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Norddeutschland Beifall für den späten Blutmond
Nachrichten Norddeutschland Beifall für den späten Blutmond
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09:23 28.07.2018
Hobbyastronomen warten bei der Sternwarte am Wanderweg Bornkamp in Lübeck auf den Mond: Am Ende wurde die Geduld belohnt. Quelle: Felix König
Lübeck

21.00 Uhr. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne färben den Himmel in ein orange leuchtendes Meer. An diesem Sommerabend ist ein extrem seltenes astronomisches Ereignis zu beobachten: Zu der mit etwa 103 Minuten längsten totalen Mondfinsternis des Jahrhunderts gesellt sich ein besonders heller Mars, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum Vollmond erscheint. „Wie ein heller roter Stern ist der Mars eine Handbreit rechts unter dem Mond zu sehen“, erklärt Oliver Paulin, Vorsitzender des Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Das Problem: Wolken verdecken die Sicht.

Etwa 170 Amateurastronomen haben sich am Rande des Lübecker Stadtteils St. Jürgen versammelt. Viele richten ihre Teleskope, Kameras und Ferngläser gen Südosten, dort erwarten sie den ersehnten „Blutmond“. Sie hoffen, dass der Himmel klar wird, bevor die Mondfinsternis endet.

Klicken Sie hier, um zahlreiche Leserbilder vom Blutmond zu sehen!

21:14. Es ist soweit. Der Mond geht auf. In anderen Städten ist es zu sehen: Zaghaft lösen sich die Konturen des einzig natürlichen Satelliten der Erde vom Horizont. „Bereits jetzt ist der Mond zu dreiviertel verfinstert“, erklärt der Hobby-Astronom Paulin den zeitlichen Ablauf.

21:30. Der Mond befindet sich nun im Kernschatten – in Lübeck verdecken ihn immer noch Wolken. „Wirklich schade, besonders weil heute sehr viel Publikum vor Ort ist“, sagt Ernst-Günter Bröckels, Hobby-Astronom. Mit seinem langen Teleskop macht er das Beste aus der Situation und sucht nach weiteren Planeten.

22:06. Endlich: Die Wolken reißen auf und geben den Blick auf den roten Feuerball frei. Aufgeregt drängen die Menschen um die aufgestellten Teleskop. Ein jeder möchte als erster einen Blick auf den Mond werfen.

22:10. Die Mitte der Finsternis ist erreicht, der Mond schimmert rötlich. Immer noch ist Dunst am Himmel. „Die Totalität, also die total rot leuchtende Mondfinsternis, dauert insgesamt 103 Minuten“, sagt Paulin. Leider in Lübeck immer noch hinter Wolken verborgen: Der leuchtende Mars nahe am Mond.

22:35. Ein drittes Spektakel gesellt sich zu dem Naturschauspiel, denn zu dem verdunkelten Mond und dem rötlichen Mars stößt die Raumstation ISS, und zehn Minuten darauf ist auch der Mars zu sehen. „Es ist ein wirklich großer Zufall, dass wir alle drei Objekte gemeinsam sehen können“, sagt Stefan Bierfreund, Vorsitzender des Lübecker Vereins für Luftfahrt. Fast 60 Grad über dem Horizont ist die Raumstation zu sehen.

23:14. Das Ende kündigt sich an, der Mond verlässt den Kernschatten der Erde. Erleichtert sprechen die Beobachter über ihre Erlebnisse. Die Sorge war groß, das Schauspiel zu verpassen. Jetzt sind alle glücklich. Bis zur nächsten Mondfinsternis müssen sie nicht lange warten. Die wird am 21. Januar zu sehen sein – wenn freie Sicht ist.

Hier konnten Sie die Mondfinsternis live verfolgen

 

Einen ganz besonderen Blick bot ein Livestream, der aus Namibia kam: Dort steht der Mond nämlich höher – und ist so noch besser zu sehen.

Von Fabian Boerger

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