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Liebings lockere Lehrstunde

Lübeck Liebings lockere Lehrstunde

LN-Serie: Kandidaten an der Spitze der Landtagsparteien treffen Wähler. Heute Teil 2: Ingbert Liebing (CDU) im Katharineum in Lübeck.

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Turbo- oder Langsam-Abi? Die Katharineer Hannah Klinger, Anna-Blume Giede, Maike Kuner, Henry James Berndt, Niklas Benecke, Benedikt Schaible und Hanno Senkbeil (v. l.) diskutierten mit Ingbert Liebing (CDU).

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn, Mz/alexander Baumbach

Lübeck. Das Katharineum in Lübeck: Fast 1000 Schülerinnen und Schüler, die besten Abi-Noten landesweit, ältestes Gymnasium der Hansestadt, seit 1531. Bis dahin Franziskanerkloster. Puuh, mehr Geschichte geht kaum. Genau der richtige Ort, um junge Leute mit Ingbert Liebing über G8 und G9 diskutieren zu lassen. Liebings Partei, die CDU, will den neunjährigen Weg zur Hochschulreife bei einer Regierungsübernahme nach dem 7. Mai an alle Gymnasien zurückholen. Und viele Menschen fragen sich: Kostet das die Union Stimmen oder sorgt es für ein besseres Zeugnis an der Wahlurne?

LN-Bild

Kandidaten an der Spitze der Landtagsparteien treffen Wähler – Teil 2: Ingbert Liebing (CDU).

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Jetzt sitzt er in einem Klassenzimmer des Katharineums, einer Schule mit Turbo-Abi, der Noch-Bundestagsabgeordnete Liebing, Listenplatz 2 bei den Christdemokraten. In Flensburg geboren, auf Sylt zu Hause, aus Berlin mit Umweg über Husum angereist auf LN-Einladung für diese außerschulische Veranstaltung mit sieben politisch interessierten Elftklässlern des Katharineums.

„Mein Name ist Ingbert Liebing.“ Das bleibt unwidersprochen. Dann aber. „Ich fühle mich mit G8 gar nicht überfordert, wie die CDU behauptet, komme ein Jahr schneller zum Studieren“, sagt Hannah Klinger. „Es ist nicht schön, am Schüler herumzuexperimentieren“, ergänzt Niklas Benecke. Der CDU-Mann, der aussieht, als hätte er ständig ein Lächeln auf den Lippen (vielleicht hat er das ja auch), bleibt souverän, behält die Ruhe. „Wir wollen nicht von einem aufs andere Jahr alles umkrempeln“, beruhigt Liebing. „Wir werden unsere Entscheidungen in Gesprächen mit den Beteiligten sorgfältig vorbereiten.“ Die CDU-Entscheidung, zum langsameren Abiweg zurückzukehren, findet auch Zustimmung. „G9 würde einen entspannteren Stundenplan bedeuten“, argumentiert Maike Kuner. „In der Klausurphase ist G8 echt stressig.“ Hanno Senkbeil sagt: „Das Leben ist lang genug. Man muss sich nicht hetzen.“

Der schnellere Weg zum Abi, den viele Bundesländer mitgingen, war einst mit dem Segen der CDU eingeführt worden. Jetzt sagt Liebing: „G8 hat die Erwartungen nicht erfüllt. Wir wollen den Kindern mehr Zeit geben. Wir hören Beschwerden von Eltern, haben Klagen an Hochschulen über die mangelnde Studierfähigkeit von Abiturienten.“ Henry James Berndt hält das offenbar für Kokolores. Er benutzt dieses Wort nicht, meint es aber so. „Mangelnde Studierfähigkeit hat doch nichts mit G8 zu tun, sondern allein mit dem gesellschaftlichen Druck, dass heute jeder ein Abi haben soll.“ Liebing wäre nicht Liebing, wenn er nicht immer noch stoisch lächelnd wirken würde. „Okay, ein Stück weit haben Sie recht“, räumt er ein. Die Klagen an den Unis gebe es schon länger. „Aber G8 verschärft das Problem.“

„Ingbert wer?“, hatte die „Welt“ vor einem halben Jahr getitelt, als die CDU-Umfragewerte nicht aus dem Keller kamen. Liebing war CDU-Landesvorsitzender, arbeitete fleißig, aber ein Resultat war irgendwie nicht abzulesen. Liebing schmiss hin, machte den Weg frei für Daniel Günther, bis dahin einzig CDU-Fraktionsvorsitzender im Kieler Landtag. „Herr Gott, nimm mich; verschon die andern“, ruft Deichgraf Hauke Haien in Theodor Storms „Schimmelreiter“. Er zählt zu Liebings Lieblingslektüre. Liebing tritt jetzt als Kandidat in Nordfriesland-Nord an. In seinem Wahlkreis wurde er mit 100 Prozent Zustimmung gekürt.

16-Jährige können ja so schön provokativ sein. „Glauben Sie, dass Sie aufgrund Ihrer Lebenserfahrung besser über G8 und G9 entscheiden können?“, will Niklas Benecke wissen. Im Übrigen gäbe es wichtigere Dinge an den Schulen. „Es braucht mehr Freiheiten zum Lernen, die Profil-Oberstufe schränkt unsere Wahlfreiheiten ein. Das führt zu Freistunden und verschwendeter Zeit.“ Ein Zurück zum alten Kurssystem werde es mit seiner Partei nicht geben, stellt Liebing klar und rückt mit dem Gesäß ein bisschen weiter auf die Tischkante. Sinn der Profil-Oberstufe sei es, Abwahlmöglichkeiten einzuschreiben, mehr Allgemeinbildung sicherzustellen. „Wenn G9 wirklich wiederkommt, muss es für Schüler entspannter werden als der Stress zuletzt“, mahnt Henry Berndt an. Liebing, kein ausgewiesener Bildungsexperte, kramt in seiner Aktentasche, holt ein Papier zur Hilfe. Der Profi ist präpariert. „Die Jahrgänge 9, 10, 11 und 12 laufen nach altem System weiter, die Jahrgänge 5, 6, 7 und 8 werden auf G9 umgestellt“, erläutert er das CDU-Wahlprogramm.

Ganze 90 Minuten lang ist am Ende diskutiert worden. „Wir sind zufrieden“, sagen die Schüler und schütteln Liebing die Hand. „Hat Spaß gemacht“, sagt Liebing und wischt sich ein paar feine Schweißperlen von der Stirn.

Hinweis: Ingbert Liebing ist die Nummer zwei der CDU-Landesliste. Die Nummer eins, Daniel Günther, Bewerber um das Amt des Ministerpräsidenten, stellen wir gesondert vor.

Zur Person

Ingbert Liebing (53) ist in Flensburg geboren, in Neumünster aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. An der Kieler Christian-Albrechts-Universität studierte Liebing Literaturwissenschaft, Politologie und Orientalistik. 1996 wurde er zum hauptamtlichen Bürgermeister von Sylt-Ost gewählt. 2005 zog Liebing für die CDU in den Bundestag ein. Von November 2014 bis Oktober 2016 war er CDU-Landeschef. Liebing wohnt auf Sylt, ist verheiratet und hat zwei Töchter.

 Curd Tönnemann

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