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Langes Warten auf die Koffer: Passagiere in Hamburg genervt

Hamburg Langes Warten auf die Koffer: Passagiere in Hamburg genervt

Hochbetrieb und hoher Krankenstand führen in Fuhlsbüttel zu Problemen.

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Fluggäste warten nach ihrer Landung im Ankunftsbereich des Hamburger Airports an den Gepäckbändern auf ihre Koffer.

Quelle: Foto: Christian Charisius/dpa

Hamburg. Chaos am Hamburger Flughafen: Bis zu drei Stunden mussten Passagiere am vergangenen Wochenende auf ihr Gepäck warten – wenn sie es denn überhaupt in Empfang nehmen konnten. Eine Maschine der Budget- Fluglinie Vueling brachte die Koffer und Taschen ihrer Passagiere sogar wieder zurück nach Barcelona, weil sie im vorgesehenen Zeitfenster nicht entladen werden konnte. Auf der Facebook-Seite des Airports äußerten sich die Reisenden empört über die langen Wartezeiten. „So was Unfähiges hab’ ich lange nicht mehr erlebt!“, schreibt ein Familienvater.

Rechte der Fluggäste

Beim Verlust von Gepäck sollten Reisende den Schaden unverzüglich bei der nächsten Gepäckvermittlung am Flughafen und der Airline melden. Dafür haben Fluggäste sieben Tage Zeit. Danach können sie einen Noteinkauf tätigen. Auf Grundlage des Montrealer Übereinkommens können Fluggesellschaften verspätete oder verlorene Koffer mit bis zu 1350 Euro pro Passagier erstatten.

„Das ist in Hamburg seit Jahren ein Problem“, kritisiert ein anderer Fluggast. „Unfassbare drei Stunden warten aufs Gepäck“, schreibt eine Frau. Mehrere Reisende kündigen an, in Zukunft nur noch ab Hannover fliegen zu wollen.

Mit „Hochbetrieb und einem hohen Krankenstand bei den Mitarbeitern“ begründet Flughafen- Sprecherin Janet Niemeyer die langen Wartezeiten. „Sie kamen einfach nicht mehr hinterher.“ Der Flughafen will nun mehr Arbeitskräfte einstellen – das Potenzial sei aber begrenzt. Die Männer müssten harte körperliche Arbeit leisten und wegen der Arbeit auf dem Flughafen-Vorfeld auch eine Sicherheitsüberprüfung bestehen. Dazu gehöre, seit zehn Jahren straffrei in Deutschland zu leben.

Der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg sieht auch die Fluggesellschaften in der Verantwortung für die Probleme beim Fluggepäck. „Billig-Fluglinien und klassische Airlines verhalten sich hier gleich und verlangen bei jeder neuen Vertragsverhandlung niedrigere Preisen von den Dienstleistern“, sagte er. „Auf der anderen Seite nehmen sie den Passagieren Geld für die Beförderung des Gepäcks ab und geben damit auch ein Qualitätsversprechen.“ Denn auf dem Vorfeld konkurrierten mehrere Unternehmen um die Bodendienste und würden von den Airlines gegeneinander ausgespielt. „Die Airlines müssten die Spirale nach unten auflösen und dieser logistischen Dienstleistung mehr Wertschätzung entgegenbringen“, forderte Schellenberg.

Ein weiteres Problem auf den deutschen Flughäfen: die Koffer gehen komplett verloren. Im weltweiten Vergleich kommt es in Europa besonders häufig zu Gepäckverlusten, zeigt eine Studie des belgischen Lufttransport-IT-Unternehmens SITA. Waren es 2015 noch 7,8 verlorene Koffer pro 1000 Passagiere, kletterte die Zahl im vergangenen Jahr auf 8,1. Wesentlich besser sieht es in Nordamerika (2,7

Koffer) und in Asien (1,8 Koffer) aus. „Der höhere Wert in Europa liegt vor allem an den vielen Umstiegen an den Drehkreuzen“, sagt SITA-Manager Peter Drummond. Ein weiterer Grund seien die vielen Terminals, die im Vergleich zu Asien über keine modernen Gepäcksysteme verfügten. Zugleich betont er aber, vor zehn Jahren verschwanden noch doppelt so viele Koffer: 2007 wurden demnach 16,6

verlorene Koffer auf 1000 Fluggäste gezählt.

Die Gewerkschaft Verdi, die die Arbeiter am Boden vertritt, sieht die Fluggesellschaften in der Verantwortung: „Seit der Markteröffnung durch die EU-Kommission drücken die Airlines permanent die Preise weiter nach unten“, kritisiert die Tarifsekretärin für Luftverkehr beim Verdi-Bundesvorstand, Katharina Wesenick. Der Preisverfall habe innerhalb der vergangenen fünf bis zehn Jahre bei bis zu 30 Prozent gelegen. Das habe zur Folge, dass Arbeiter fehlen oder unzureichend qualifiziert sind.

LN

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