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Norddeutschland Lehrer helfen bei der Fahndung
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21:11 18.12.2017
Das Landeskriminalamt (LKA) in Kiel sucht nach sieben Kindern, von denen pornographisches Bildmaterial in Umlauf ist.  Quelle: Pleul/dpa
Kiel

„Wir kennen die Fotos der missbrauchten Kinder, wissen aber nicht, wo sie wohnen und wie sie heißen.“ Klar sei nur, dass es sich um Kinder handele, die wohl älter als sechs und jünger als zehn Jahre alt sind. Mindestens einer der Fälle spiele in Schleswig-Holstein. Gefahndet werde in allen Regionen, auch an 42 dänischen Schulen.

Ohne Folgen

Ein evangelischer Pfarrer im Ruhestand, der vor rund 30 Jahren in Ahrensburg sexuelle Übergriffe gegenüber volljährigen Jugendlichen begangen haben soll, darf seine Pensionsbezüge behalten. Das entschied jetzt das Disziplinargericht der Nordkirche. Grund sei die lange Dauer des Verfahrens.

Laut Kieler Bildungsministerium werden den Lehrern nur unverfängliche Fotos der Kinder vorgelegt, die keine sexuellen Handlungen zeigen. „Zunächst erhalten nur die Schulleiter die Bilddateien“, erklärt Ministeriumssprecher Thomas Schunck. Erst wenn ein konkreter Verdacht bestehe, werde der Klassenlehrer hinzugezogen. „So ist sichergestellt, dass nicht mehr Personen die Gesichter der Opfer kennen als unbedingt notwendig.“

Bis zum 19. Januar sollen sich die Schulen beim LKA zurückmelden. Die Kripo hofft, die Opfer zu identifizieren und die Täter zu finden. Aktuelle Missbräuche könnten dann gestoppt werden, glaubt Ermittler Torsten Heine, Leiter der Ansprechstelle Kinderpornografie beim LKA. „Aufgrund der Schulpflicht in Deutschland gehen wir davon aus, dass es irgendwo im Land einen Lehrer oder eine Lehrerin gibt, die eines der abgebildeten Kinder erkennt.“

Laut Heine stammen die Hinweise teils aus den USA von dort ansässigen Providern. Anderes Material wurde auf Festplatten einschlägiger Täter gefunden. „Mit VHS-Kassetten oder Schmuddelheftchen haben wir es nicht mehr zu tun.“ Die Fahndung läuft, gesteuert vom Bundeskriminalamt (BKA), auch in anderen Bundesländern.

Bereits seit 2012 arbeiten LKA und Schulverwaltung regelmäßig in Sachen Kinderpornographie-Fahndung zusammen. „Wir machen das zweimal im Jahr“, informiert Carola Jeschke. Zuletzt konnte im Sommer in Lübeck ein inzwischen erwachsenes Opfer ermittelt werden. Der Stiefvater steht im Verdacht, die Frau als Minderjährige missbraucht zu haben.

„Für die Lehrer ist es natürlich eine extrem belastende Situation“, meint Bernd Schauer, Geschäftsführer der Erziehungs-Gewerkschaft GEW. „Wenn ein Lehrer den Verdacht hat: Mensch, das ist ein Kind aus meiner Klasse, dann wird der schwere Umgang damit einem nicht abgenommen.“ Dies halte er jedoch für unumgänglich, so Schauer. „Es handelt sich schließlich um allerschwerste Straftaten.“

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte, sie sei den Lehrkräften sehr dankbar, dass Sie „verantwortungsbewusst und immer mit dem sensiblen Blick auf den Datenschutz helfen, Sexualstraftäter aufzuspüren.“ Davor habe sie Respekt. „Sie helfen, den Spielraum für Täter enger zu machen. Das ist notwendig und gut so.“

Von Marcus Stöcklin

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