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Norddeutschland Schulen sollten niemals Partei für eine bestimmte Meinung ergreifen
Nachrichten Norddeutschland Schulen sollten niemals Partei für eine bestimmte Meinung ergreifen
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15:58 03.02.2019
Wolfram Hammer kritisiert in seinem Kommentar die Entscheidung einer Oldesloer Stadtschule, geschlossen an einer Demo teilzunehmen. Quelle: Lutz Roessler
Lübeck

Greta Thunberg hat es vorgemacht. Jeden Freitag demonstriert die 16-jährige Schwedin für mehr Klimaschutz. Auch bei uns gehen jetzt viele Schülerinnen und Schüler dafür auf die Straße. Am Freitag taten sie es etwa in Bad Oldesloe. Während der Schulzeit.

Schwänzen fürs Klima – dürfen die das?

Die Frage kochte vor allem deshalb hoch, weil eine Oldesloer Grundschule gleich komplett an der Demo teilnahm. Als Schulveranstaltung. Man sei schließlich eine „Klimaschule“, heißt es. An einer anderen Schule war die Rede davon, dass Eltern eine Beurlaubung beantragen könnten.

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Es ist keine Pflicht, an den Klimawandel zu glauben

Das ist sicherlich alles gut gemeint. Wer wollte sich denn nicht um die Zukunft unseres blauen Planeten sorgen? Gut gemacht ist es deshalb aber leider noch lange nicht. Ja, es gibt gute Gründe, an den menschengemachten Klimawandel zu glauben. Pflicht ist es nicht. Dass ihn derzeit viele Bürger zu einem quasi-religiösen Glaubenssatz überhöhen wollen, ändert daran nichts. Es ist und bleibt eine Meinung, und die ist in unserem Land frei. Gottlob.

Das heißt zugleich auch: Es darf und muss bei uns selbst über dieses Thema strittig diskutiert werden, über politische Schlussfolgerungen daraus allemal, auch in den Schulen im Land. Wer Schülerinnen und Schüler dann allerdings per Dienstanweisung auf eine bestimmte Meinung verpflichten will oder sie dafür mit einer Beurlaubung belohnt, bietet ihnen, bei aller Euphorie fürs vermeintlich Gute, doch nur ein Lehrstück in Anti-Demokratie.

Schulen sollten die Demo nicht zur Pflicht machen

Man stelle sich zur Verdeutlichung nur einmal vor, eine Schule hätte kürzlich auf Anweisung und unter Führung der Religionslehrer geschlossen für die Einführung des Reformations-Feiertages demonstrieren müssen, oder eine andere 2017 für die Wahl Daniel Günthers zum Ministerpräsidenten, weil er doch für G 9 ist.

Die Empörung wäre, zu Recht, groß gewesen. Und mit welcher Begründung wollte man dann irgendwann Schülern die Beurlaubung für eine andere Demonstration versagen, auf der es um den Lehrern womöglich weniger genehme Forderungen geht?

Wer schwänzt, muss zu den Konsequenzen stehen

Dürfen Schüler also fürs Klima schwänzen? Die Antwort lautet: Ja, sie dürfen es. Millionen Schüler vor ihnen haben aus nichtigeren Gründen geschwänzt – um zu jobben, mit Kumpels im Bistro nebenan Skat zu spielen oder einfach mal auszuschlafen, zum Beispiel. Aber: Sie müssen dann, wie sie, eben auch zu den Konsequenzen stehen – Eintrag ins Klassenbuch, Anranzer vom Direx, Brief an die Eltern.

Schule aber, die offizielle, darf niemals Partei für eine bestimmte Meinung ergreifen. Das ist ihr Neutralitätsgebot. Da steht es Lehrerinnen und Lehrern, Schulleiterinnen und Schulleitern schlicht nicht zu, über die Gesinnung ihrer Schülerinnen und Schüler zu richten.

Die LN berichten zum Thema

Bildergalerie: 500 Schüler bei Klima-Demo in Bad Oldesloe

Bericht: So lief die Klima-Demo in Bad Oldesloe

Vorbericht: Schule aus Bad Oldesloe beteiligt sich geschlossen an Klima-Demo

Ministerium schaltet sich: Darf eine ganze Schule zur Demo?

Was hat es mit den Demos auf sich? Wut treibt die Jungen auf die Straße

Interview mit 15-Jährigem: „Wir schwänzen nicht – wir streiken, weil wir etwas bewegen wollen“

Service: Dürfen Schüler streiken und die Schule schwänzen?

Lübeck: Senioren unterstützen Schüler

Wolfram Hammer

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