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Norddeutschland Lichtstarker Lotse in der Neustädter Bucht
Nachrichten Norddeutschland Lichtstarker Lotse in der Neustädter Bucht
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18:10 18.08.2018
Lara Feuersenger (17) wechselt im Laternenraum des Leuchtturms Pelzerhaken eine Halogenlampe aus. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
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Pelzerhaken

„Jeder Leuchtturm hat seine ganz eigene Geschichte“, sagt Henning Dierken, Leiter des WSA Lübeck. Er muss es wissen, denn das WSA Lübeck betreibt genau 20 Leuchttürme – von Holnis an der dänischen Grenze bis Buk in der Wismarbucht. „Jedes Bauwerk hat seine Besonderheiten, und keines gleicht dem anderen.“ Der Turm in Pelzerhaken sei zwar nicht so bekannt, aber durchaus interessant, meint Dierken. Er gehört überdies zu den ältesten in Betrieb befindlichen an der Ostseeküste. Im Jahr 1843 wurde dort erstmals ein Leuchtfeuer entzündet – eine Petroleumlampe mit einem rotierenden Spiegelapparat. Sie zeigte ein weißes Licht, das alle zwei Minuten zweimal unterbrochen wurde.

77 Stufen führen hinauf in den Laternenraum des Leuchtturms Pelzerhaken. In gut 19 Meter Höhe weist eine Halogenglühlampe mit 600 Watt Schiffen zuverlässig den Weg durch die Neustädter Bucht. Betreiber ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Lübeck.

Noch Mitte des 19. Jahrhunderts war Neustadt Dänemarks südlichster Ostseehafen. Die Nähe zu Lübeck, die versteckte Lage hinter dem „Pelzer Haken“ und auch die enge Zufahrt zum Hafen führten zum Bau eines Lotsenhauses mit Leuchtturm. Der Turm war ursprünglich nur zwölf Meter hoch, viereckig und weiß. 1936 ordnete die zuständige Schifffahrtsbehörde an, den Leuchtturm zu erhöhen. Er wurde auf 19 Meter aufgestockt und mit dunkelroten Ziegelsteinen verblendet. Davon künden noch heute eine aus Metall aufgesetzte Jahreszahl, ein Adler und ein Eichenkranz. Das Turmgebäude sowie das angrenzende Leuchtturmgehöft stehen inzwischen unter Denkmalschutz.

Seit Anfang der 80er Jahre wird der Leuchtturm Pelzerhaken ferngesteuert. In der Verkehrszentrale Travemünde laufen die Fäden zusammen. „Per Computer werden Störungen und Alarm angezeigt, etwa wenn das Licht ganz ausgefallen ist“, erklärt Dierken. „Das ist modernste Technik, die wir hinter den Leuchttürmen haben.“ Kleinere Störungen seien rund um die Uhr aus der Zentrale zu beheben, ansonsten müsse man rausfahren. Die meisten Leuchttürme werden übrigens noch mit herkömmlichen Glühbirnen oder Halogenlampen betrieben. „Der Aufwand, auf LED umzustellen, ist sehr groß.“

Damit die Leuchtfeuer zuverlässig brennen, ist jeder Leuchtturm mit einer sogenannten Netzersatzanlage ausgestattet. „Im Falle eines Stromausfalls springt der Generator an“, erklärt Dierken. Dabei machen die Leuchttürme nur einen kleinen Teil der maritimen Verkehrssicherung der Verkehrszentrale Travemünde aus. Diese überwacht mit elektronischer Unterstützung den Schiffsverkehr auf der Ostsee – vergleichbar mit der Flugsicherung in der Luftfahrt.

Als erster fernüberwachter Leuchtturm an der Ostsee ist 1962 Kalkgrund in die Geschichte eingegangen. Der höchste ist der Leuchtturm Buk – mit 95 Metern über Normal Null. Einer der kleinsten ist der Leuchtturm Strukkamphuk auf Fehmarn. Der älteste Leuchtturm aus dem Jahr 1539 steht in Travemünde – seinen Dienst hat 1974 jedoch das Maritim-Hochhaus übernommen. Kiel hat den einzigen Leuchtturm mit einer rund um die Uhr besetzten Lotsenversetzstation. Der Leuchtturm Schleimünde hat seit 1872 achtmal sein Erscheinungsbild geändert.

Überdies hätten es die Leuchttürme Dahmeshöved, Flügge und Buk bereits auf eine Briefmarke geschafft, erzählt Dierken. Die meisten Besucher haben die Türme Buk (Bastorf, Mecklenburg-Vorpommern) und Flügge (Fehmarn). Im vergangenen Jahr wurden dort jeweils rund 40 000 Besucher gezählt. Nicht alle Leuchttürme sind allerdings zu besichtigen.

Bewerber gesucht

Das WSA mit seinen Dienststellen in Lübeck, Wismar und Kiel hat 250 Beschäftigte und derzeit 20 Auszubildende. Begonnen haben gerade Elektroniker für Betriebstechnik sowie für Geräte und Systeme und Industrie- und Schiffsmechaniker. Doch schon Mitte September laufen die Stellenausschreibungen für den August 2019. „Das ist eine interessante und zukunftsfähige Ausbildung“, wirbt Amtsleiter Henning Dierken. Damit könne man später viel machen. Nach der dreieinhalbjährigen Lehrzeit gibt es eine zweijährige Übernahmegarantie. Pro Jahr werden fünf neue Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt. Ab 2019 werden auch wieder Wasserbauer ausgebildet.

Julia Paulat

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