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Norddeutschland Knopfdruck hätte Kollision verhindert
Nachrichten Norddeutschland Knopfdruck hätte Kollision verhindert
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20:10 22.06.2013
Der ramponierte Bug der „Nils Holgersson“. Archivfoto: dapd
Lübeck

Gut ein Jahr nach der Kollision der „Nils Holgersson“ mit der dänischen Fähre „Urd“ im Hafen von Travemünde hat die Bundesstelle für Seefalluntersuchung (BSU) ihren Abschlussbericht vorgelegt. Sie wirft der Brückenmannschaft der „Nils Holgersson“ zwar Fehler vor, es habe sich nach Einschätzung der BSU aber nicht um Fahrlässigkeit, sondern ein „Augenblicksversagen“ gehandelt.

Die „Nils Holgersson“ der TT-Line hatte am 3. Mai 2012 die am Kai liegende „Urd“ voll gerammt und ein etwa sechs Meter großes Loch in die Bugwand gerissen. Menschen wurden bei der Havarie zwar nicht verletzt und auch keine Umweltschäden angerichtet, der Schaden an beiden Schiffen ging jedoch in die Millionen. Die Staatsanwaltschaft Lübeck leitete anschließend ein Strafverfahren wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs gegen den 42-jährigen Kapitän der TT-Line ein.

Laut Untersuchungsbericht war es ein simpler Knopfdruck, der die Kollision mit der „Urd“ hätte verhindern können. Denn nach Passieren der Mole in Travemünde hätte der Kapitän die Steuerungsanlage der Fähre vom See- in den Hafenmodus umstellen müssen, was allerdings nicht geschah und auf der Brücke auch von niemandem bemerkt wurde. Die Steuerung der beiden sogenannten Pod-Antriebe der Fähre erfolgte dadurch verlangsamt, so dass das Drehmanöver im Hafenbecken letztlich scheiterte. Zwar wurde das Problem auf der Brücke schließlich bemerkt. In den verbleibenden zweieinhalb Minuten vor dem Zusammenstoß sei es allerdings nicht mehr gelungen, die „Nils Holgersson“ zu stoppen. Ein Umschalten auf die Notsteuerung sei zwar erfolgt, laut Gutachten sei sie jedoch „nicht konsequent genug bedient worden“. Unterlassen wurde es auch, kurz vor der Kollision eine automatische „Crash stop“-Sequenz einzuleiten. „Das kam der Brückenbesatzung stressbedingt aber erst nach der Kollision wieder in den Sinn“, heißt es in dem Gutachten.

Die Verantwortung für die Havarie trägt laut BSU aber nicht der Kapitän allein, sondern die gesamte Brückenmannschaft, die neben dem Kapitän zum Zeitpunkt der Kollision noch aus dem Nautischen Wachoffizier, dem I. Nautischen Offizier und einem Rudergänger bestand. Alle vier Besatzungsmitglieder hatten den Einlauf in Travemünde bereits mehrere Male ohne Zwischenfälle absolviert und galten als sehr erfahren. Übermüdung habe keine Rolle gespielt. Dass dennoch von niemandem bemerkt wurde, dass die „Nils Holgersson“ noch immer im See- statt im Hafen-Modus lief, sei nicht etwa auf mangelnde Erfahrung, sondern im Gegenteil auf eine Überroutine zurückzuführen gewesen. Die sich regelmäßig wiederholenden Tätigkeiten auf der Brücke hätten nicht mehr die volle Aufmerksamkeit der Besatzung gehabt. Nach der Kollision hätten sich Crew und Besatzung sowohl auf der „Nils Holgersson“ als auch auf der „Urd“ professionell und einwandfrei verhalten.

Einen Freispruch für Kapitän und Crew bedeutet das Gutachten jedoch nicht. Ein eventuelles Gerichtsverfahren bleibt davon unberührt. Oliver Vogt

LN

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