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Landwirte müssen mit Ernteeinbußen rechnen

Lübeck Landwirte müssen mit Ernteeinbußen rechnen

Statistikamt hat Prognose nach unten korrigiert – Erträge von Raps und Gerste bleiben zum Teil deutlich hinter den Erwartungen zurück – Getreidepreise sind niedrig.

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„Bisher sind die Erträge nicht überzeugend. Dazu kommen noch niedrige Preise – das ist eine ungute Kombination.“ Kirsten Hess, Bauernverband

Lübeck/Rendsburg. Schwere Zeiten für Landwirte: Nach dem Verfall des Schweinepreises und der Milchpreiskrise müssen sie sich jetzt auch noch auf dramatische Ernteeinbußen gefasst machen. Nach einer ersten Schätzung des Statistikamtes Nord wird die Erntemenge von Getreide in Schleswig-Holstein bei etwa 2,7 Millionen Tonnen liegen. Das sind acht Prozent weniger als im Vorjahr. Einzelne Kreise melden gar Einbußen bei Raps und Gerste von 20 und 30 Prozent. „Insgesamt bleiben die Druschergebnisse bei Gerste und Raps hinter den Erwartungen zurück“, heißt es bei der Landwirtschaftskammer. Es seien allenfalls durchschnittliche Getreide- und Rapserträge zu erwarten.

„Bisher sind die Erträge nicht überzeugend“, berichtet Kirsten Hess vom Bauernverband in Rendsburg. Schuld sei in vielen Fällen das Wetter. Das kalte Frühjahr und Kohlschotenmücken hätten dem Raps zugesetzt, der Gerste hätten der trockene Mai und zuletzt die großen Niederschläge geschadet. „Dadurch sind die Ähren abgeknickt und für die Ernte verloren“, so Hess. Auch der Weizen hätte in der letzten Abreifphase noch mehr Sonne haben können. „Zu den schlechten Erträgen kommen dann noch niedrige Preise. Das ist eine ungute Kombination“, sagt Hess.

„Die Raps- und Getreidepreise sind derzeit niedriger als im Vorjahr“, berichtet Daniela Rixen, Sprecherin der Landwirtschaftskammer. Grund dafür sei die weltweit gute Versorgungslage. In den vergangenen zwei Jahren waren auch im Norden Rekorderträge erreicht worden. In diesem Jahr müssen sich die Ackerbauern auf weniger Einkommen einstellen. Die Situation sei nicht unproblematisch, meint ein Insider. Das könne für einige schon finanziell bedrohlich werden.

Zuvor hatte bereits der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) in seiner Ernteschätzung für Juli nur noch von einer durchschnittlichen Getreideernte in Höhe von knapp 47,5 Millionen Tonnen gesprochen. Das erwartete Ergebnis für Deutschland liegt leicht unter dem Wert des Vormonats (48 Millionen Tonnen). Damit wird das Vorjahresergebnis um 2,7 Prozent unterschritten. Europaweit wird erneut eine mengenmäßig insgesamt überdurchschnittliche Getreideernte erwartet, so der DRV. Jedoch würde in Teilen Europas die Sorge um die Qualitäten wachsen, insbesondere in Frankreich. Dort hätten Experten die Erwartungen weiter nach unten korrigiert. Eine schwächere französische Weizenernte könnte die Chancen Deutschlands beim Export nach Nordafrika verbessern, teilte der Raiffeisenverband mit. Mit Spannung blicken die Genossenschaften jetzt auf die Weizenernte.

In der Tendenz hat die Getreide- und Rapsernte nach Angaben der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein rund ein bis zwei Wochen früher begonnen als im Vorjahr. Allerdings sei sie – regional unterschiedlich – immer wieder von Regen unterbrochen worden, so Rixen. Im Juli sei deutlich mehr Regen gefallen als im Vergleichsmonat des Vorjahres.

In Schleswig-Holstein wird auf 185 000 Hektar Winterweizen angebaut. Das sind 25 Prozent der Ackerfläche. Auf 15 Prozent stehen Raps, auf zehn Prozent Gerste. Der Weizen macht zwei Drittel der gesamten Getreideernte aus. Erwartet wird laut Statistikamt eine Ernte von 1,7 Millionen Tonnen – zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Während die Ernte in Süddeutschland bereits in vollem Gange ist, werden die meisten Mähdrescher in Norddeutschland vermutlich in den nächsten sieben bis zehn Tagen starten. „Da wünschen wir uns gute Erntebedingungen“, so Hess. Hauptsache, es bleibt trocken.

Julia Paulat

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