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Norddeutschland Kommunen müssen Sand importieren
Nachrichten Norddeutschland Kommunen müssen Sand importieren
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13:04 17.01.2017
In Heiligenhafen wurde fürs Frühjahr Sand gelagert, einiges davon ging bei der Sturmflut verloren. Quelle: Foto: Peter Mantik
Heiligenhafen

Stattdessen befänden sich am Seeboden überwiegend bindige Bodenschichten. Diese haben einen hohen Anteil an Ton und Lehm.

Selbst wenn sich vor ihrer Küste geeigneter Sand finden ließe, dürften die Kommunen diesen nicht einfach so verwenden. Dafür ist nach Angaben des Umweltministeriums eine Genehmigung der zuständigen Bergbehörde nötig. Diese muss zunächst mögliche Auswirkungen des Sandabbaus auf Schutzgebiete sowie die Stabilität der Küste prüfen. Aufgrund der flächenmäßig geringen Ausdehnung komme „den aus rolligem Sediment aufgebauten Lebensräumen ökologisch eine besondere Bedeutung zu, der im Rahmen des Zulassungsverfahrens Rechnung zu tragen ist“, sagt Sprecherin Nicola Kabel. Deshalb seien drei der in den vergangenen drei Jahren gestellten Anträge vom Landesbergamt nicht genehmigt worden.

Die Gemeinden hätten aber die Möglichkeit, den Sand zu verwenden, der bei der Unterhaltung ihrer Hafenzufahrten anfalle. Das sei zum Beispiel in Schönberg passiert, berichtet Kabel. Wenn der Bedarf größer sei, werde der Sand importiert – zum Beispiel aus Dänemark. Heiligenhafen etwa hatte sich von dort für 732000 Euro Sand beschafft. Dieser sollte im Frühjahr an den Testbuhnenfeldern verteilt werden. Tief „Axel“ jedoch spülte einen beträchtlichen Teil des Materials, das die Gemeinde am Strand gelagert hatte, ins Meer. Auch in Kellenhusen fehlt nach der Sturmflut Sand. Am Kurstrand liegt seitdem stellenweise die Geröllschicht frei, der Schaden beträgt mindestens 100000 Euro.

In Mecklenburg-Vorpommern bereitet der fehlende Sand ebenfalls Probleme. Nach Angaben des Energieministeriums in Schwerin gibt es bis auf eine Ausnahmeerlaubnis aktuell keine Genehmigung für die Sandförderung in den Küstengewässern vor Mecklenburg-Vorpommern. Dort sind immerhin 15 Sandabbaugebiete mit einer Gesamtfläche von 400 Quadratkilometern ausgewiesen. Laut Ministerium lagert dort zwar ausreichend Sand für den Küstenschutz. Dennoch ist die Entnahme bislang lediglich in einem sieben Quadratkilometer großen Gebiet vor dem Darßer Ort per Ausnahmegenehmigung erlaubt.

Als Grund für die fehlenden weiteren Genehmigungen nannte das Ministerium die mit den Verfahren verbundenen aufwendigen Umweltverträglichkeitsuntersuchungen. Dabei müssten die Auswirkungen auf die Arten, auf Meeresschutzgebiete, aber auch die Immissionen und der Denkmalschutz bewertet werden. Verbunden mit der Öffentlichkeitsbeteiligung beanspruchten diese Untersuchungen Zeit, heißt es. Einzig im Gebiet vor dem Darßer Ort hat das Bergamt bislang einen vorzeitigen Beginn genehmigt. Für diese und zwei weitere Lagerstätten laufen die regulären Verfahren. Wann und ob die Genehmigungen kommen, ist offen.

 Janina Dietrich

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