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Norddeutschland Leinen los bei erzogenen Hunden?
Nachrichten Norddeutschland Leinen los bei erzogenen Hunden?
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10:16 17.01.2016
Terrier-Mix „Jerry“ (4) von Hundetrainerin Dagmar Bischoff ist gut erzogen. Trotzdem darf er im Wald nicht frei herumlaufen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Freilaufende Hunde haben in der Wakenitzniederung einen Frischling totgebissen. Auch eine Schafherde wurde von zwei Hunden am Dummersdorfer Ufer angegriffen und Rehe durch den Wald gehetzt (die LN berichteten). Jäger schimpfen, dass das Waldgesetz Schleswig-Holsteins, das eine Leinenpflicht für Hunde vorschreibt, oft missachtet werde. In Lübeck ist die Diskussion um Leinenzwang und vor allem das Verhalten von Hund und Herrchen neu entbrannt.

Besitzer schätzen oft Situationen mit ihren frei herumtollenden Vierbeinern falsch ein. Das glaubt Hundetrainerin Dagmar Bischoff. Sie trainiert täglich das Miteinander zwischen Mensch und Tier. Wenn Besitzer ihren Liebling nicht im Griff haben und trotzdem frei lassen, ärgert sie das. „Das geht gar nicht. Die Hunde müssen verlässlich abrufbar sein, wenn sie frei herumlaufen“, sagt die Inhaberin der Lübecker Hundeschule Canilufa. Besonders im Wald wird die Erziehung auf eine harte Probe gestellt. „Jeder Hund hat eine jagdliche Motivation. Man kann sie eingrenzen, kontrollieren oder auch fördern“, erklärt die 47-Jährige.

„In jedem Hund steckt der Jagdinstinkt, das hat nichts mit Erziehung zu tun“, meint Amely Döhler (69), die Rauhaardackel „Anton“ (8) an der Leine führt. Sie betont: „Im Wald gehört der Hund angeleint.“ Silvia Andersson (56), Besitzerin von Setterhündin „Emma“ (9), findet allerdings, dass ein bisschen Freiheit für die Hunde auch sein muss. Jeder müsse das für sich selbst entscheiden, meint Julia (17) aus Lübeck. Ihr Riesenschnauzer „Emma“ darf frei herumlaufen, weil sie höchstens hinter einem Eichhörnchen herläuft und gut auf Kommandos hört. „Da macht es keinen Sinn, sie an die Leine zu nehmen.“ Dagmar Bischoff ist es wichtig, dass Besitzer schnell auf Situationen reagieren können. „Der Mensch ist gefordert, erste Anzeichen zu erkennen und die Körpersprache des Hundes zu deuten.“

Die Regeln besagen zwar, dass im Land Leinenzwang im Wald, in Fußgängerzonen, Einkaufsstraßen, bei größeren Menschenansammlungen sowie in Park-, Garten- und Grünanlagen herrscht. Aber kaum einer hält sich dran. Auch Bischoff weiß, dass viele unvernünftig sind, weil sie ihrem Hund vertrauen. Sie rät deshalb jedem Hundebesitzer den Gang in die Hundeschule. „Die Menschen haben ein tiefes, emotionales und subjektives Empfinden in Sachen Erziehung ihrer Hunde. Da ist es gut, wenn jemand von außen eine Einschätzung geben und helfen kann. Oft herrscht auch Unwissenheit über das Hundeverhalten“, so Bischoff, die mit ihren Gruppen nicht auf Hundeplätzen, sondern im „richtigen Leben“ übt.

Peggy Bromann (46) ist eine „Schülerin“ von Bischoff. Sie führt ihren Mischling „Max“ im Wald lieber an einer langen Schleppleine. „Mir ist das zu riskant“, weiß sie ihren Liebling gut einzuschätzen. Falls der Rüde nicht hört, kann sie einschreiten. Auch Harri Zelazkos (61) Malteser „Xelina“ (3) hört noch nicht gut auf sein Herrchen. „Ich habe Angst, dass sie wegläuft.“ Er wünscht sich eine generelle Leinenpflicht. „Das ist ein Schutz für andere Leute“, sagt er.

Die Erziehung beginnt schon im Welpenalter. Ab der achten Woche werden erste Einheiten wie der Rückruf auf spielerischem Niveau trainiert. Als Junghund werden Kommandos wie Sitz, Platz, Bleib und der Rückruf mit Hand- oder Hörzeichen verinnerlicht — zunächst an der Leine, dem verlängertem Arm des Besitzers. Dann an der Schleppleine und irgendwann ohne. Die Erziehung kann jahrelang dauern. „Übung macht den Meister“, so Bischoff. Schwer erziehbare Hunde gibt es für sie nicht. „Entscheidend ist die Persönlichkeit des Menschen.“

Übergriffe auf Wild wie der in der Wakenitzniederung passieren mal, sagt Bischoff. Doch sie betont, dass das Ausnahmen sind und „der Großteil der Hundebesitzer toll mit seinen Hunden umgeht“.

So sehen es die LN-Leser
Wir haben unsere Hunde angemeldet, zahlen Steuern und Versicherung, halten gesetzliche Vorgaben ein, nehmen die Hinterlassenschaften auf und werden trotzdem oft schief angeguckt oder mit dummen Sprüchen bedacht. Hannelore Brandt, Lübeck


Ich denke, es ist einfach Faulheit, wenn der Besitzer seinen Hund nicht anleint, denn dann kann der Hund laufen und der Besitzer hat seine Ruhe.

Iris Weinert, Neustadt


Ich habe zwei Hunde und kann es nicht leiden, wenn andere Hundehalter einfach ihre Hunde ableinen und zu meinen angeleinten laufen lassen. Annette Zimmermann, via Facebook




Nicht die Hunde sind das Problem, sondern die Herrchen.

Ech Kater, via Facebook


Das verschärft das Miteinander zwischen den Hundehaltern, aber auch zu den Nicht-Hundebesitzern.
Maren Buchholz, via Facebook



Der „Täter“ ist immer am anderen Ende der Leine.

Monika Runge, via Facebook

Beke Zill

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