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Norddeutschland Kreisen und Städten fehlen Konzepte gegen Klimawandel
Nachrichten Norddeutschland Kreisen und Städten fehlen Konzepte gegen Klimawandel
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21:26 14.11.2017
Klimaanpassungsmanager sorgen dafür, dass Städte und Kommunen auf Extremwetterlagen wie Starkregen und Hochwasser vorbereitet sind. Quelle: Fotolia
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Kiel/Lübeck

Kreise, kreisfreie Städte und Kommunen in Schleswig-Holstein beschränken sich im Wesentlichen darauf, mit Einzelmaßnahmen den Kohlendioxidausstoß zu verringern. 

Der große Wurf, um auf Extremwetterlagen wie Starkregen und Hochwasser vorbereitet zu sein, fehlt weitgehend – noch. Auch weil es an finanziellen Mitteln dafür mangele, kritisiert der Landkreistag Schleswig-Holstein. Er fordert mehr Bundesmittel.

Der Meeresspiegel steigt an, die Pegel der Flüsse ebenfalls, Straßen überfluten, Stürme verwüsten das Land: So sieht das Szenario aus, das Klimaforscher angesichts weiterhin hohen Kohlendioxid-Ausstoßes zeichnen. Dabei scheint insbesondere das flache Land zwischen den Meeren in Gefahr. „Doch nur in einigen Kreisen existieren Klimaanpassungsstrategien“, sagt Sönke E. Schulz, geschäftsführender Vorstand des schleswig-holsteinischen Landkreistags. Rund 100 Klimaschutzmanager im Norden beschränkten sich primär auf das Erreichen von Klimaschutzzielen, sagt Schulz. Klimaanpassungsmanager – mit Bundesgeld gefördert – sind dagegen rar gesät.

Eine davon ist Sabrina Guder in der Segeberger Kreisverwaltung. „Zunächst haben wir die Verletzlichkeit des Kreises ermittelt.“ Seit Oktober betreibt Guder die Umsetzung eines Klimaschutzkonzepts. Eines der Ziele: Bauleitplanung auf Extremwetter auszurichten. Segebergs Landrat Jan Peter Schröder sagt: „Die Klimaanpassung ist für uns ein wichtiges Thema. Ich freue mich, dass wir in dieser Hinsicht zu den Vorreitern gehören.“

Die Erkenntnis, handeln zu müssen, sei bei vielen da, sagt Schulz. Da es sich aber um freiwillige Aufgaben handele, müssten Kommunalpolitiker bitte schön dafür werben, das knappe Geld einzusetzen. „Ein weiteres Engagement des Bundes wäre auch erforderlich.“ Schließlich müssten Privathaushalte überzeugt werden, mehr für den Klimaschutz zu tun. Der Städte- und Gemeindetag beschäftigte sich gestern in Rendsburg mit dem Thema.

Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) verweist auf eine Reihe von Anstrengungen der Hansestadt. Unter anderem würden genügend Flächen für Regenwasserversickerung vorgesehen. Zur heute schon regelmäßig über die Ufer tretenden Obertrave sagt Saxe: „Hochwasserrückhaltung wäre nicht nur unverhältnismäßig teuer, sondern würde als technische Einrichtung nicht ins Stadtbild passen.“

Das Land habe sein Konzept für den Küstenschutz bereits angepasst, sagt Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Es verstärke etwa Deiche, damit sie einem Anstieg des Meeresspiegels um 1,50 Meter standhalten, rede mit Verbänden und Kommunen über Hochwasserschutz und Entwässerung. Habeck: „Klimaschutz ist keine Beschäftigungstherapie für eine Wohlstandsgesellschaft, sondern essentiell.“

Von Curd Tönnemann

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