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Krätze im Norden angekommen

Wichtigstes Medikament derzeit nicht lieferbar Krätze im Norden angekommen

Die Krätze ist zurück. Bundesweit schießt die Zahl der Erkrankungen in die Höhe, auch in Schleswig-Holstein. Gestern setzte das Gesundheitsamt des Kreises Stormarn eine Warnmeldung ab. Besonders betroffen seien Einrichtungen mit vielen Menschen: Kindergärten, Schulen und Pflegeheime. Zugleich ist das wichtigste Medikament zur oralen Therapie der Krätze nicht lieferbar. Der Hersteller spricht von produktionsbedingten Schwierigkeiten.

Die Krätzemilbe, ein Spinnentier, das sich in die oberste Hautschicht eingräbt.

Quelle: LN-Archiv

Bad Oldesloe/Lübeck. Die Landesmeldestelle im Institut für Infektionsmedizin am UKSH Kiel registrierte fürs laufende Jahr schon 249 Fälle von Krätze, einer ansteckenden Hautkrankheit – fast sechs Mal so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. Elf Meldungen kommen aus Lübeck, sogar 80 aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg. Stormarn kann noch keine genaue Zahl nennen. Die gemeldeten Fälle seien ohnehin nur die „Spitze des Eisbergs“, sagt Amtsarzt Jörg Günther. Einen besonderen Schwerpunkt habe das Gesundheitsamt nicht ausmachen können. Betroffen seien alle Kommunen in Stormarn. Aus den Kreisen Segeberg und Ostholstein liegen noch keine Meldungen zu Krätze-Erkrankungen vor. Das Meldeverhalten der Kreisgesundheitsämter sei allerdings unterschiedlich ausgeprägt, kritisiert Prof. Helmut Fikenscher, Leiter der Landesmeldestelle. Das Meldewesen etablierte sich erst 2016, angezeigt werden muss Krätze nur, wenn sie in Gemeinschaftseinrichtungen auftritt.

Übertragung

Eine Übertragung von Krätzemilben erfolgt in den meisten Fällen durch einen engen Hautkontakt von mindestens fünf bis zehn Minuten. Ein flüchtiges Händeschütteln ist dabei nicht ausreichend. Bis zu den ersten Zeichen einer Ansteckung können allerdings zwei bis fünf Wochen vergehen. Zwischenzeitlich kann sich die Skabies aber schon weiter verbreiten.

Patienten leiden an einem unstillbaren Juckreiz. Ursache ist ein Befall durch die Krätzemilbe (Foto), ein Spinnentier, das sich in die oberste Hautschicht eingräbt und so die äußerste Hautschicht befällt. „Der Juckreiz entsteht durch eine allergische Reaktion auf Bestandteile der Milbe“, erklärt Günther. Bei verdächtigen Symptomen sollte man sofort zum Arzt gehen.
Echte Erklärungen für die vielen Fälle haben die Experten nicht. Auf einen Mangel an Hygiene sei die Ausbreitung der Krätze jedoch nicht zurückzuführen. Möglicherweise seien veränderte klimatische Bedingungen Schuld, so Günther, wie etwa bei der Zecke.
Übertragen werden Krätzemilben häufig durch engen Hautkontakt von mindestens fünf bis zehn Minuten. Ein flüchtiges Händeschütteln ist dabei nicht ausreichend. Bis zu den ersten Anzeichen einer Ansteckung können zwei bis fünf Wochen vergehen. „Zwischenzeitlich kann sich die Krätze schon weiterverbreiten“, sagt Günther.

Unterdessen ist mit „Scabioral“ von Infectopharm ausgerechnet das wichtigste Medikament für schwere Fälle seit September nicht verfügbar. Nach Hersteller-Angaben wird der Lieferengpass frühestens Anfang Dezember behoben. Als Alternative stehe eine Hautsalbe zur Verfügung, teilt Dr. Thomas Friedrich vom Apothekerverband Schleswig-Holstein mit. Nur wenn Patienten auf diese Behandlung nicht ansprechen, müssten sie auf Scabioral wechseln – und warten. Markus Stöcklin und Curd Tönnemann

Was zu tun ist:

Bei Bestätigung des Milbenbefalls durch eine fachkundige Ärztin oder Arzt müssen ergänzend Umgebungsmaßnahmen zur Beseitigung der Milben in der Wäsche und den sonstigen Gegenständen durchgeführt werden, mit denen eine betroffene Person in Kontakt gekommen ist. Weitergehende Informationen können z. B. auf der Internetseite www.infektionsschutz.de abgerufen werden.

Personen, die im gleichen Haushalt leben oder die häufig einen engen körperlichen Kontakt zur betroffenen Person haben, sollten sich unbedingt vorbeugend  behandeln lassen, um eine Weiterverbreitung der Milbe zu verhindern.

In den betroffenen Einrichtungen kann es vorübergehend notwendig sein, den Besuch durch geeignete Vorsichtsmaßnahmen zu regeln. Diese sollen auf jeden Fall beachtet und eingehalten werden, denn hierdurch wird ein zusätzlicher Schutz für die Bewohner, aber auch für die Besucher und Mitarbeiter in den Einrichtungen angestrebt.

ctö

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