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Kritik an geheimer „Staatsjagd“ bei Bad Segeberg

Hamburg/Kiel Kritik an geheimer „Staatsjagd“ bei Bad Segeberg

Hamburger Wirtschaftsbehörde lud prominente Gäste in den Forst Alt-Erfrade bei Bad Segeberg. Die Grünen üben deutliche Kritik.

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Eine Jagdgesellschaft in Brandenburg. Ob im Forst Alt-Erfrade auch so viele Tiere zur Strecke gebracht wurden, bleibt geheim — ebenso wie die Namen der Teilnehmer.

Quelle: Fotos: dpa

Hamburg. Jagdgesellschaften zu geben, war einst das Privileg der Fürsten. Als „Staatsjagd“ wurde die gemeinsame Hatz der Mächtigen aufs Wild später fortgesetzt, in einigen Bundesländern, in der DDR sowieso. Dann kam sie langsam aus der Mode. Ausgerechnet die sonst so bürgerliche Freie und Hansestadt Hamburg lässt die Sitte wieder aufleben — und das mitten in Schleswig-Holstein.

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Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch blies gestern im Forst Alt-Erfrade zur Senatsjagd.

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Der Forst Alt-Erfrade bei Bad Segeberg gestern Vormittag: 26 geladene Gäste wollen es krachen lassen, ihre Flinten und Büchsen auf Reh, Hirsch, Wildschwein, Fuchs und Waschbär anlegen. Frank Horch, der Wirtschaftssenator des SPD-Senats, begrüßt sie persönlich. Schließlich ist er hier der „oberste Jagdherr“ — das Stück Wald, in dem es dem Wild ans Leder gehen soll, gehört samt Revierförsterei der Hansestadt. Für den Abend hat er im „Immenhof“ im nahen Schackendorf Tische reservieren lassen — man will einen Teil der Strecke gleich vor Ort verzehren.

Daheim in Hamburg sorgt das für Empörung. Die Grünen fahren schweres Geschütz auf, sprechen von „feudaler Brauchtumspflege“. Es müsse sofort Schluss sein mit diesem „Halali, dieser Hatz im Namen der Stadt“, fordert Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan. Nach Protesten der Grünen in den 80ern sei die Veranstaltung für mehrere Jahre abgesagt worden. Dann habe der Senat sie aber anscheinend klammheimlich wieder aufleben lassen.

In der Hamburger Wirtschaftsbehörde wird die Jagd tatsächlich wie eine Staatsaffäre behandelt. Die Gästeliste? „Geheim“, sagt eine Sprecherin und verweist auf die Senatsantwort auf eine Grünen-Anfrage in der Bürgerschaft. „Die Auswahl erfolgt unter dem Gesichtspunkt, dass Kontakte zwischen Wirtschaft und Politik gepflegt werden sollen“, heißt es darin nur. Das sei auch bei Jagden 2011 und 2012 so gewesen. Ach ja: und unter den Jagdgästen habe sich „keine Jägerin“ befunden. Eine „Unterrichtung der Öffentlichkeit“ finde nicht statt. Und die Teilnehmerlisten veröffentliche man nicht, „weil das schutzwürdige Interesse der Teilnehmer überwiegt“. Es gäbe ja heutzutage so viele militante Tierschützer, erklärt die Wirtschaftsbehörden-Sprecherin auf Nachfrage. Der Senator sei im Übrigen gerade nicht zu erreichen. Und auch der „Immenhof“ wurde zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet.

Jens Kerstan hat seine eigene Erklärung für diese Geheimhaltung: Horch wisse offenbar selber ganz genau, dass die Tage gezählt seien, in denen man annahm, Wirtschaftskontakte würden besonders gut gedeihen, „wenn Männer gemeinsam auf Tiere schießen“. Mit zeitgemäßem Politikverständnis habe das wenig zu tun. Auch im Kieler Umweltministerium verfolgt man die Hamburger Jagdveranstaltung mit Kopfschütteln. „Es ist schon seit langem nicht üblich, dass die schleswig-holsteinische Landesregierung förmliche Staatsjagden abhält — wir haben ja auch keinen König“, sagt Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Die jetzige Landesregierung werde daher „nicht auf Kabinettsjagd gehen“. 2005 hatte es tatsächlich einen Versuch gegeben, eine solche Staatsjagd im Land einzuführen. Der damalige CDU-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen — der auch schon Gast auf der Hamburger Jagd gewesen sein soll — hatte 120 Gäste geladen. Es hagelte Proteste von Tierschützern und aus der Politik, auch vom SPD-Koalitionspartner. Carstensen musste die Jagd abblasen.

Qualifikation überprüfen
Aus Tierschutzsicht ist gegen eine Jagd wie die Hamburger nichts einzuwenden, sagt Wolfram Hartwich vom Landestierschutzverband. Es sei besser, an einem Tag mit vielen Jägern — wer immer sie seien — den Wildbestand in notwendigem Maß zu reduzieren, als dass ein einzelner Jäger das Wild an mehreren Tagen in Unruhe versetzt. Allerdings müssten sich alle an die Regeln der naturgerechten Jagd halten. Das sagt auch Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund (Nabu). Es sei bei Staatsjagden schwierig, die Qualifikation der Jäger zu überprüfen.

Wolfram Hammer

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