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„Leinen los!“ für Nordeuropas größtes Sommerfest

Kieler Woche „Leinen los!“ für Nordeuropas größtes Sommerfest

Drei Millionen Gäste aus aller Welt werden zur Kieler Woche erwartet. Lange vor dem Start ist die Stadt bereits voller Menschen. Nur einer fehlt in diesem Jahr.

Besucher der Kieler Woche gehen am 17.06.2017 an der Förde in Kiel (Schleswig-Holstein entlang. Bei dem laut Veranstaltern größten Segelfest der Welt werden in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt rund drei Millionen Besucher erwartet.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Weit vor ihrem offiziellen Beginn ist Kiels fünfte Jahreszeit in vollem Gange. Tausende Besucher bummeln am Samstag durch die Innenstadt, genießen am Förde-Ufer das freundliche Wetter oder sind auf einem der zahlreichen Boote auf dem Wasser unterwegs. „Das Wetter spielt mit, der Wind spielt mit für die Segler, bisher läuft alles bestens“, sagt Stadtsprecher Arne Gloy. Bis kommenden Sonntag werden rund drei Millionen Menschen auf dem laut Veranstaltern größten Sommerfest Nordeuropas erwartet.

Der Eröffnungsabend sei immer etwas Besonderes, sagt Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). „Seit vor 135 Jahren die Kieler Woche von einigen Marineoffizieren erfunden wurde, hat sie sich zu einer unglaublichen Erfolgsgeschichte entwickelt, auf die wir alle sehr stolz sein können.“ Das Fest verschaffe der Stadt weltweite Bekanntheit, „die uns an all den anderen Tagen im Jahr sehr viele Türen öffnet“.

Einiges ist in diesem Jahr aber anders. Zum einen fehlt bei der offiziellen Eröffnung auf dem Rathausplatz der Ministerpräsident. CDU-Mann Daniel Günther muss Ende Juni erst noch von seinem „Jamaika“-Bündnis gewählt werden. Der bis dahin amtierende Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat abgesagt - aus Respekt vor den Wählern. Letztmals nahm laut Stadt 1989 kein Ministerpräsident an der Eröffnung teil. Sie besteht aus dem dröhnenden Typhonsignal lang-kurz-kurz-lang („Leinen los!“) und dem traditionellen Glasen einer Schiffsglocke. Den MP-Ersatzmann gibt Showmaster Kai Pflaume.

Die andere Änderung betrifft das Bild der Festwoche. Mit einem verschärften Sicherheitskonzept wollen Veranstalter und Polizei angesichts einer anhaltend erhöhten Terrorwarnstufe die Sicherheit der Kieler-Woche-Bummler gewährleisten. Rund 50 Prozent mehr Polizisten sind im Einsatz. Weithin sichtbar sind die mit großen Sandsäcken gesicherten Kontrollpunkte rund um die Innenstadt.

Lastwagen mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht dürfen während der Hauptveranstaltungszeiten nicht in die Innenstadt. Besucher, die mit dem Auto anreisen, stehen am Samstagnachmittag in der stark befahrenen Kaistraße im Stau. Beamte haben dort den Verkehr auf eine Spur verengt, nehmen größere Fahrzeuge in Augenschein.

Nach den Terroranschlägen von Berlin und Nizza will die Polizei den Straßenverkehr in der Innenstadt verlangsamen. Mit dem Auftakt der Festwoche ist die Polizei zufrieden. „Im Vergleich zum vergangenen Jahr läuft bislang alles ruhig und friedlich“, sagt Polizeisprecher Matthias Arends. Bereits zum Soundcheck am Freitagabend sei die Stadt „stark besucht“ gewesen.

Bis zum 25. Juni stehen mehr als 2000 Programmpunkte auf der Agenda - natürlich auch auf dem Wasser. Für die Wettkämpfe des selbsternannten „Wimbledon des Segelns“ haben 3500 Sportler aus mehr als 50 Ländern mit 1500 Booten gemeldet. Neben dem traditionellen Regatta-Programm werden vor Kiel in diesem Jahr auch die Weltmeisterschaften im paralympischen Segeln ausgetragen.

Vor allem abends geht es auf den rund einem Dutzend Bühnen in der Innenstadt und am Wasser zur Sache. Zu den Stargästen der meist kostenlosen Konzerte gehören der Popmusiker Laith Al-Deen und die ehemalige „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Darstellerin und Sängerin Yvonne Catterfeld.

Einer der ersten Höhepunkte ist die Verleihung des Weltwirtschaftlichen Preises unter anderem an Alt-Bundespräsident Horst Köhler am Sonntag.

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