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Landwirte ernten mehr Spargel

Kirchdorf/Hoya Landwirte ernten mehr Spargel

Betriebe setzen auf Spezialisierung – Steigende Kosten bereiten Probleme.

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Kirchdorf/Hoya. . Durch Zufall stieg Heinrich Thiermann in den frühen 1970er Jahren in den Spargelanbau ein: Der Landwirt aus dem niedersächsischen Kirchdorf übernahm von der Witwe eines verunglückten Nachbarn die drei Hektar große Anbaufläche für das Edelgemüse. Mit dem Spargel fuhr er nach Bremen zum Großmarkt, Hausfrauen arbeiteten in dem Betrieb mit. Heute erntet der Betrieb in Niedersachsen auf 500 Hektar Spargel und beschäftigt in der Spitze um die 1500 Arbeitskräfte. Weitere Standorte des Unternehmens sind in Brandenburg. Der Betrieb ist hoch spezialisiert. „Entweder geht man mit der Zeit, oder du gehst mit der Zeit“, sagt der Unternehmenschef.

Betriebe, die früher hinter dem Haus einen Hektar Fläche bewirtschaftet haben, gibt es fast nicht mehr. „Die Spargelbetriebe haben sich meistens zu größeren Sonderkulturbetrieben gemausert, die mit Folgeprodukten wie Erdbeere oder Heidelbeere ihre Saison verlängern“, sagt Nils Kraushaar, Fachberater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Die Gründe seien meist wirtschaftliche, erklärt Walter Dirksmeyer vom Thünen-Institut in Braunschweig. Erst ab einer bestimmten Größe lohnen sich Spezialmaschinen. Betriebe, die sie einsetzen können, stehen besser da als die, die das nicht können. Allerdings wächst mit der Größe auch der Aufwand: Hunderte Erntehelfer müssen eingesetzt werden, sie müssen untergebracht und zu den Feldern transportiert und wieder zurückgeholt werden. „Das ist logistisch aufwendig, und man braucht entsprechendes Know-how“, sagt Dirksmeyer.

Die Spezialisierung führt zu Wachstum: 2016 wurden in Deutschland gut 120000 Tonnen Spargel geerntet – ein Rekordwert. Die Deutschen lieben ihren regional angebauten weißen Spargel. In den vergangenen 15 Jahren stieg die Erntemenge durchschnittlich um vier Prozent pro Jahr. Erste Prognosen gehen auch für dieses Jahr von einem leichten Wachstum bei der geernteten Menge aus.

Im Moment stehen also die Zeichen noch auf Wachstum. Aber muss das immer so bleiben? Könnte es nicht sein, dass sich die Verbraucher irgendwann am Spargel sattgegessen haben? „Das Risiko ist da“, sagt Agrarökonom Dirksmeyer. Aber Spargel erlebe seit Jahren Zuwächse. „Irgendwann wird man sicher ein Plateau erreichen, wo die Nachfrage nach deutschem Spargel annähernd gesättigt ist.“ Dann werde es sicherlich zu einer Marktbereinigung kommen. „Das scheint mir im Moment noch nicht der Fall zu sein“, sagt Dirksmeyer.

Praktiker wie der Geschäftsführer der Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen, Fred Eickhorst, sehen auch keinen Generationenbruch bei den Spargelkonsumenten. Dank Spargelschälmaschinen können die Verbraucher bereits geschälten Spargel kaufen. „Einfacher kann man kein Gemüse zubereiten – einfach in den Topf und kochen“, sagt Eickhorst. Das komme auch bei den jüngeren Kunden an, die dank Fernsehkochshows auch neue Rezepte ausprobieren wollten.

Dennoch macht den Spargelbauern eine Entwicklung Sorgen: Die Kosten steigen, auch wegen des Mindestlohns, den sie für die Erntehelfer zahlen müssen. Aber die Erlöse kämen nicht hinterher, sagt Hans Lehar, Geschäftsführer der Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden. Die Kosten stiegen jedes Jahr um zehn bis 15 Prozent. Folgen könnten sein, dass die Betriebe Flächen stilllegen. „Spargel ist ein sehr lohnintensives Gemüse“, sagt Lehar. Die Mehrkosten müsse der Betrieb auffangen. „Das geht an die Substanz. Das muss jeder selber durchkalkulieren, wie lange er das durchhält.“

LN

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