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Norddeutschland Kirchengericht stellt Verfahren gegen Geistlichen ein
Nachrichten Norddeutschland Kirchengericht stellt Verfahren gegen Geistlichen ein
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17:00 19.12.2017
Das Gericht sah die Vorwürfe als erwiesen an, hielt es aber wegen der Dauer des Verfahrens für „unverhältnismäßig“, Friedrich H. aus dem Dienst zu entfernen. Quelle: Markus Scholz/dpa
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Ahrensburg

Pastor H. hatte eingeräumt, Anfang der 80er Jahre sexuelle Beziehungen zu zwei volljährigen Jugendlichen gehabt zu haben. Dem Geistlichen wurden außerdem schwerwiegende Amtspflichtsverletzungen zur Last gelegt. Er soll gewusst und vertuscht haben, dass sein Kollege Dieter K. mehrere minderjährige Jugendliche missbrauchte. H. selbst hatte angegeben, vom den sexuellen Übergriffen seines Kollegen erst Mitte der 90er Jahre erfahren zu haben.

Das Gericht sah die Vorwürfe als erwiesen an, hielt es aber wegen der Dauer des Verfahrens für „unverhältnismäßig“, Friedrich H. aus dem Dienst zu entfernen, wie das Kirchenamt es angestrebt hatte.

Das hätte als Sanktion den Verlust der Ordinationsrechte und den Verlust der Altersbezüge bedeutet. Das Urteil ist rechtskräftig, Rechtsmittel dagegen sind nicht zulässig.

Der Unmut bei Landeskirchenamtspräsident Peter Unruh bleibt spürbar. Unruh erklärte, das Landeskirchenamt bleibe trotz des Urteils bei seiner Auffassung, „dass die in der Beweisaufnahme deutlich gewordenen Amtspflichtverletzungen des Pastors seine Entfernung aus dem Dienst rechtlich begründen.“ Kirchensprecher Stefan Döbler sagte: „Was die Betroffenen erlitten haben, wird man niemals ,entschädigen‘ können.“ In Anerkennung des Leids leistet die evangelisch-lutherische Kirche Zahlungen an Missbrauchsopfer.

Das Kirchengericht, ein Gremium von fünf ehrenamtlichen und unabhängigen Richtern, hatte das Verfahren 2011 eröffnet, aber schon ein Jahr später eingestellt, ohne bis dahin Zeugen vernommen zu haben.

Das Gericht begründete dies seinerzeit mit den Auswirkungen des Skandals auf das Leben des Betroffenen und der strafrechtlichen Verjährung der Vorwürfe. Das Landeskirchenamt als Kläger hatte gegen diese Entscheidung erfolgreich Rechtsmittel eingelegt. Es vergingen vier Jahre, bis das Verfahren neu eröffnet wurde.

Die Vorgänge in der Ahrensburger Gemeinde waren vor gut sieben Jahren publik geworden. In einem Brief an die damalige Hamburger Bischöfin Maria Jepsen hatte sich eine Frau offenbart. Sie gab an, ab dem Alter von 16 Jahren ein mehrjähriges Verhältnis mit dem Ahrensburger Geistlichen Dieter K. gehabt zu haben. In dieser Zeit habe K. sich an seinen drei Stiefsöhnen vergangen. Schon 1999 informierte die Frau die damalige Pröpstin Heide Emse. Sie lässt K. lediglich versetzen.

Im Zuge der kirchlichen Ermittlungen berichten Zeugen schließlich, dass Bischöfin Maria Jepsen schon 1999 von den Vorwürfen erfahren hat. 2010 tritt Jepsen zurück. K. entzieht sich im gleichen Jahr durch seinen Antrag auf Entlassung aus dem Kirchendienst einer disziplinarrechtlichen Verfolgung.

Curd Tönnemann

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