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Norddeutschland Weniger Zucker in Müsli - Brüggen reagiert auf Food-Trend
Nachrichten Norddeutschland Weniger Zucker in Müsli - Brüggen reagiert auf Food-Trend
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16:53 13.03.2019
Norman Gehl, Head of Production, kontrolliert, ob bei der Produktion des Schokoknuspermüslis auch alles korrekt abläuft. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Weniger Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten wie Müsli und Co: Das hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit der Lebensmittelbranche im Dezember vergangenen Jahres vereinbart. Für das Lübecker Traditionsunternehmen Brüggen heißt das konkret: Bis zum Jahr 2025 sollen Frühstücks-Cerealien für Kinder 20 Prozent weniger Zucker enthalten. Und auch das hauseigene Knuspermüsli darf auf 100 Gramm höchstens noch 18 Gramm Zucker enthalten. Dieses Ziel hat sich die Firma im Jahr 2012 im Rahmen der freiwilligen Selbstverpflichtung der europäischen Lebensmittel- und Getränkebranche selbst gesetzt.

„Das ist eine schwierige Thematik für uns“, sagt Jochen Brüggen, Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. „Es liegt in der Natur des Menschen, Süßes zu essen – und davon so viel, wie nur geht. Denn so konnte der Mensch früher sein Überleben sichern, und auch das der eigenen Spezies.“

Die Zuckerreduktion stellt Brüggen vor eine große Herausforderung

Heute ist bekannt, dass zu viel Zucker vor allem eines ist: ungesund. Der Trend der Zuckerreduktion stellt das Unternehmen vor eine große Herausforderung. Der Zucker muss weichen. Das Produkt soll gesünder werden – und trotzdem schmecken. „Und zwar so, dass der Konsument sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlt und denkt: Ich kenne dieses Verpackungsdesign, aber dieser Geschmack ist mir fremd“, sagt Brüggen.

Für die Unternehmen aus der Lebensmittelbranche kommt neben der Änderung der Rezeptur die Schwierigkeit deren Kommunikation hinzu: Dass beispielsweise ein Müsli weniger Zucker enthält, darf nur dann groß auf der Verpackung beworben werden, wenn auf einen Schlag 30 Prozent weniger Zucker darin enthalten sind. Möchte man den Kunden, der seit Jahren das gleiche Produkt kauft, auch weiterhin an sich binden, sei eine derartige Reduktion von Zucker aber schier unmöglich, sagt Brüggen. „Wir müssen den Konsumenten langsam entwöhnen und von der Süße wegführen“, bestätigt auch Stefanie Wehner, Verkaufsbereichsleiterin von Brüggen. „Und das geht nicht von 100 auf Null. Gut gemacht hat man es dann, wenn der Kunde gar nicht merkt, dass sein Müsli weniger Zucker enthält.“

In den USA und Südeuropa macht Zucker 40 Prozent des Inhalts aus, in Deutschland höchstens 25

Obwohl in Schokomüsli, Cornflakes und Flocken häufig viel Zucker steckt, hält sich hartnäckig die Annahme, Müsli sei ein gesunder Start in den Tag. „Wir verkaufen ja aber keine Süßwaren“, sagt Jochen Brüggen. In den USA, aber auch in Südeuropa, sei das noch einmal anders, da mache der Zucker im Müsli gut 40 Prozent des Inhalts aus. „Und wer ein Schokomüsli isst, sucht nicht nach einem gesunden Frühstück. Das ist mit dem Nutella-Brot ja nicht anders.“ Eine 750-Gramm-Packung Müsli enthalte außerdem zwischen 70 bis 80 Prozent Getreide, häufig gar Vollkorn. „Hafer gilt als Superfood, als gesündestes Getreide überhaupt. Das hat auch schon Max Bircher-Benner, der Erfinder des Müslis, gewusst“, erklärt Brüggen. Was ungesund oder gesund sei, hänge Brüggen zufolge auch ganz stark davon ab, was man sonst esse. „Es muss ein gesunder Mix aus allem sein.“ So fänden sich auch in dem Sortiment Brüggens von genussorientierten bis zu gesunden Produkten, worauf der Kunde Lust hätte.

Der Familienbetrieb trage insofern keine Mitschuld daran, dass mittlerweile jedes siebte Kind in Deutschland zu schwer sei. „Wir sind nicht verantwortlich für das Übergewicht“, betont Brüggen. Zwar könne man zuckerfreie und -reduzierte Produkte anbieten, was der Kunde aber letzlich wähle, liege in seiner persönlichen Verantwortung. „Zumal Übergewicht aus unterschiedlichen Faktoren entsteht, wie einem Mangel an Bewegung oder einer falschen Ernährung generell“, sagt Jochen Brüggen.

Josephine Andreoli

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