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18:10 11.08.2018
„Was nützen Familien Fördermöglichkeiten, von denen sie keine Kenntnis erhalten?“Lars Harms SSW-Landtagsabgeordneter
Kiel

In den Kommunen beklagt man im Gegenzug, dass das Land die Richtlinie für die Förderung viel zu kompliziert abgefasst hat. Der SSW-Landtagsabgeordnete Lars Harms fordert nun, dass sowohl Land als auch Kreise und kreisfreie Städte sofort nachbessern.

Es geht um die „Richtlinie zur Förderung von Ferien- und Freizeitmaßnahmen mit Kindern und Jugendlichen“, kurz: Jugendferienwerksrichtlinie. 2011 war die Förderung den Sparmaßnahmen der schwarz-gelben Landesregierung zum Opfer gefallen. 2017 führte die SPD-Grünen-SSW-Landesregierung sie wieder ein. Was seither neu ist: Es werden aus der Gesamtsumme nicht nur Aufenthalte Jugendlicher in klassischen Ferienheimen und von Familien in sogenannten Familienerholungsstätten gefördert, sondern auch ganz normale Urlaube, unabhängig vom Urlaubsort im In- oder Ausland. Einzige Bedingung:

Die Urlaube müssen „kindgerecht“ sein.

Was genau das heißt, sagt die Richtlinie nicht. Nur so viel: Es müsse das gemeinsame Familienerlebnis ersichtlich sein und im Vordergrund stehen. Ein Besuch auf dem Ponyhof? Ein Club-Urlaub mit Kinderbetreuung? Tatsächlich ist ein Link im Internet zu dieser Richtlinie auch die einzige Werbung, die das Land für geförderte Familienurlaube macht. „Auf den Internetseiten der Kreise und Städte gibt es ebenfalls kaum bis gar keine Informationen“, klagt Lars Harms. Offenbar seien die Zuständigkeiten in den einzelnen Verwaltungen auch unterschiedlich geregelt.

Die Folge: Laut der Antwort des Kieler Sozialministeriums auf eine SSW-Anfrage kamen 2017 gerade einmal 39 Familien in den Genuss einer geförderten Urlaubsreise – in Lübeck gar keine. In der Verwaltung der Hansestadt macht man dafür das Land verantwortlich. Die Sache laufe „verhalten, da die Richtlinie den Personenkreis durch zu viele Vorbedingungen stark einschränkt, so dass nur ein kleiner Kreis von Familien überhaupt förderfähig ist“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel.

Das Problem sei längst landesweit bekannt. Man fordere daher „entsprechende Nachbesserung durch das Ministerium“. Vor diesem Hintergrund habe Lübeck auf die Information der breiten Öffentlichkeit bisher verzichtet. „Seit dem Frühjahr 2018 werden Familien, die dem Jugendamt bekannt sind, im Rahmen der Familienhilfen direkt angesprochen und über die Förderung informiert“, sagt Nicole Dorel. Das geschehe zum einen über die Nachbarschaftsbüros, zum anderen lägen entsprechende Anträge in den Schulsekretariaten aus. In Kürze wolle man zudem studierende Eltern über die Fördermöglichkeit informieren.

Tatsächlich sind die Vorschriften komplex. Ein Familienurlaub könne höchstens mit bis zu 65 Prozent der zuwendungsfähigen Gesamtkosten, etwa für Unterkunft und Anreise, gefördert werden, sagt Sozialministeriumssprecher Frank Strutz-Pindor. Pro Person und Tag könne es eine Förderung von 15 Euro geben, für höchstens 14 Tage. Der Urlaub muss mindestens fünf Tage dauern. Als finanzschwach gelten Familien, deren Einkommen 180 Prozent der jeweils aktuellen Sozialhilferegelsätze nicht übersteigt, bei Familien mit drei und mehr Kindern sind es 230 Prozent. Anträge für Urlaub im laufenden Jahr müssen bis zum 31. Oktober bei den Jugendämtern gestellt werden.

„Ich erwarte, dass FDP-Sozialminister Garg, aber auch die Kreise und kreisfreien Städte hier deutlich nachbessern“, sagt auch Lars Harms. Denn was nützten den Familien Fördermöglichkeiten, von denen sie keine Kenntnis erhalten, fragt der SSW-Politiker. Rund ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland lebten in Haushalten, die sich keinen gemeinsamen Urlaub leisten können. Da schmerze es, dass viele Kinder im Norden ihre Ferien trotz der Fördermöglichkeiten zu Hause verbringen müssten.

Von Wolfram Hammer

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