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Norddeutschland Kletterer wollen hoch hinaus
Nachrichten Norddeutschland Kletterer wollen hoch hinaus
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19:44 17.10.2015
Nick Mammel (31, r.) versucht, eine der vielen Routen im Kletterzentrum Urban Apes zu bewältigen, Stev Dumröse (33) sichert ihn. In zwei Wochen trifft sich dort die norddeutsche Kletterelite. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Entspannt arbeitet sich Nick Mammel die grüne Kletterroute nach oben. Jeder Griff sitzt, schon nach kurzer Zeit ist er an der Hallendecke in 14 Meter Höhe angelangt. In zwei Wochen, am 31. Oktober, wird das Ziel nicht so leicht zu erreichen sein. Dann startet im Kletterzentrum Urban Apes in Lübeck erstmals die Norddeutsche Klettermeisterschaft — und dafür werden noch besonders schwierige neue Routen an den Wänden angebracht. Ein nationales Schrauberteam kommt für diese Aufgabe in der Woche vor den Wettkämpfen extra nach Lübeck. „Die Griffe werden dann entweder ganz klein oder ganz groß sein und wenig Möglichkeiten zum Hineingreifen bieten“, sagt der 31-Jährige, der seit Jahresbeginn Geschäftsführer des Kletterzentrums ist.

Die Schwierigkeitsskala beim Klettern reicht von eins bis zwölf, bei der Meisterschaft messen sich die Teilnehmer bis zum Bereich 9+/10-. „Das liegt am oberen Ende dessen, was noch menschenmöglich ist“, sagt Mammel, der selbst seit acht Jahren in dem Sport aktiv ist — allerdings nur zum Spaß. Deshalb wird er bei der Meisterschaft nicht an den Start gehen. „Um im neunten Grad zu bestehen, müsste ich zehn bis 15 Stunden pro Woche trainieren, und dabei auch Kraft und Ausdauer“, erklärt er.

Anfang 2012 wurde die Werkhalle der ehemaligen Gasanstalt zu einem Kletterzentrum umgebaut. Rund 350 weitere Hallen seien in den vergangenen Jahren in Deutschland entstanden. „Immer mehr Leute gehen lieber in die Kletterhalle als ins Fitnessstudio“, sagt Mammel. In der Region Lübeck bestehe die Kletterszene mittlerweile aus 200 bis 250 Menschen.

Stev Dumröse ist einer von ihnen. Vor dreieinhalb Jahren entdeckte der 33-Jährige das Klettern für sich, inzwischen hängt er viele Stunden pro Woche in der Wand. Auch um neue Routen zu schrauben und Kindern, Jugendlichen sowie Erwachsenen sein Wissen weiterzugeben. Denn Dumröse hat das Hobby zu seinem Beruf gemacht, arbeitet als Chef-Routenbauer und Trainer bei Urban Apes. „Was ich am Klettern toll finde, ist, dass sowohl der gesamte Körper als auch der Kopf gefordert sind“, sagt er. „Und dass man vor Probleme gestellt wird, die es zu lösen gilt.“

50 bis 80 Teilnehmer werden das bei der Norddeutschen Meisterschaft versuchen. Sie treten in vier Wertungsklassen gegeneinander an: Damen und Herren sowie weibliche und männliche Jugend. „Von Hannover bis hoch zur Küste werden alle Kletterer nach Lübeck kommen, die Rang und Namen haben“, sagt Nick Mammel. Angemeldet ist bereits Lena Herrmann aus Hannover, die amtierende Deutsche Meisterin der Damen. Neben solchen Sportlern, die seit vielen Jahren klettern, seien auch viele junge Talente am Start. „Vom Einsteiger bis zum Profi ist alles dabei. Das ist das Schöne an der Veranstaltung.“

In zwei Qualifikationsrunden müssen sich die Teilnehmer zunächst für das Finale qualifizieren. „Bei den Wettkämpfen geht es nicht um Schnelligkeit, sondern darum, wer es am weitesten schafft, ohne zu fallen“, erklärt der Organisator. „Denn die Routen fangen verhältnismäßig leicht an und werden nach oben hin immer schwieriger. Irgendwann geht es dann nicht mehr weiter.“ Zu Beginn haben die Teilnehmer die Möglichkeit, gemeinsam einen Blick auf die Routen zu werfen. Dann müssen sie sich in eine sogenannte Isolationszone begeben, damit sie sich nichts bei ihren Konkurrenten abgucken. Ein Zeitlimit gibt es nicht. „Die Teilnehmer dürfen so lange klettern, bis die Muskeln nicht mehr mitmachen“, sagt Mammel.

Bevor es losgeht, hat der Organisator noch eine Menge zu tun. Die bestehenden Griffe müssen zum Beispiel von den Wänden abgeschraubt und gesäubert werden. Bei der Veranstaltung selbst bekommt Mammel dann Unterstützung von rund 30 Helfern. Sie sind als Sicherer, Ordner und als Servicekräfte im Einsatz. Denn abgesehen von den Sportlern erwartet das Lübecker Kletterteam auch 120 bis 150 Zuschauer.

• Ein Video vom Klettern finden Sie unter www.LN-Online.de/Videos

Ablauf des Wettkampfs
50 bis 80 Teilnehmer werden am Sonnabend, 31. Oktober, zur Norddeutschen Meisterschaft im Kletterzentrum Urban Apes in Lübeck, Bei der Gasanstalt 5, erwartet. Zuschauer sind zu den Wettkämpfen willkommen. Der Eintritt ist frei. Die Qualifikationsrunden starten um 10 Uhr, die Finals der Mädchen und Jungen sind ab 15 Uhr geplant, die Sieger der Damen und Herren werden voraussichtlich ab 17.15 Uhr ermittelt.

Janina Dietrich

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