mit deren Verschwinden hätten in den vergangenen 20 Jahren auch viele Kirchen ihre Uhren umgestellt.

„Es gibt immer weniger hauptamtliche Küster in den Gemeinden, die bereit sind, den Weg in den Turm zu gehen“, sagt auch Arnulf Dahm. „Deswegen wird versucht, es mit Elektronik zu vereinfachen.“ Viele Kirchengemeinden, die komplett auf eine elektronische Uhr umgestellt hätten, würden diesen Schritt inzwischen aber bereuen. Das Landeskirchenamt versuche deshalb, alle noch nicht Umgestiegenen davon zu überzeugen, ihre mechanische Uhr zu behalten.

Die Gleschendorfer müssen dazu nicht überredet werden, für sie kommt eine Umstellung nicht in Frage. „Die alte schöne Technik funktioniert doch“, sagt Küster Hans-Werner Greger. „Warum sollten wir daran etwas ändern?“

Janina Dietrich

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