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Norddeutschland Kollision auf dem Kanal: Schwebefähre rammt Frachter
Nachrichten Norddeutschland Kollision auf dem Kanal: Schwebefähre rammt Frachter
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22:25 08.01.2016
Die „Evert Prahm“ wird bei der Kollision schwer an der Kommandobrücke getroffen.

Der Mast ist abgebrochen, das Deckshaus verzogen und Teile des Seitendecks sind weggerissen. Reste der Treppe zum Oberdeck baumeln im Freien. Die Rendsburger Schwebefähre hat bei der Kollision mit einem Frachter auf dem Nord-Ostsee-Kanal schwere Schäden davongetragen. Zwei Menschen wurden dabei verletzt. Hätte die Fähre den Frachter nur eine halbe Stunde später gerammt, wäre sie wie an jedem Morgen mit mehreren Dutzend Schülern besetzt gewesen. Bürgermeister Pierre Gilgenast brachte es auf den Punkt: „Rendsburg ist knapp an der Katastrophe vorbeigeschrammt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Schüler schon an Bord gewesen wären.“

Um 6.38 Uhr stieß die Schwebefähre mit der „Evert Prahm“ zusammen. In einem Video, das von einer Webcam im Kreishafen aufgenommen wurde, ist der Zusammenstoß deutlich zu sehen. Die Schwebefähre wird durch die Wucht des Aufpralls um einige Meter zurückgeworfen. Zeugen berichten, dass die Fähre für einen Moment lang fast quer in der Luft hing. Ein Polizist sagte, dass sein Kollege, der sich zu dem Zeitpunkt an Bord der Schwebefähre auf dem Heimweg befand, quer über das Deck geschleudert wurde. Glücklicherweise habe er einen Fahrradhelm getragen. Der Fährführer erlitt dagegen schwere Verletzungen. Er kam ins Krankenhaus. Zur Unglücksursache gab es gestern keine Aussagen. Vorfahrt auf dem rund 100 Kilometer langen Nord-Ostsee-Kanal zwischen Kiel und Brunsbüttel haben stets die in Längsrichtung fahrenden Schiffe. Hinweise auf Alkoholeinfluss hätten sich nicht ergeben, gab die Polizei an. An Bord des Schiffes wurde niemand verletzt.

Die mehr als 100 Jahre alte Schwebefähre war auf dem Weg vom Nord- zum Südufer und der 74 Meter lange Frachter fuhr Richtung Brunsbüttel, als beide Fahrzeuge mitten auf dem Kanal heftig zusammenkrachten. Bei der Kollision wurden die Halteseile der denkmalgeschützten Schwebefähre stark beschädigt — sie war deshalb nicht mehr manövrierfähig und wird längere Zeit ausfallen. Der Verkehr auf dem Kanal und der Eisenbahnhochbrücke kam für mehrere Stunden zum Erliegen. Die Schwebefähre wird von Fußgängern, Radfahrern und Autos benutzt. Sie transportiert täglich etwa 520 Fahrzeuge und 1700 Menschen.

Nach dem Zusammenstoß waren 80 Kräfte von Polizei, Wasserschutzpolizei, Rettungsdienst und Feuerwehr im Einsatz. Spezialisten schafften es nach mehreren Stunden, die Fähre wieder sicher in ihre Laufschiene einzuhängen. Arbeiter zogen sie Stück für Stück mit Muskelkraft 70 Meter weit zur Südseite. Die Eisenbahnhochbrücke wurde durch die Kollision nicht beschädigt. Am späten Nachmittag waren die Rettungs- und Bergungsarbeiten abgeschlossen. Der Kanal konnte nach knapp zehn Stunden wieder für den Bahn- und Schiffsverkehr freigegeben werden. Laut Bahn waren die drei Zugstrecken Hamburg—Flensburg, Husum—Kiel und Kiel—Rendsburg von der Sperrung der Eisenbahnbrücke betroffen. Ein Ersatzverkehr mit Bussen wurde eingerichtet.

Platz für 60 Fußgänger
dauert die Überfahrt mit der Rendsburger Schwebefähre. Sie bietet Platz für sechs Pkw und 60 Fußgänger. Am 2. Dezember 1913 nahm die Fähre, die die Gemeinde Osterrönfeld mit der Stadt Rendsburg verbindet, den Betrieb auf. Seitdem erfolgt die Überfahrt zu jeder Viertelstunde — soweit es der Schiffsverkehr erlaubt. Beginn ist um 5 Uhr, Schluss ist im Winter um 22 Uhr (Sommer 23 Uhr). Die Überfahrt ist wie bei allen Kanalfähren kostenlos.

Malte Kühl und Frank Behling

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