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Norddeutschland Liebeserklärung an den Norden
Nachrichten Norddeutschland Liebeserklärung an den Norden
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10:05 17.11.2015
Ihr „Liebeslied an den Norden“ begeistert die Internetgemeinde. Den Poetry Slam schrieb Mona Harry aus Sehnsucht. Hier tritt sie bei der Schleswig-Holstein Poetry-Slam Meisterschaft 2015 auf. Quelle: Christoffer Greiß
Ahrensburg

Vor ihrem Auftritt entschuldigt sich die Künstlerin bei ihrem Publikum für das, was sie gleich sagen wird. Denn unter den Zuschauern sind fast nur Menschen aus Bayern. Die junge Frau wird ihnen jedoch gleich vorschwärmen, wie schön es auf der anderen Seite Deutschlands ist. Als sie dann loslegt, ist die Unsicherheit verflogen. Mit leuchtenden Augen und voller Überzeugung sagt sie: „Denn ich mag dieses Herbe, das Graue, das salzig Raue, das Wasser, den Nebel, den prasselnden Regen, die wogenden Meere.“ Es ist ihr „Liebesgedicht an den Norden.“ Das Video von ihrem Auftritt beim Poetry Slam 2015 im Medienatelier Deggendorf macht sie gerade zum Star auf Youtube und Facebook.

Mit ihren Worten spricht Mona Harry Nordlichtern aus der Seele. Und der Text ist tatsächlich aus echter Sehnsucht nach dem Norden entstanden. Mit 14 zog die Ahrensburgerin für einige Zeit in den Schwarzwald. „Dort habe ich erst gemerkt, dass der Norden für mich die Heimat ist“, sagt sie. Als sie dann Anfang des Jahres für einen Poetry-Slam-Wettbewerb in Süddeutschland unterwegs war, entstand der Text für ihr Liebesgedicht an den Norden. „Ich war in Bayern und es war strahlender Sonnenschein und die kleinen Städtchen echt wunderschön. Da habe ich mich selbst gewundert, dass ich mich trotzdem nach einem Ort sehne, an dem es oft so grau und düster ist“, sagt sie. Aus diesem Gefühl heraus schrieb sie ihren Poetry Slam.

Eigentlich ist die Kunst- und Philosophiestudentin schon seit Jahren erfolgreich in der Poetry-Slam- Szene unterwegs. Bis zu 15 Auftritte habe sie pro Monat, erzählt sie. Auch in Lübeck trug sie bereits ihre Texte vor. Der Verein zur Förderung angewandter Popkultur lud sie mehrmals ins Filmhaus ein. Bei den deutschsprachigen Meisterschaften 2015 machte sie den sechsten Platz. Im Finale trat sie mit dem Liebesgedicht an den Norden an.

Ihren jetzigen Erfolg hat sie aber dem Kieler Wirtschaftsministerium zu verdanken. Deren Sprecher Harald Haase veröffentlichte das Video von ihrem Auftritt in der vergangenen Woche auf dem Youtube-Kanal des Ministeriums. Dort wurde es bereits über 164 000 Mal geklickt. Auf Facebook wurde es über 2000 Mal geteilt. Einige User kritisierten jedoch, dass die Künstlerin nicht gefragt wurde, bevor ihr Auftritt veröffentlicht wurde. Der Text passe sehr gut zur Werbekampagne „Der echte Norden“, deshalb habe er das Video veröffentlicht, erklärt Sprecher Haase. Doch er habe die Künstlerin auf keinen Fall instrumentalisieren wollen. „Mich hat es einfach fasziniert, wie diese junge Frau so schnörkellos und authentisch alles auf den Punkt bringt, was wir mit unserer Marketingkampagne seit zwei Jahren erarbeiten.“ Er habe bereits Kontakt zu Mona Harry aufgenommen. „Als Künstlerin möchte ich lieber vorher gefragt werden“, sagt Mona Harry dazu. Aber für sie sei es schlussendlich sehr gut gewesen, dass das Video veröffentlicht wurde. „Ich habe davon profitiert.“

Sie wolle aber nicht, dass ihr Text missbraucht wird. „Ich bin ein weltoffener Mensch und mag viele Orte“, stellt sie klar. „Für mich ist der Norden aber meine Heimat.“

Der plötzliche Erfolg habe sie überrascht. „Ich bin immer noch irritiert, dass der Text so vielen Leuten gefällt“, sagt sie und lacht. Vielleicht läge es daran, dass es in Norddeutschland sonst nicht so üblich sei, über sein Bundesland zu schwärmen. „In Bayern wird das mehr zelebriert.“ Trotzdem konnte Mona Harry dort mit ihrer authentischen Liebeserklärung an den Norden punkten. Am Ende gab es von den Bayern begeisterten Applaus.

Textausschnitte
Du sagst, Norden. Das sei doch dieser Ort langweiliger Landschaft, durchsetzt von hässlichen Städten, in ewigem Regen, nichtssagende Wiesen, irgendwo im Nebel gelegen, da sei das Bestreben vergebens, sich nicht dem Nass zu ergeben, da sei man stets von Kälte, von Klämme und Stürmen umgeben. (..)


Denn ich mag dieses Herbe, das Graue, das salzige Raue, das Wasser, den Nebel, den prasselnden Regen, die wogenden Meere, die drohenden Gebärden des Wetters, wenn Wolkenturmhöhen den Himmel beschatten, mag das Gefühl mich von Sturmböen beuteln zu lassen (..)


(...) Oh Friesennerz, Oh Gummistiefel


(...) Und egal, wie oft es mich auf Reisen und in weit entfernt gelegene Gegenden zieht. Eine steife Brise trägt mein Herz stetig zurück. Land zwischen den Meeren vor dem sich im Wind sogar die Bäume verneigen, Du bist der wahre Grund, warum Kompassnadeln nach Norden zeigen.

Alessandra Röder

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