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Norddeutschland Krach in der Nord-CDU: Liebing will Wahlkampf-Agentur feuern
Nachrichten Norddeutschland Krach in der Nord-CDU: Liebing will Wahlkampf-Agentur feuern
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20:00 20.07.2016
Keine zehn Monate vor der Landtagswahl im Mai 2017 will Spitzenkandidat Ingbert Liebing seine Werbeagentur rausschmeißen. Quelle: dpa

Riesen-Wirbel in der Landes- CDU: Keine zehn Monate vor der Landtagswahl im Mai 2017 will Spitzenkandidat Ingbert Liebing seine Werbeagentur rausschmeißen. Viele Mitstreiter in der Parteiführung sind entsetzt. Sie fürchten, dass der Union jetzt die Zeit für den Start einer professionellen Werbekampagne für den bislang weithin unbekannten Liebing davonläuft. Außerdem, so heißt es, könnten auf die mit über einer Million Euro hoch verschuldete Partei Mehrkosten von 100 000 Euro zukommen.

Liebing selber wollte sich gestern nicht zu den Gründen für die drohende Kündigung äußern. In seinem Umfeld aber ist von einem Zerwürfnis zwischen seinem Berliner Medienberater und der Frankfurter Agentur „Gorilla XL“ die Rede. Dabei seien schon die Fotos für die Plakate zur Landtagswahl am 7. Mai 2017 gemacht worden.

Schon letzte Woche soll Liebing seinen Entschluss in kleinem Kreis verkündet und die Partei vor vollendete Tatsachen gestellt haben. Erst am Dienstag und auf Nachfrage von Abgeordneten informierte er die Landtagsfraktion. Dort wächst die Unruhe: Allein 16 Abgeordnete kandidieren wieder in Direktwahlkreisen, rätseln jetzt ebenfalls, mit welcher Werbeagentur sie wohl wann und wie in den Wahlkampf ziehen werden. Klar sei bisher nur, dass die neue, von Liebing ausgewählte Agentur „Guru“ erstmal nur die Sommertour des CDU-Spitzenkandidaten planen soll.

Gestern gab es eine eilig einberufene Landesvorstandssitzung im Kieler Landeshaus, während der Landtags-Mittagspause. Liebing gab sich vorher unverdrossen: Man werde sich gut für die Wahl aufstellen, sei gut in der Zeit, und es würden auch keine Mehrkosten entstehen. Das hielten Kritiker im Vorstand nicht für ausgemacht. Schließlich habe das Gremium jetzt ja überhaupt erst beschlossen, Verhandlungen über die Vertragsauflösung aufzunehmen. Da die Verträge eigentlich bis Mai 2017 liefen, sei kaum vorstellbar, dass die „Gorilla“-Leute keinen finanziellen Ausgleich verlangen würden.

Der Vorgang erinnert an Liebings gescheiterten Versuch, den ihm missliebigen CDU-Landesgeschäftsführer Sven Müller zu schassen. Im September 2015 hatte der Parteichef den Landesvorstand in einer Rundmail überraschend wissen lassen, dass man sich bereits in Vertragsauflösungsverhandlungen befinde. Man werde sich trenne. Müller aber nahm sich einen Anwalt. Die CDU muss ihn jetzt bis zum regulären Auslaufen seines Vertrags Ende diesen Jahres auf einem anderen Posten in der Parteizentrale weiterbeschäftigen – und weiter voll bezahlen. Weil parallel dazu der Landtagsabgeordnete Axel Bernstein neuer Landesgeschäftsführer wurde, entstanden der Partei somit schon einmal Mehrkosten von etwa 100 000 Euro.

Unprofessionelle Personalführung warfen viele Christdemokraten Liebing damals vor. Heute warnen einige Mitstreiter, es könne für Liebing schwer werden, dem nächsten Parteitag die neuerliche Mehrausgabe zu erklären. Wolfram Hammer

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