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Norddeutschland Klein Gladebrügge: Dorf der Rebellen?
Nachrichten Norddeutschland Klein Gladebrügge: Dorf der Rebellen?
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22:27 07.11.2013
„Ich hoffe, sie bauen jetzt den Tunnel unter Bad Segeberg.“ Britta Roby (42)
Klein Gladebrügge

Der Name Klein Gladebrügge steht seit Mittwoch für den einstweiligen Baustopp der A 20. Die 547-Seelen-Gemeinde, die unmittelbar an das südliche Ende der Kreisstadt Bad Segeberg grenzt, hat es zusammen mit den Naturschutzverbänden Nabu und BUND geschafft, den Weiterbau der A 20 per Gerichtsbeschluss vorerst zu verhindern. Die vermeintlichen Autobahn-Rebellen sehen die Lage durchaus differenziert.

„Ich bin für die Autobahn, aber schreiben Sie nicht meinen Namen, sonst bekomme ich Ärger“, sagt eine Gladebrüggerin. Bereits jetzt sei im Ort viel Verkehr und in der Karl-May-Saison stauten sich die Autos entlang der gesamten Hauptstraße. Die A 20 hätte Gladebrügge sogar Entlastung gebracht, glaubt sie.

Andere wie Britta Roby sind besserer Stimmung. Seit elf Jahren wohnt die 42-Jährige in dem Ort. „Hätten wir damals gewusst, dass die Autobahn kommt, wir hätten das Haus wohl nicht gekauft“, sagt Roby. Dass jetzt ein neues Planfeststellungsverfahren beginne, sei aber eine gute Nachricht — sowohl für die Anwohner als auch für die Fledermäuse. „Ich hoffe, sie entscheiden sich jetzt für einen Tunnel unter Bad Segeberg. Das wäre von vornherein die beste Variante gewesen, um Einwohner und Natur vor Lärm und Abgasen zu schützen.“

Daran glaubt Reinhard Wiring noch nicht. Dass der Weiterbau ausgesetzt wurde, stimme ihn zwar zufrieden. Der 70-Jährige zweifelt aber daran, ob der Erfolg wirklich von Dauer ist, „oder ob in zwei Jahren alles wieder von vorne losgeht“. Am Ende werde es wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass die Bewohner von Klein Gladebrügge „zwischen Lärmschutzwänden eingemauert werden“, prognostiziert Wiring. Die Fledermäuse dürften dann zwar frei fliegen. „Aber Menschen werden in diesem Land leider nicht so wichtig genommen, wie Fledermäuse“, bedauert der pensionierte Ingenieur.

Krankenschwester Ines Reinhold räumt ein, dass das Streben der Klein Gladebrügger, die A 20 zu verhindern, „sicherlich egoistisch“ sei. Denn als Autofahrerin profitiere sie auch von der A 20.

„Allerdings sind wir auch diejenigen, die mit dem Lärm, den Abgasen und dem Wertverlust unserer Häuser leben müssen“, sagt die 49-Jährige.

Ulrich Last, 80 Jahre und alteingesessener Einwohner von Klein Gladebrügge, hat seine ganz eigene Meinung zum Thema: „Die A 20 muss sofort weiter gebaut werden. Die Verzögerung kostet doch nur unnötig Geld.“ Der Rentner hat wenig Verständnis für seine Gladebrügger Nachbarn, die eine Trasse durch Bad Segeberg fordern. „Das verstehe ich nicht. Dann sollen die anderen den Lärm haben. Aber Hauptsache wir nicht, oder was?“, sagt er kopfschüttelnd. Oliver Vogt

LN

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