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Norddeutschland Polizei testet Bodycams auch auf Travemünder Woche
Nachrichten Norddeutschland Polizei testet Bodycams auch auf Travemünder Woche
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16:16 14.06.2018
Ein Beamter der Bundespolizei zeigt im Ostbahnhof eine Bodycam zur Videoüberwachung. In Schleswig-Holstein wird das Pilotprojekt «Bodycams» vorgestellt. Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Kiel/Lübeck

Auf der Kieler und später auf der Travemünder Woche testen Schleswig-Holsteins Polizisten erstmals sogenannte Bodycams. „Die Bodycam soll die Kollegen vor Übergriffen schützen“, sagte Polizeidirektor Axel Behrends am Donnerstag bei der Vorstellung eines Pilotprojekts. Die Kamera soll dem polizeilichen Gegenüber „den Spiegel vorhalten“. Die Landespolizei erhofft sich von dem Einsatz der Technik in Konfliktsituationen mit Beamten einen deeskalierenden Effekt.

Die Polizei hat 40 Kameras angeschafft - Kostenpunkt insgesamt 40 000 Euro. Beamte in Kiel, Lübeck und von der in Eutin stationierten Einsatzhundertschaft nutzen Bodycams. Die Kameras kommen in diesem Sommer aber nicht nur auf dem größten Sommerfest Nordeuropas in Kiel, sondern auch auf der Travemünder Woche und beim Wacken Open Air zum Einsatz.

Schalten Polizisten die Technik auf Standby, zeigt ein Frontbildschirm das von der Kamera erfasste Geschehen. Im Konfliktfall soll die Kamera signalisieren: „Bleibe auf Distanz, Du wirst gefilmt, wenn Du uns angreifst“, sagte Projektleiter Behrends. Startet der Beamte eine Aufnahme, werden automatisch auch die 30 Sekunden davor gespeichert. Optische und akustische Signale weisen auf die Aufzeichnung hin.

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Aufnahmen sollen aber nur im öffentlichen Raum, in Kneipen, Einkaufszentren oder Bus und Bahn, nicht aber in Privatwohnungen oder auf Demonstrationen erfolgen. Die Kamera nimmt hochauflösende Bilder und Ton auf. Werden die Aufnahmen nicht als Beweismittel gebraucht, sollen sie nach drei Tagen automatisch gelöscht werden.

„Wir hoffen, dass damit die Gewalt gegen Polizeibeamte reduziert wird“, sagte Behrends. Allein im vergangenen Jahr seien im Norden 374 Polizisten im Dienst verletzt worden. Auf Volksfesten wie der Kieler Woche schlage der eine oder andere Besucher über die Stränge. „Das sind Situationen, wo es immer wieder zu Konflikten mit den Kollegen kommt.“ Deshalb sei er froh, das auf ein Jahr ausgelegten Pilotprojekts nun starten zu können. Es wird begleitet von Schleswig-Holsteins Datenschützern.

Innenstaatssekretär Torsten Geerdts (CDU) sprach von einem wichtigen Mittel zum Schutz der Polizei. Die Politik finde sich nicht damit ab, dass jedes Jahr Hunderte Polizisten im Rahmen ihrer Arbeit selbst Opfer von Gewalt würden. „Wer weiß, dass seine Attacke auf Video aufgezeichnet würde, der hat eine höhere Hemmschwelle.“ Deshalb wirkten Kameras deeskalierend. Die Polizei in Hamburg und weiteren Bundesländern testet ebenfalls den Einsatz von Bodycams.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Burkhard Peters sagte, „bislang ist der Nutzen von Bodycams nicht hinreichend gesichert“. Pilotprojekte anderer Länder zeichneten kein klares Bild. In Nordrhein-Westfalen sei keine deeskalierende Wirkung erkannt worden.

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