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Lkw-Fahrer: Ärger um Planenschlitzer

Lübeck Lkw-Fahrer: Ärger um Planenschlitzer

Der Diebstahl von Lkw-Ladungen hat laut Polizei deutlich zugenommen: Die Täter kommen meistens nachts und hoffen auf fette Beute. Beliebt vor allem Elektronik-Ware.

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Friedbert Höffner lässt den Schlitz nicht reparieren. Dann können Diebe sehen, dass er nur Altpapier geladen hat.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Ein Loch klafft in der Plane von Friedbert Höffners Lastwagen. Unbekannte haben seinen Trailer in der Hoffnung auf fette Beute aufgeschlitzt. „Das ist bei mir in der Straße passiert“, sagt der 65-Jährige aus Urmitz in Rheinland-Pfalz, der gerade eine Pause auf dem A-1-Rastplatz Buddikate (Kreis Stormarn) macht. Doch die Täter erlebten eine Enttäuschung — das Fahrzeug war leer. Immer häufiger sind sie jedoch erfolgreich. Der Diebstahl von Lkw-Ladungen hat nach Angaben der Polizei in einigen Bundesländern im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ist Ladungsdiebstahl „ein massives Problem“. In Brandenburg und Baden-Württemberg gab es 2015 eine Verdopplung der Fälle oder mehr, geht aus Schreiben der Behörden hervor. Auch versuchte Taten flossen in die Zählung ein. Für Schleswig-Holstein gibt es keine Statistik zum Lkw-Ladungsdiebstahl.

LN-Bild

Die Täter kommen meistens nachts und hoffen auf fette Beute. Beliebt bei den Dieben ist vor allem Elektronik.

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„Vor allem im Ausland hat es erheblich zugenommen“, sagt Thomas Rackow, Geschäftsführer des Landesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (VGL), „aber auch in Deutschland ist es mehr geworden.“ In Schleswig-Holstein selbst passieren allerdings nur sehr wenig Diebstähle. „Auf Raststätten sind das ein bis zwei pro Jahr.“ Laut Rackow gibt es die Tendenz, den Transport hochwertiger Waren bevorzugt an schleswig-holsteinische Unternehmen zu geben, weil bei ihnen weniger passiert. Gefährliche Pflaster für Lkw-Fahrer sind besonders die ost- und südeuropäischen Länder sowie das Baltikum. Beliebt bei den Tätern seien vor allem Elektronik und Lebensmittel. Sogar Süßigkeiten, die ein Unternehmen aus Schleswig-Holstein transportiert, wurden gestohlen. Auch auf Lübecker Süßwaren-Spezialitäten hätten es die Diebe abgesehen. Einer Studie der Zürich Versicherung zufolge verschwinden in jedem fünften Ladungs-Diebstahl Elektrogeräte, vor allem Flachbild-Fernseher, Smartphones und Laptops.

Auf solch wertvolles Diebesgut hatten es wohl auch die Täter abgesehen, die sich in Belgien an Wolfgang Lüders‘ Lkw zu schaffen machten. Die Warndreiecke, die er tatsächlich geladen hatte, waren für sie uninteressant. Ganz anders sah es mit den hochwertigen Badarmaturen aus, die Lüders ein anderes Mal transportierte. Sie wurden ihm nachts auf einem Autohof in Hannover gestohlen. „Wir werden von den Speditionen angewiesen, nicht den Helden zu spielen“, erzählt der 65 Jahre alte Lkw-Fahrer bei einer Rast auf dem Autohof Roggenhorst in Lübeck.

Olaf Roßdeutscher und Ronny Lepinski berichten während einer Pause auf dem Rastplatz Trave an der A 1 von Fällen, in denen die Lkw-Fahrer mit Messern oder Baseballschlägern bedroht wurden. „Das ist ein schweres Problem“, sagt Roßdeutscher, Geschäftsführer der Spedition „Vertrieb & Fuhrbetrieb von technischen Gasen Olaf Roßdeutscher“. Und sein Kollege ergänzt: „Die Diebstähle passieren überall — vom Norden bis in den Süden.“ Erst vor zwei Wochen wurden bei zwei Lkw des Stralsunder Betriebs, der in ganz Deutschland unterwegs ist, in Stelle und Stillhorn bei Hamburg die Planen aufgeschlitzt. Aus einem Fahrzeug stahlen die Täter drei Kisten Wein. Auch der Diebstahl von Diesel hätte stark zugenommen. Insgesamt 400 Liter wurden Roßdeutscher kürzlich in Lüneburg aus zwei Fahrzeugen abgezapft. „Es gibt noch immer zu wenig Parkplätze, die überwacht sind“, sagt Lepinksi.

Lkw-Fahrer Friedbert Höffner aus Urmitz steuert „zu 99 Prozent einen Autohof an“. Zur Not fährt er auf eine Autobahnraststätte, aber einsame Parkplätze meidet er. „Die Täter kommen immer nachts“, sagt Reiner Strübing, der mit seinem Lkw auf dem Weg nach Schweden ist und einen Stopp in Buddikate macht. Auch an seinem Trailer haben die Planenschlitzer ihre Spuren hinterlassen. Drei reparierte Risse zieren seinen Anhänger. „Das erste Mal passierte nach drei Wochen“, sagt er.

Der Landesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung empfiehlt seinen Mitgliedern, die Fahrzeuge während der Ruhepause nicht zu verlassen. Außerdem sollten statt der weichen Planen harte Aufbauten verwendet werden. Die Spedition Schmechel aus Bad Oldesloe setzt verschiedene Sicherheitsmaßnahmen ein. Dazu gehört die Überwachung per GPS . Die Spedition Bode aus Reinfeld fährt viel auf bewachte Parkplätze. Friedbert Höffner ist pragmatisch: „Ich lasse den Schlitz erst einmal offen“, sagt der 65-Jährige. So können die Täter sehen, was er geladen hat. „Ich fahre viel Baustoffe und Altpapier. Das will keiner.“

Häufig sind osteuropäische Diebesbanden am Werk

300 Millionen Euro — auf diese Summe schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die jährlichen Schäden durch den Verlust der Güter für deutsche Versicherer. In einer Studie im Auftrag des EU-Parlaments ist sogar von 1,5 Milliarden Euro volkswirtschaftlichen Schäden in Deutschland die Rede, darin inbegriffen sind zum Beispiel auch Kosten für ausländische Versicherungen sowie die Beschädigungen der Lkw.

Die Täter sind laut Landeskriminalamt Niedersachsen und Brandenburger Polizei oft Banden aus Osteuropa. Bisweilen arbeiteten die Kriminellen zudem mit „Insidern“

zusammen, also Leuten aus der Spedition oder den Firmen.

Von Julia Konerding

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