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Norddeutschland Lehrerbedarf: „Ministerium im Blindflug“
Nachrichten Norddeutschland Lehrerbedarf: „Ministerium im Blindflug“
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20:18 21.09.2013

Schleswig-Holsteins Schulen droht Lehrermangel. Schon jetzt finden Gemeinschaftsschulen und Förderzentren nicht genug Nachwuchskräfte. Noch im Frühjahr im Bildungsausschuss hatte Bildungsministerin Wara Wende die Vorlage einer Bedarfsprognose zugesagt. Jetzt kommt heraus: Wie viele Lehrer das Land wann, wo und mit welchen Fächerkombinationen braucht, darüber weiß das Kieler Bildungsministerium nicht viel.

„Eine zahlenmäßige Ermittlung des künftigen Fachbedarfs ist aus den vorliegenden Daten seriös nicht ermittelbar, da der Einsatzumfang einzelner Lehrkräfte nach Fächern nicht bekannt ist“, heißt es in der Antwort des Ministeriums auf eine Piraten-Anfrage. Die Fraktion wollte wissen, wie hoch die Landesregierung den Einstellungsbedarf an Lehrern einschätzt.

„Kurz gesagt: Das Bildungsministerium steuert die Schulen des Landes im Blindflug in den Lehrermangel“, sagt der Piraten-Abgeordnete Uli König. Kiel müsse die Daten sofort ermitteln. 14 von 16 Bundesländern hätten bereits eine Lehrerbedarfsprognose, wie Wende sie im Frühjahr im Bildungsausschuss zugesagt habe. Hamburg zum Beispiel habe aufgrund seiner Zahlen auf dem immer ausgedünnteren Markt vorsorglich schon mal Lehrer eingestellt, Hessen werbe massiv um junge Studienabsolventen. Schleswig-Holstein verfüge noch nicht mal über ein Konzept, könne Studenten nicht raten, welches Fach für welche Schulart sie am besten studieren sollten, um ihre Einstellungsaussichten zu verbessern. Auch zusätzliche Bedarfe, zum Beispiel der an Sonderschullehrern durch die von der Regierung vorangetriebene Inklusion, seien noch nirgendwo in der Planung berücksichtigt.

Im Gegenteil: Die Zahl der Absolventen des Sonderschullehrerstudiums ist in den vergangenen Jahren sogar gesunken — diese Zahlen hat man im Ministerium —, von 91 im Jahr 2008 auf 77 im Jahr 2012.

Dabei droht an allen Schulen eine große Pensionierungswelle. 3563 der 26 088 Lehrerinnen und Lehrer (das sind 13,7 Prozent) sind 60 Jahre alt oder älter. Welche Fächer die baldigen Pensionäre unterrichten, weiß man allerdings auch nicht, „da dies mangels schulorganisatorischer Notwendigkeit weder erfasst wird noch bereits heute beurteilt werden kann“, so das Ministerium. Bekannt hingegen:

8,5 Prozent aller Lehrer unterrichten gar nicht, sondern arbeiten zum Beispiel im Ministerium, an der Universität oder im IQSH in der Aus- und Weiterbildung. Die Zahl der Lehrerstellen im Land soll von heute 22 610 auf 21 150 im Jahr 2017 sinken. Die Kopfzahl ist höher, weil 41,4 Prozent aller Lehrer in Teilzeit arbeiten, in der Grundschule sind es allein 55,7 Prozent.

W.Hammer

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