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Norddeutschland Krank? Nur ein Drittel bleibt zu Hause
Nachrichten Norddeutschland Krank? Nur ein Drittel bleibt zu Hause
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21:24 14.11.2016
Lieber aufs Sofa als ins Büro: Firmen wie Brüggen und Dräger möchten, dass erkrankte Mitarbeiter zu Hause bleiben. Quelle: Fotolia
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Lübeck

Die Nase läuft, der Schädel brummt. Für die Mehrheit der Deutschen ist das jedoch kein Grund, zu Hause zu bleiben. Das Verbraucherportal „erkaeltet.info“ hat in einer Umfrage herausgefunden, dass sich 62 Prozent der Bundesbürger trotz Krankheit zur Arbeit schleppen. Der Firma nützt das jedoch herzlich wenig. Im Gegenteil: Es schadet ihr. Zu gering ist die Leistungsfähigkeit, zu hoch das Ansteckungsrisiko für die Kollegen.

„Es schadet der Gesundheit – und es nützt langfristig auch der Firma nicht.“Uwe Polkaehn, DGB

„Wenn man die Keime am Arbeitsplatz weitergibt, kommt es zu zunehmenden Erkältungsraten“, bestätigt der Lübecker Hausarzt Dr. Gerhard Castan. Die Krankheit zu verschleppen, könne gerade bei Patienten mit chronischen Erkrankungen gefährlich sein.

Bei Husten und Niesen mit Auswurf sollte man lieber zum Arzt statt zur Arbeit gehen. „Spätestens jedoch, wenn man Fieber hat“, erklärt Dr. Castan. Man solle auf das gesunde Körperempfinden hören:

„Wenn es einen mit allen Fasern ins Bett zieht, sollte man nicht auf der Arbeitsstelle erscheinen.“

Arbeiten trotz Krankheit: Experten nennen das Phänomen „Präsentismus“. Davon sind in Schleswig-Holstein Frauen häufiger betroffen als Männer. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2016 der Krankenkasse DAK hervor. Gründe sind das Pflichtgefühl, dass Arbeit liegenbliebe und man die Kollegen nicht hängen lassen möchte.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bestätigt den Trend, trotz Krankheit zu arbeiten. „Dahinter steckt oft Angst um den Arbeitsplatz. Arbeitnehmer verzichten auf ein wichtiges Recht, wenn sie krank zur Arbeit gehen“, so Uwe Polkaehn, DGB-Nord-Vorsitzender. „Es schadet ihnen und ihrer Gesundheit – und es nützt langfristig auch der Firma nicht.“

Kranke Angestellte am Arbeitsplatz kosten eine Firma im Schnitt 2400 Euro pro Jahr – rund doppelt so viel wie kranke Mitarbeiter, die zu Hause bleiben, heißt es in einer Studie einer großen Unternehmensberatung. Melanie Kamann, Sprecherin von Dräger, betont, dass dem Unternehmen mehr damit geholfen sei, die Krankheit auszukurieren, als sich zur Arbeit zu schleppen. „Wer krank ist, soll zu Hause bleiben.“ Der betriebsärztliche Dienst unterstützt den Betrieb dabei präventiv, bietet Gesundheitsberatung, Grippeschutzimpfungen und ein Sportprogramm an.

Jasmin Maack, Personalleiterin beim Lübecker Nahrungsmittelunternehmen H. & J. Brüggen, sieht den Arbeitgeber in der Fürsorgepflicht. „Wenn der Gesundheitszustand nicht vertretbar ist, schicken wir die Mitarbeiter nach Hause. Wir freuen uns über den Einsatz, aber wenn Ansteckungsgefahr besteht, geht das nicht.“

Die Industrie- und Handelskammer Lübeck empfiehlt allen Unternehmen, ein betriebliches Gesundheitsmanagement einzuführen. „Das erhöht die Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter“, erklärt Sprecher Can Özren.

 Jan Dresing

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