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Norddeutschland Kriminalität sinkt, Unsicherheit bleibt
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22:27 15.03.2018
Kiel

„Die Polizei in Schleswig-Holstein hat in der letzten Zeit die relevanten Schwerpunkte in der Straftatbekämpfung erkannt und reagiert. Trotz geringer Personalressourcen hat sie die verfügbaren Kräfte sinnvoll umgeschichtet. Und das mit Erfolg, wie sich nun zeigt“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Schleswig-Holstein, Thomas Nommensen.

Straftaten im Norden

Lübeck hat unter den Kreisen und kreisfreien Städten die zweithöchste Zahl von Straftaten pro 100000 Einwohner: 10896. Spitzenreiter ist Neumünster mit 12238. In Stormarn liegt sie bei 5603, in Segeberg bei 5838, in Ostholstein bei 6533 und im Herzogtum Lauenburg bei 5212.

Den niedrigsten Wert hat der Kreis Plön: 4258.

Hinzu komme die intensive Aufklärungs- und Informationsarbeit der Polizeidirektionen, erklärte Nommensen. „Im Rahmen von Informationsveranstaltungen zeigen wir Bürgern, wie sie sich vor Einbrüchen schützen können.“ Einbrüche könnten dadurch zwar nicht verhindert werden, „aber die Einbrecher haben es deutlich schwerer.“ Die Zahl der Einbrüche sank laut Statistik um 29,9 Prozent auf gut 5400 Fälle. „Wir gehen davon aus, dass wir die Täter tatsächlich verdrängt haben“, sagte der Leitende Direktor des Landeskriminalamts, Peter Fritzsche. Das gelte insbesondere für reisende Einbrecherbanden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich hingegen skeptisch. Nach ihrer Ansicht handelt es sich bei der Kriminalstatistik um eine Momentaufnahme. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sei „dank hochprofessioneller, aber auch sehr personalintensiver Polizeiarbeit stark zurückgegangen“, sagte der Landesvorsitzende der GdP, Torsten Jäger. Jedoch könnten international agierende Serien- und Bandentäter schnell zurückkehren. Jäger machte außerdem deutlich, dass in Zukunft auch das subjektive Sicherheitsgefühl in der Bewertung der Kriminalitätslage eine wesentliche Rolle spielen müsse.

Darauf weist auch Nommensen hin: Bei Opfern eines Einbruchs steige die Verunsicherung massiv.

Nach Auffassung der GdP sei es richtig, vielfältige Studien und Daten zur Entwicklung der Kriminalität in Schleswig-Holstein heranzuziehen.

Unter den Parteien im Kieler Landtag sorgte die Kriminalstatistik für positive Reaktionen. Kai Dolgner, innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, sagte: „Die Küstenkoalition hinterlässt dem Land die niedrigste Kriminalitätsrate seit 1980.“ Daran müsse sich die konkrete Innenpolitik der Jamaikakoalition messen lassen. Doch nach Dolgners Ansicht lasse das Sicherheitsgefühl der Bürger nach. Heute herrsche viel mehr Angst vor Kriminalität als zu jener Zeit in den 90er Jahren, als die Fallzahlen viel höher lagen. Das lasse sich alleine schon an dem „Trend zur Selbstbewaffnung“

erkennen, der nicht mehr Sicherheit, sondern zusätzliche Gefahrenpotentiale schaffe, sagte Dolgner. „Hier muss im Bereich der echten Kriminalitätsprävention sicher noch eine Schippe draufgelegt werden, auch wenn unsere Polizei in der Prävention bereits gut aufgestellt ist.“

Der polizeipolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Jörg Hansen, betonte: „Bei aller Freude dürfen wir nicht die Kriminalitätsfelder aus dem Blick verlieren, auf denen die Zahl der Delikte leider noch steigt. Gerade im Internet braucht es stärkere Wachsamkeit seitens der Polizei und der Bürger." Dass Schleswig-Holstein heute so sicher sei, ist für den Landesvorsitzenden des SSW, Lars Harms, für sich genommen kein Grund zur Euphorie.„Denn jede Straftat, die begangen wird, ist und bleibt eine zu viel.“ Dennoch sei es wichtig, den Menschen das Gefühl von Sicherheit zurückzugeben.

Fabian Boerger

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