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Norddeutschland Lkw sollen sicherer werden: Notbrems-Systeme als Pflicht
Nachrichten Norddeutschland Lkw sollen sicherer werden: Notbrems-Systeme als Pflicht
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23:52 27.04.2018
Berlin/Kiel

Denn immer wieder kommt es etwa auf Autobahnen zu schlimmen Auffahrunfällen, wenn Lastwagen oder Busse ungebremst in Stauenden krachen. Beim Abbiegen der großen Fahrzeuge an Kreuzungen werden zudem Fußgänger und Radfahrer gefährdet, die sich im „toten Winkel“ der Fahrzeuge befinden. Oft sind es schwere und sogar tödliche Unfälle.

Der Bundesrat forderte gestern in einer Entschließung die Bundesregierung auf, erstens den Einbau beziehungsweise die Nachrüstung von Notbrems- und Abbiege-Assistenzsystemen in Lkws und Bussen zur Pflicht zu machen sowie zweitens diese Systeme auch verbindlich während der Fahrt einzusetzen. Es wurde kritisiert, dass es zwar bereits ab November 2015 eine Ausrüstungspflicht mit automatischen Bremsassistent für Neufahrzeuge über acht Tonnen gibt, doch eine Pflicht, diese Sicherheitstechnik auch zu nutzen, gebe es nicht. Fahrer könnten die Systeme, die Warnsignale aussenden und im Notfall automatisch abbremsen, einfach abschalten.

Der Kieler Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) sagte den LN, er unterstütze jedes technische System, das dazu beitragen könne, Verletzte oder Tote zu verhindern. Das könne dadurch erreicht werden, „dass die Möglichkeit des Abschaltens solcher Einrichtungen technisch unterbunden wird“. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat signalisiert, sich auch auf internationaler Ebene für schärfere Vorschriften einzusetzen, „dass Notbremssysteme nicht mehr abgeschaltet werden dürfen“.

Besonders auf den Autobahnen bringt der steigende gewerbliche Lkw-Verkehr höhere Unfallzahlen mit sich. 2017 verzeichnete die Polizei allein in Schleswig-Holstein 2811 Lkw-Unfälle. Im Vergleich zu 2012 ein Anstieg von 23 Prozent. Deswegen unterstützt auch der Unternehmensverband Logistik in Schleswig-Holstein die Forderung des Bundesrats. Ein Großteil der Unternehmer investiere schon in Sicherheitssysteme, sagt Präsident Peter Boyens. „Wir haben großen Mangel an Kraftfahrern“, sagt er. „Da müssen wir den Arbeitsplatz so sicher und attraktiv wie möglich gestalten.“

Doch besonders schwere Folgen haben Lkw-Unfälle für die anderen Verkehrsteilnehmer, weiß Ulf Evert, Sprecher des ADAC Schleswig-Holstein und appelliert an die Fahrer. „Technisch ist schon vieles möglich“, sagt Evert. „Das steht und fällt aber mit dem Verhalten der Fahrer.“

Besonders wichtig sei eine europaweite Regelung, betonen Evert und Boyens. An vielen Unfällen im Transitland Deutschland seien eben auch ausländische Lkw beteiligt, die der deutschen Verpflichtung jedoch nicht unterliegen.

Von Reinhard Zweigler und Saskia Hassink

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