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Norddeutschland Köche verzweifelt gesucht: Gastgewerbe im Norden in Not
Nachrichten Norddeutschland Köche verzweifelt gesucht: Gastgewerbe im Norden in Not
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19:36 16.08.2016
Die Arbeitsagentur verzeichnet allein im Bezirk Lübeck/Ostholstein 452 offene Stellen im Hotel- und Gastgewerbe – bei wachsendem Personalbedarf, bedingt durch Hotel-Neubauten. Quelle: dpa

Die „Lübecker Hanse“ ist ein alteingesessenes Traditionsrestaurant in der Lübecker Altstadt. Seit Sonntag kann es keinen Mittagstisch mehr anbieten. Dafür fehlt das Personal – mitten in der Saison, wo die Stadt und die nahen Strände voll sind von Touristen. Das Lübecker Lokal ist kein Einzelfall. Den Gastronomen im Norden gehen die Fachkräfte aus. Allerorten fehlt Service- und Küchenpersonal. Das Angebot für den Gast muss notgedrungen eingeschränkt werden. Die Arbeitsagentur verzeichnet allein im Bezirk Lübeck/Ostholstein 452 offene Stellen im Hotel- und Gastgewerbe – bei wachsendem Personalbedarf, bedingt durch Hotel-Neubauten.

„Gelernte Fachkräfte sind nur noch ganz schwer zu bekommen“, klagt Martin Lubei, Inhaber der „Lübecker Hanse“. Er musste seinen Mittagstisch einstellen, weil ihm die Bedienung fehlte. „Auch einen Koch könnte ich noch gut gebrauchen“, sagt Lubei. Es gebe auf dem Markt „keine fähigen Leute mehr, die Lust auf den Job haben“. Lubei garantiert seinen Angestellten eine 40-Stunden-Woche.

„Viele Betriebe werden angesichts des Personalmangels gezwungen, rationeller zu arbeiten“, bestätigt Schleswig-Holsteins Dehoga-Präsident Axel Strehl. Das bedeutet: Die Vielseitigkeit auf den Speisenkarten nehme ab, der traditionelle Mittagstisch werde durch ein Büfett ersetzt – oder entfalle ganz. Innerhalb der Branche tobt längst ein Wettbewerb um die besten Kräfte. „Gute Leute werden abgeworben“, berichtet Strehl. Dringlich gesucht würden Köche. Schuld am Mangel sei die demografische Entwicklung: Die Zahl ausbildungsfähiger junger Leute nimmt ab.

Die Arbeitsagentur Lübeck verweist darauf, dass die Misere auch mit einem wachsenden Bedarf an Fachkräften zusammenhängt. Innerhalb der vergangenen dreieinhalb Jahre hat die Branche ihre Beschäftigtenzahl um ein Fünftel hochgefahren. Doch auch das reicht nicht: Von 1115 Arbeitsstellen, die zu Jahresanfang im Bezirk ausgeschrieben waren, sind noch 452 unbesetzt. Landesweit sind 2069 Stellen offen. Besonders gebeutelt sind die Tourismusgemeinden: Das Gastgewerbe in Ostholstein beschäftigt im Sommer 1400 Arbeitnehmer mehr als im Winter.
„Im Wettbewerb mit anderen Branchen kann das Hotel- und Gastgewerbe nur bestehen, wenn es verstärkt etwas für die Attraktivität der Arbeits- und Ausbildungsplätze tut“, mahnt der Lübecker Arbeitsagenturchef Markus Dusch. Wichtig wären familienfreundliche Arbeitszeiten oder finanzielle Anreize. Das Gastgewerbe konkurriere nämlich immer stärker mit anderen Wirtschaftszweigen, die eine Ganzjahresbeschäftigung ermöglichen und keine Wochenend- und Feiertagsdienste erfordern.

Um die Situation grundsätzlich zu verbessern, seien viele Hebel nötig, heißt es im Kieler Wirtschaftsministerium. Dazu gehöre das verstärkte Werben für eine Ausbildung in diesem Bereich, das Heben „stiller Reserven“ und Potenziale (Frauen, Migranten, Langzeitarbeitslose) oder die Integration von Flüchtlingen. Letzteres sei jedoch eher ein „Marathonlauf“. Curd Tönnemann

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