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Norddeutschland Landgericht verurteilt Deilmann-Zwillinge zu knapp drei Jahren Haft
Nachrichten Norddeutschland Landgericht verurteilt Deilmann-Zwillinge zu knapp drei Jahren Haft
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11:26 17.06.2016
Die Zwillinge haben sich nach Auffassung der Kammer unter Vorsitz von Richter Jörg Beer des Bankrotts, der falschen eidesstattlichen Versicherung und der versuchten Steuerhinterziehung schuldig gemacht. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen/Archiv
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Lübeck

Die Wirtschaftsstrafkammer des Lübecker Landgerichts hat Gisa und Hedda Deilmann, Ex-Geschäftsführerinnen der ehemaligen Reederei in Neustadt (Kreis Ostholstein), am Donnerstag zu Freiheitsstrafen von je zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Die Zwillinge haben sich nach Auffassung der Kammer unter Vorsitz von Richter Jörg Beer des Bankrotts, der falschen eidesstattlichen Versicherung und der versuchten Steuerhinterziehung schuldig gemacht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Revision ist möglich. Das teilte Landgerichtssprecher Stephan Bahlmann auf Anfrage mit.

Falls das Urteil im Revisionsverfahren Bestand haben sollte, müssten Gisa und Hedda Deilmann ins Gefängnis. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft drehten sich im Kern darum, dass Erbteile der Geschwister noch vor einem Insolvenzantrag auf andere Familienmitglieder überschrieben worden sein sollen. So sicherte ein Treuhandvertrag, abgeschlossen 2008, Hedda Deilmann über ein Konto ihrer Mutter 742 000 Euro zu.

Der Hausnotar, der die entsprechenden Papiere für die Familie ausfertigte, wurde ebenfalls verurteilt. Die Strafe von einem Jahr und neun Monaten wegen versuchter Steuerhinterziehung wird zur Bewährung ausgesetzt. Dieses Strafmaß hielt die Sechste Große Strafkammer auch für die Mutter der Deilmann-Zwillinge für angemessen. Sie beteuerte vor Gericht: „Ich wusste nicht, was ich damals unterzeichnete. Ich unterschrieb ständig irgendwelche Papiere.“ Von Geschäften habe sie seinerzeit keine Ahnung gehabt.

Blass und vom Prozessverlauf deutlich gekennzeichnet hatten die Deilmann-Zwillinge den Prozess auf der Anklagebank verfolgt, häufig mit gesenktem Kopf. Das Wort am dritten und letzten Verhandlungstag hatten über weite Strecken die Verteidiger geführt. Friedrich Bergmann, Rechtsbeistand von Hedda Deilmann, hielt dem Gericht vor, die wirkliche Höhe des Erbes Peter Deilmanns für ein mögliches Strafmaß zu ignorieren. Die Reederei sei zum Zeitpunkt des Todes von Peter Deilmann bereits „deutlich überschuldet“ gewesen. Von errechneten Vermögenswerten in Höhe von über 30 Millionen Euro sei de facto nichts mehr dagewesen.

Die Verteidigung scheiterte mit einer Reihe von Beweisanträgen genauso wie mit einem späten Versuch, einen Vergleich anzustreben. Richter Beer erklärte, dass diese Chance bereits einmal vertan worden sei. Die Vorwürfe von Staatsanwältin Claudia Wilking reichten teilweise bis ins Jahr 2004 zurück. Das war die Zeit, in der die beiden Deilmann-Töchter Gisa und Hedda die Leitung der Neustädter Reederei übernehmen mussten. Ihr Vater, Firmengründer Peter Deilmann, war Ende 2003 überraschend früh gestorben.

Von Curd Tönnemann

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