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Norddeutschland Kollision legt Nord-Ostsee-Kanal lahm
Nachrichten Norddeutschland Kollision legt Nord-Ostsee-Kanal lahm
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12:21 29.10.2013
Die „Siderfly“ war nach der Kollision so stark beschädigt, dass sie zu sinken drohte. Ein Leck befand sich in der Nähe der Laderäume, in denen sich ungiftiges Düngemittel befand. Das Schiff wurde mit an Land befestigten Ankern gesichert. Quelle: Fotos: dpa
Kiel

Die „Siderfly“ liegt mit 24 Grad Schlagseite ganz nah an der Böschung des Nord-Ostsee-Kanals. Der Düngermittel-Frachter ist am frühen Montagmorgen bei Brunsbüttel mit einem anderen Schiff zusammengestoßen. Bei der Kollision wurde die 100 Meter lange „Siderfly“ schwer beschädigt und schlug leck. Der Frachter habe zwei Löcher im Rumpf, die drei bis fünf Meter groß seien, eins davon im Bereich der Laderäume, sagte Ulrike Windhövel vom Havariekommando in Cuxhaven. Zur Unglücksursache gab es zunächst keine Erkenntnisse.

Der Nord-Ostsee-Kanal wurde nach der Kollision bis auf weiteres voll gesperrt, teilte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei mit. „Ein Ende der Sperrung ist bislang nicht absehbar.“ Angesichts des Orkantiefs wurden zunächst keine Entscheidungen zur Bergung der „Siderfly“ getroffen, sagte Ulrike Windhövel vom Havariekommando in Cuxhaven. Dadurch mussten vier Schiffe auf die Ausfahrt in die Elbe warten. Auf der anderen Seite der Schleusenanlage lagen mehrere Schiffe auf Reede, also in der Flussmündung vor Anker.

Die „Siderfly“ war gegen 3 Uhr mit der 116 Meter langen „Coral Ivory“ unterhalb der Brunsbütteler Hochbrücke zusammengestoßen. Dabei wurde die „Siderfly“ so stark beschädigt, dass sie zu sinken drohte. Zwei Schlepper drückten den Frachter auf die Kanalböschung und hielten ihn dort, teilte die Wasserschutzpolizei Brunsbüttel mit. Das Schiff wurde mit an Land ausgebrachten Ankern stabilisiert. Nach der Havarie sei Dieselöl, jedoch kein Schweröl ausgetreten, sagte Windhövel. Experten brachten Ölsperren aus. Menschen wurden bei dem Unglück nicht verletzt. An Bord der beiden Schiffe waren zum Unfallzeitpunkt 28 Besatzungsmitglieder.

Die unter der Flagge von St. Vincent und den Grenadinen fahrende „Siderfly“ war auf dem Weg von Brunsbüttel nach Antwerpen. Sie hatte Urea (Harnstoff) geladen — weiße, ungiftige Kristalle, die wegen ihres hohen Stickstoffgehaltes weltweit als Düngemittel genutzt werden. Ohne Schaden blieben die Laderäume des unter niederländischer Flagge fahrenden Gastankers „Coral Ivory“, der in Brunsbüttel festmachte. Das Schiff soll 4030 Tonnen giftiges Ammoniak nach Finnland bringen.

Von der Sperrung betroffen ist auch ein vor Kiel liegender Frachter der Lübecker Reederei Hans Lehmann. „Bei dem Wetter macht man ungern Umwege“, sagte Geschäftsführer Dierk Faust. Seine Reederei koste das Warten zwischen 4000 und 5000 Euro pro Tag.

Nicht das erste Unglück
2011 ereignete sich der schlimmste Unfall auf dem Kanal seit Jahren. Zwei Seeleute kamen bei der Kollision zwischen dem russischen Holzfrachter „Tyumen 2“ und dem britischen Containerschiff „OOCL Finland“ ums Leben. Drei weitere Personen wurden verletzt. Das Unglück passierte bei starkem Nebel nahe der Grünentaler Hochbrücke.

LN

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