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Norddeutschland Kite-Surfer wehren sich gegen Verbotszonen in Nord- und Ostsee
Nachrichten Norddeutschland Kite-Surfer wehren sich gegen Verbotszonen in Nord- und Ostsee
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21:23 18.12.2015
Zum Schutz von Seevögeln sollen Kite-Surfer bestimmte Uferabschnitte an Nord- und Ostsee meiden.
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Lübeck/Kiel

In der Szene regt sich massiver Protest gegen die Pläne. Auch die CDU greift den Minister scharf an: Habeck mache sich zum Erfüllungsgehilfen der Naturschutzverbände.

Die Landesregierung hat beim Bundesverkehrsministerium beantragt, für neun Küstenabschnitte zwischen Flensburg und Fehmarn die sogenannte Befahrensverordnung zu ändern, um Kite-Surfer auszusperren. Der Nationalpark Wattenmeer an der Westküste soll von Gesetzes wegen sogar ganz für die Trendsportler tabu sein. Allerdings sollen laut Habeck Abschnitte festgelegt werden, in denen die Surfer ausnahmsweise weiterhin ihrem Hobby nachgehen können.

Die Umweltschutzverbände Nabu und Bund, die seit Jahren gegen die Kite-Surfer kämpfen, begrüßen die Pläne. Seevogel-Kolonien würden durch die Sportler erheblich gestört. „Die Drachen, die Kite-Surfer benutzen, werden von den Tieren für Greifvögel gehalten“, erklärt Bund-Landesgeschäftsführer Ole Eggers. „Die Schreckwirkung ist enorm.“ Bereits „ein, zwei Störungen während der Brutzeit können ausreichen, damit sich eine ganze Kolonie auflöst“, ergänzt Nabu- Chef Ingo Ludwichowski.

Die Wassersportler sind dagegen sauer. „Für uns ist das Verbot fatal“, sagt Michael Brozio, der eine Kite-Surf-Schule auf Fehmarn betreibt. Denn die Verbotszonen würden insbesondere für solche Gebiete gelten, die gut für Anfänger geeignet seien. „Kite-Surfer sind keine Umwelt-Rambos“, betont Bernd Hiss, Inhaber der Kiteboard-Firma Hiss Tec auf Fehmarn. Wassersportler achteten die Natur. Natürlich könne es sein, dass sich Einzelne in ein Naturschutzgebiet verirrten. „Aber man sperrt ja auch keine Landstraßen, weil einige zu schnell fahren.“

Von einer „Attacke gegen den Sport“ spricht auch der Segler-Verband Schleswig-Holstein. Gerade das Kite-Surfen, das sich immer größerer Beliebtheit erfreue und olympische Disziplin werden soll, werde nun von der Regierung torpediert.

Robert Habeck kann die Aufregung nicht nachvollziehen. „Wir wollen diesen Sport in Nord- und Ostsee. Auch an der Westküste wird er weiter möglich sein“, verspricht der Minister. Außerdem seien die Sportler schon 2009 und 2011 in einvernehmlichen Gespräche informiert worden. Mit Ausnahme einzelner Zonen in Naturschutzgebieten werde das Kite-Surfen an der Ostsee auch weiter nahezu uneingeschränkt möglich sein.

Heiner Rickers, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, greift den Minister scharf an. Gegenwärtig liege „kein einziges wissenschaftliches Gutachten vor, wonach Kitesurfer die Natur beeinträchtigen“. Dennoch reiche dem Ministerium die Forderung des Nabu aus, um Verbote auf den Weg zu bringen. „Habeck macht sich einmal mehr zum Erfüllungsgehilfen einer Verbandskampagne“, sagt Rickers.

Protest gegen das Betretungsrecht

4542 Unterschriften hat der Bauernverband Schleswig-Holstein gestern an SPD-Fraktionschef Ralf Stegner übergeben. Die Landwirte protestieren gegen das Landesnaturschutzgesetz, das unter einem ein Betretungsrecht für ungenutzte Ackerflächen vorsieht. Aus demselben Grund hatte auch der Landesjagdverband 15<TH>000 Unterschriften gesammelt. Die Jäger fürchten erhebliche Störungen für Wildtiere durch Wanderer.

Von Oliver Vogt

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