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Norddeutschland Engpässe bei Medikamenten im Norden
Nachrichten Norddeutschland Engpässe bei Medikamenten im Norden
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08:52 15.09.2018
Verbraucher können meist auf Alternativen zurückgreifen. Quelle: Fotolia
Lübeck

„Es gibt schon seit einigen Jahren zunehmend Engpässe bei der Medikamenenproduktion“, erklärt Dr. Thomas Friedrich, Geschäftsführer des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein. Das läge an der wachsenden Konzentration von Herstellern infolge der Globalisierung. Der Chemiekonzern BASF mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein ist der einzige deutsche Vertreter unter den sechs großen Herstellern weltweit. Der Super-Sommer bereitete dem Unternehmen in diesem Jahr große Produktionsschwierigkeiten. Aufgrund der Trockenheit konnte dem Rhein nicht genügend Wasser für wichtige Kühlprozesse entnommen werden. Für Friedrich ist klar: Versorgungsengpässe entstehen vor allem durch die geringe Zahl der Produzenten. „Wenn einer der Hersteller bei der Produktion gestört wird, kann der Bedarf nicht mehr gedeckt werden.“ Außerdem sei die Nachfrage nach Ibuprofen in letzter Zeit jährlich um circa fünf Prozent gestiegen. „Da können die Hersteller nicht mithalten“, sagt Friedrich. Als Reaktion auf den wachsenden Bedarf plant BASF eine neue Produktionsstätte, die 2021 die Arbeit aufnehmen soll. Zudem erwartet der Konzern mit dem Ende des Sommers wieder eine effektivere Produktion. Friedrich allerdings sieht die einzige Möglichkeit, die Versorgung nachhaltig und preisgerecht zu gewährleisten, in einem Umdenken der staatlichen Sicherungssysteme. In Deutschland herrsche nämlich durch die Rabattverträge der Krankenkassen zusätzlich ein hoher Preisdruck auf die Medikamentenhersteller, weshalb diese ihre Standorte zunehmend ins Ausland verlagern würden.

Genügend Alternativen

Apotheker betonen dennoch, dass bei der Versorgung mit Ibuprofen kein Grund zur Sorge bestehe. Apotheken könnten ihren Kunden bei Knappheit genügend Alternativen anbieten. Auch Friedrich beruhigt die Verbraucher: „Hauptsächlich betroffen sind die verschreibungspflichtigen Ibuprofen 600 Miligramm. Es gibt aber auch viele alternative Dosierungen und Wirkstoffzusammensetzungen.“ Risikopatienten wird im Falle eines Medikamentenwechsels allerdings dringend empfohlen, Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu halten, um mögliche allergische Reaktionen und Nebenwirkungen zu vermeiden.

Notfallsets derzeit nicht bestellbar

Kritischer hingegen sieht es bei Notfallsets für Allergiker aus. Diese enthalten bereits präparierte Spritzen, zum Beispiel gegen Insektenstiche, um im Notfall direkt die Symptome zu bekämpfen. Derzeit seien die Spritzensets für Apotheken gar nicht bestellbar. Friedrich geht davon aus, dass die knappe Verfügbarkeit hierbei jedoch nicht durch Defizite in der Herstellung verursacht wurde, sondern durch eine widererwartend hohe Nachfrage in diesem Sommer. Der große Bedarf resultiere ebenfalls aus der aktuellen Wetterlage und dem damit verbundenen extremen Wespenaufkommen. In diesem Fall ist es den Herstellern nicht möglich, die Produkte schnell genug nachzuproduzieren. Die Alternativen für die Spritzensets seien weniger befriedigend. „Zwar können die Betroffenen Allergietabletten einnehmen, diese schlagen jedoch nicht sofort an“, betont Friedrich. Bei einem akuten Notfall insbesondere in der Nähe der Atemwege werde somit direkt ärztliche Hilfe benötigt.

Rabea Osol

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